37 neue Geschlechter-Identitäten bei Tinder

Bisher mussten sich die Nutzer*innen der Dating-App Tinder entscheiden, ob sie als Frau oder Mann auf Partnersuche gehen wollen. Jetzt öffnet sich das Unternehmen einem zeitgemäßen Geschlechterverständnis.

Tinder/Youtube

Transgender-Menschen sollen bei Tinder künftig mehr Beachtung finden. Tinder/Youtube

Dating-Apps sind zuweilen unsympathischer als In-Clubs. Rein darf häufig nur, wer die gleichen Vorlieben teilt, einzelne Gruppen werden geradezu kategorisch ausgeschlossen. So gibt es unter anderem eigene Apps für People of Color, weil sie auf den gängigen Plattformen bei Weißen nicht so gut ankommen. Und auch Trans-Menschen suchen ihre Partner*innen auf eigenen Plattformen, weil sie in den großen Liebesnetzwerken häufig mit Belästigung rechnen müssen. Zum Beispiel auf Tinder.

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„Vor sechs Monaten haben wir herausgefunden, dass die Transgender-Community auf Tinder schikaniert wird“, sagt Unternehmenschef Sean Rad. Ihnen werden sexuell aufgeladene Fragen gestellt, sie werden beschimpft und übermäßig gemeldet – einfach, weil sie in ihrer Bio oder im Chat auf ihre geschlechtliche Identität hingewiesen hatten, erklärt Filmemacherin und Aktivistin Andrea James in einem Video. Wer häufig gemeldet wird, den sperrt der Tinder-Algorithmus automatisch.

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Tinder begegnet der Trans-Ausgrenzung mit einem entscheidenden Update. Zumindest in den USA haben Nutzer*innen jetzt die Möglichkeit, nicht nur zwischen männlich oder weiblich, sondern zwischen 37 Geschlechter-Identitäten zu wählen. User können unter anderem angeben, dass sie transgender, transgender man, transgender woman, genderqueer, transfeminine oder auch agender sind. Außerdem hat Tinder sein Moderator*innen-Team dahingehend geschult, schneller unzulässig gebannte Trans-Personen wieder zu entsperren.

Die neuen Geschlechtsangaben können gerade vor dem Hintergrund der politischen Veränderungen in den USA als ein wichtiges Signal verstanden werden. Nach der Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten sorgen sich Trans-Menschen um ihre Sicherheit, wie der Guardian berichtet. Einige bemühen sich, schnell ihren Namen und ihr Geschlecht umtragen zu lassen, bevor Trump ins Amt kommt und möglicherweise die Annahme eines anderen Geschlechts für rechtsungültig erklärt, schreibt der Telegraph.

Mögliche politische Repressalien wird auch Tinder nicht verhindern können. Doch die App, die weltweit offiziell 50 Millionen Nutzer erreicht, kann zumindest Transgender-Menschen sichtbarer machen – und für Verständnis und Gleichberechtigung werben.