11 ehrliche Antworten auf Standardfragen beim Vorstellungsgespräch

Einige Fragen im Bewerbungsgespräch sorgen bei vielen für Angstschweiß. Wie wäre es zur Abwechslung mal damit, komplett ehrlich zu antworten? Hier kommen Vorschläge.

Ja, wirklich. Foto: C0 / Pexels

In meinem Freundeskreis tun es gerade gefühlt alle: sich bewerben. Das ist wirklich ein ziemlicher Krampf. Ich kann mich daran erinnern, wie meine Freund*innen anfangs euphorisch damit geprahlt haben, welche Ziele sie haben und wo sie sehr bald arbeiten möchten. Die Pläne waren schön und nicht zu hochgegriffen.

[Außerdem auf ze.tt: Bewerbungsphase: Wie wir der Angst vor der Absage entkommen]

60 Absagen später scheinen diese aber doch ziemlich unrealistisch und fern. Inzwischen geht es ihnen nur noch darum, einfach irgendwo genommen zu werden. Hauptsache einen Job. Da kann es schon einmal vorkommen, dass man plötzlich von einem Unternehmen zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, mit dem man gar nichts mehr anfangen kann. Trotzdem wird man sich auch da die größte Mühe geben, seriös zu wirken und gute Antworten auf die obligatorischen Standardfragen abzuliefern. Darum hier nun Ideen für wirklich wahre Antworten auf diese Fragen – weil, naja, was hat man schon zu verlieren? 

1. „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Auf keinen Fall bei Ihnen. Ich wollte immer raus in die Welt und ordentlich Geld scheffeln. Sie sind wirklich super sympathisch. Und es liegt nicht an Ihnen persönlich, sondern an mir. Sie werden mir nämlich auf Dauer nicht das geben können, was ich brauche: Geld und Macht.

2. „Was sind Ihre Stärken?“

Hier sollte ich sicher erwähnen, wie teamfähig, organisiert und zuverlässig ich bin. Ich betrachte das aber weniger als Stärke, sondern als das, was ich im Leben mitgenommen haben muss. Meine eigentliche Stärke liegt darin, dass ich wirklich trinkfest bin. Im Ernst, ich kann trinken wie ein echter Champion und war mein Leben lang speifrei. Sollten wir also gegen andere Abteilungen Bierpong oder generell irgendein ein Trinkspiel spielen, da verspreche ich Ihnen hoch und heilig: Ich werde alle untern Tisch saufen. Unser Team wird glänzen. 

3. „Was sind Ihre Schwächen?“ 

Diese Frage verunsichert mich zutiefst. Was ist da die richtige Antwort? Soll ich Ihnen mitteilen, welch unerträglicher Morgenmuffel ich bin oder dass ich überall schlafen kann, sobald ich müde bin? Ich weiß es wirklich nicht. Und egal, was ich bisher für einen Eindruck gemacht habe, ich kann diesen mit nur einem Satz zerschießen. Darum verlasse ich mich auf meine Mami, für die ich makellos bin. Wenn ich Ihnen also sympathisch bin, stellen Sie mich doch einfach ein und lernen Sie selbst meine Schwächen kennen. Ich habe irgendwie Abi, Studium und mehrere Studentenjobs hinter mich gebracht, ohne große Skandale. Allzu gravierend können meine Schwächen also nicht sein.

4. „Warum möchten Sie zu unserem Unternehmen?“ 

Ich habe schon 60 Bewerbungen geschrieben und könnte die Wand in meinem kleinen WG-Zimmer mit den Absagen tapezieren. Und zugegeben, ich habe keinen Überblick mehr darüber, wem ich überhaupt Bewerbungen geschickt habe. Deswegen kann ich Ihnen diese Frage nicht wirklich beantworten. Meine Google-Suche hat ergeben, dass Sie irgendwas mit Verschlüssen machen. Ja, eigentlich nicht mein Gebiet, aber ich kann mich da sicher reinfuchsen. Stellen Sie mich einfach ein und Sie können sich selbst von meiner Lernfähigkeit überzeugen.

5. „Was können Sie hier einbringen?“ 

Da ich kurz vor diesem Termin überhaupt herausgefunden habe, wer Sie sind, habe ich leider kein Plan, wie ich für Sie von Nutzen sein kann. Ich werde auf jeden Fall eine Menge frischen Wind reinbringen und Ihnen auf ewig dankbar sein. In meiner Studienzeit habe ich sehr viele Studentenjobs ausgeübt. Sei es Promotion, Gastronomie oder Einzelhandel: Ich konnte mich überall eingliedern. Noch kann ich Ihnen nicht sagen, welchen Nutzen Sie durch meine Einstellung erlangen werden. Es wird aber definitiv einen geben. Das garantiere ich Ihnen. Meine zahlreichen Arbeitszeugnisse belegen das.

6. „Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“ 

Gibt es noch Bewerber*innen, die so verzweifelt aussehen wie ich? Sie suchen doch verzweifelt Verstärkung. Ich bin mindestens genauso verzweifelt und würde fast alles tun. Mein Kaffee schmeckt übrigens besser als jeder andere Kaffee, der Ihnen bisher aufgetischt wurde. 

7. „Was erhoffen Sie sich von dieser Stelle?“

Ein geregeltes Einkommen, eine Reise nach Hawaii, jemanden, der meine Krankenversicherung bezahlt. Und außerdem habe ich dieses wunderschöne Paar Schuhe gesehen. Das muss ich einfach haben. 

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8. „Warum haben Sie so lange studiert?“

Ich hatte leider nicht den Luxus, dass Mami und Papi mich finanzierten. Also musste ich sehr viel arbeiten. Und wer viel arbeitet, hat leider nicht mehr so viel Zeit zum Studieren. Über mangelnde Freizeit beginne ich gar nicht erst mich zu beklagen. Aber es hatte schon seine Gründe, dass ich ordentlich geklotzt habe, wenn ich dann mal frei hatte.

9. „Sie haben ja schon mehrere Praktika gemacht. Wieso wurden Sie da nicht übernommen?“ 

Es waren meist unbezahlte oder zumindest sehr niedrig bezahlte Praktika. Soll ich Ihnen ernsthaft begründen, wieso ich nicht übernommen wurde? Eine Kraft, die im Monat mit deutlich mehr als 300 Euro honoriert werden muss, ist schon was anderes für geizige Unternehmer*innen. Das lag nicht an mir.

10. „Eigentlich passen Sie mit Ihrem Profil gar nicht zu dieser Stelle. Wieso möchten Sie trotzdem diesen Job?“

Weil ich wie gesagt verzweifelt bin und nur eine Nachricht davon entfernt, meinen reichen Exgeliebten anzurufen und zu fragen, ob er mich bitte aushalten kann. Oder noch schlimmer: Ich fange in der Firma meines Onkels an. Ja, Vitamin B. Tun Sie mir das bitte nicht an. 

11. „Können Sie sich im Beruf durchsetzen?“

Haben Sie zufällig einen Kickertisch da? Dann kann ich Ihnen zeigen, wie gut ich mich durchsetzen kann.