10 Dinge, die ich auf meiner Mexiko-Reise lernte

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Stille, wie beim Wandern, ist in Mexiko eher selten zu finden. kimako/photocase.de

Eva Horn hat ihren Job gekündigt und reist gemeinsam mit ihrem Freund für mehrere Monate durch Lateinamerika und berichtet von unterwegs in losem Abstand für ze.tt.

Eva Horn und ihr Freund unterwegs auf der Panamericana. © Eva Horn

In Teil 1 schreib sie, was eine Weltreise für ihre Beziehung bedeutet. Teil 2 handelte davon, wie sie von unterwegs Kontakt mit Freunden und Familie hält. In Teil 3 ging es darum, wie man sich vor Ort den Magen nicht verdirbt – und trotzdem gut und günstig isst. Teil 4 handelt von zehn Dingen, die sie in Mexiko gelernt hat. 

Egal, wie laut du bist, Mexiko ist lauter

Morgens um sechs Uhr fährt irgendjemand mit einem Lauti durch dein Wohnviertel, um gebratenes Hühnchen anzupreisen. Kurz danach kräht ein Hahn, 20 Hunde fangen an zu bellen und eine Horde Brüllaffen zieht vorbei. Klingt anstrengend? Ist es auch. In Mexiko sind alle laut. Immer. Werbung für Solarpanels, Chickenwings oder Kinderbekleidung scheint am besten zu funktionieren, wenn sie dröhnend  über schlechte Lautsprecher verbreitet wird. Busfahrer, Tacoverkäuferinnen – alle werben schreiend für ihre Produkte. Eurodance, um an der Fleischtheke im Supermarkt für ein neues Wurstprodukt zu werben? In Lateinamerika ein komplett realistisches Szenario. Kein Wunder, dass Deutsche hier als ernst und reserviert gelten.

© Yuri Cortez/AFP/Getty Images
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Autofahrer in Mexiko sind besser als ihr Ruf

Selten bin ich als Fußgängerin oder Joggerin so zuvorkommend und freundlich behandelt worden wie in Mexiko. Autofahrer winken über die Straße, umfahren Pfützen weiträumig, um ja niemanden nass zu spritzen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber grundsätzlich wird man mit großem Respekt behandelt. Auch im Straßenverkehr geht es überwiegend freundlich zu. Es passiert nur selten, dass Verkehrsteilnehmer sich gegenseitig anbrüllen. Jeder fährt sein eigenes Tempo und es herrscht geregelte Anarchie. Du willst einen LKW überholen? Gut möglich, dass er kurz auf den Standstreifen fährt, um dich vorbeizulassen.

© Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images
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Mücken, Sandflies und andere Gemeinheiten

Mexikanische Mücken sind anders. Während ich in Europa nur höchst selten gestochen werde, habe ich in Mexiko weniger Glück. Zudem sind die Mücken schneller und leiser als in Europa und dadurch weniger gut zu erwischen. Mosquitonetze und Mückenspray sind im Laufe der Zeit zu großartigen Freunden geworden. Sandflies, sind noch einmal eine Ecke fieser. Wie der Name schon andeutet, leben die kleinen Biester im Sand und fast alle Antimückenmittel sind nutzlos. Und hunderte Bisse an den Beinen können die Lebensqualität schon sehr stark einschränken.

© Pedro Pardo/AFP/Getty Images
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Wer denkt, dass man deutsche Texmex-Küche mit mexikanischer Küche vergleichen kann, hat keine Ahnung

Vergesst, was ihr in Europa an Texmex-Küche gegessen habt. Diese hat mit wirklicher mexikanischer Küche ungefähr so viel zu tun wie Spätzle aus der Schütteltube mit dem handgeschabten Produkt: Beides sieht ähnlich aus, schmeckt aber komplett unterschiedlich. Viele der Gewürze, die hier alltäglich sind, sind in Europa gar nicht oder nur schwer zu bekommen.

Von der Schafsfleischsuppe Birria im Norden des Landes, über die verschiedenen Molen in Oaxaca hin zur schweinefleischlastigen Küche auf der Halbinsel Yucatan – kein Mexikaner käme auf die Idee, in ein Restaurant zu gehen, das sämtliche verschiedenen Küchen kombiniert. Nur Touristen mache so etwas und es geht meistens nicht gut aus.

© Omar Torres/AFP/Getty Images
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Pulque, Tequila, Mezcal und Rum

Auch in Mexiko wird überraschenderweise viel getrunken. Hauptsächlich Bier, welches für verwöhnte Süddeutsche Biertrinkerinnen leider alles gleich, nämlich nach nichts, schmeckt. Zwar gibt es auch hier eine wachsende Craftbierszene, aber deren Erzeugnisse sind so teuer, dass sie kaum die Einheimischen als Zielgruppe haben. Umso spannender und abwechslungsreicher sind die lokalen Schnappserzeugnisse. Von Pulque, einem fies vergorenen Agavenmoscht, den man als hinterhältige Vorversion von Mezcal bezeichnen kann (niemand weiß, wie viel Alkohol drin ist) bis hin zu mehrere Jahre in Eichenholzfässern gereiftem Mezcal, ist alles zu haben.

© Omar Torres/AFP/Getty Images
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Das Müllproblem

Kaum etwas ist deutscher als das Trennen von Müll. Schon von klein auf werden wir dazu erzogen, unseren Müll brav zu trennen und vor allem in den Mülleimer und nicht auf die Straße zu werfen. In Mittelamerika hat man davon offensichtlich noch nichts gehört. Die Coladose ist leer getrunken? Prima, Autofenster auf, rauswerfen, Ende Gelände. Entsprechend schlimm sieht es entlang von vielen befahrenen Straßen aus. Dass es an vielen Orten keine geregelte Müllentsorgung gibt, sondern jedes Dorf seinen Müll irgendwo auf einer Wiese verbrennt, ist ebenfalls ein großes Problem.

© John Moore/Getty Images
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Wenn es regnet, dann richtig

In Mexiko verwandelte sich die Straße vor unserer Airbnb-Wohnung innerhalb von fünf Minuten in einen schlammigen, stinkenden Fluss, durch den wir waten mussten, weil wir tragischerweise vergessen hatten, vor dem Wolkenbruch einzukaufen. Zum Glück hatte ich keine teuren Schuhe an, denn das Exemplar konnte ich nach dieser Erfahrung wegwerfen. Einmal mussten wir eine halbe Stunde unter dem Blechdach eines Kiosks aushalten, weil an einer Weiterfahrt mit dem Auto vor lauter Regen nicht zu denken war. Als gebürtige Norddeutsche kenne ich mich ja zwangsläufig gut aus mit Regen, aber diese Dimensionen waren selbst für mich neu. Zusätzlich gibt es nirgendwo eine vernünftige Kanalisation und die weiter oben ausgeführte Vorliebe der Menschen, ihren Müll einfach fallen zu lassen, trägt zur Verschlimmerung des Ganzen bei.

© Pedro Pardo /AFP/Getty Images
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Was dem Deutschen seine ein Meter lange Spiegelreflexkamera ist, ist dem Mexikaner sein Selfiestick

Es gibt sie in allen Farben und in jeder Preisklasse überall zu kaufen, und jeder Einwohner Mexikos hat mindestens einen davon. Man könnte auf die Idee kommen, die mexikanische Regierung würde jedem Baby zur Geburt einen schenken. Bei touristischen Attraktionen sollte man aufpassen, nicht plötzlich einen Selfiestick im Auge zu haben, denn die Jagd nach dem besten Motiv wird höchst ernsthaft betrieben. Überhaupt Selfies, die Menschen machen ständig Selfies, mit allem und in jeder Situation, Justin Bieber ist dagegen ein schüchterner Jüngling.

© Dominique Faget/AFP/Getty Images
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Chips

Wer länger in Mexiko unterwegs ist, der lernt, dass man immer und überall Chips essen kann. Chips zum Frühstück? Kein Problem. Chips mit Ketschup? Erst Recht kein Problem. Chips mit Essig und irgendwelchen Gewürzen? Immer her damit. Es gibt sogar frittierte Schweinehaut, die wie Chips gegessen wird. Kein Nahrungsmittel ist in Mexiko so präsent wie Kartoffelchips. Es gibt sie in jedem Kiosk, an jeder Ecke und in 1000 verschiedenen Packungsgrößen. Wahrscheinlich würden Chips mit absoluter Mehrheit zum Präsidenten gewählt werden, würden sie sich zur Wahl stellen.

© Omar Torres/AFP/Getty Images)
© Omar Torres/AFP/Getty Images)

Über das Akkordeon

In Mexiko sind Musikinstrumente en Vogue, die man eigentlich nur aus dem ZDF Volksmusikabendprogramm kennt. Das Akkordeon beispielsweise spielt im Nortenjo, einer Musikrichtung, die, wie der Name schon sagt, aus dem Norden von Mexiko kommt, aber im ganzen Land gehört wird, eine entscheidende Rolle. Überwiegend männliche Interpreten besingen oder besser gesagt durchleiden den schlimmsten Liebeskummer ihres Lebens – und im Hintergrund quakt fröhlich das Akkordeon und tudelt die Tuba. Natürlich entfaltet die Magie des Nortenjo nur dann seine ganze Wirkung, wenn man die Musik, wie in Mexiko üblich, in voller Lautstärke aus scheppernden Boxen hört.

© Luis Acosta/AFP/Getty Images
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