3D-Audio ist der nächste Schritt in die virtuelle Realität

Das echte Leben ist nicht genug. Mithilfe von Oculus Rift können wir unseren Augen bereits ganz gut eine fiktive Welt vorspielen. Unsere Ohren werden jedoch bislang weitgehend vernachlässigt. Das ändert sich jetzt mit dem Gummiohrenmikrofon.

Day 55, Project 365 - 12.14.09 via photopin (license)

Dreidimensional hören ist schon jetzt möglich. Day 55, Project 365 - 12.14.09 via photopin (license)

Schon mal etwas von binauralem Hören gehört? Dabei handelt es sich um eine akustische Täuschung, die durch die Überlagerung von Schallwellen im Gehirn (und nicht im Ohr) entsteht. Auf diese Weise wird dem Hörer vermittelt, tatsächlich vor Ort zu sein. Ähnlich wie bei 3D-Filmen, nur eben mit Ohr statt Auge.

Die Technologie, die dahinter steckt, kommt aus dem 19. Jahrhundert, wurde jedoch die längste Zeit wie ein nasser Fetzen links liegen gelassen. Erst nachdem Mono- und seit den 50er Jahren Stereo-Sound zum Standard wurde, darf jetzt 3D-Audio auch wieder ran. Zu verdanken ist dieses Revival dem Hype um die virtuelle Realität.

Wer hätte denn nicht schon mal ein privates Ständchen von einem Weltstar im eigenen Wohnzimmer bekommen? Genau das macht das binaurale Hören möglich. Zumindest täuscht dir das dein Gehirn vor. Mithilfe eines Mikrofons, das zwei (zu) echt aussehende Plastikohren an beiden Enden anstecken hat, werden bestimmte Töne aufgezeichnet. Bei der Wiedergabe mittels Kopfhörer klingt es dann, als ob Beyoncé höchstpersönlich neben dir stehen und dir ins Ohr hauchen würde.

Dass die Mikrofone in der Mitte von zwei echt aussehenden Ohrmuscheln aus Plastik liegen, die sich auch genauso echt verbiegen lassen, ist kein gestörter Fetisch, sondern hat durchaus Sinn. Bevor die Schallwellen das Mikrofon erreichen, prallen sie an all den kleinen Fältchen und Knorpelchen der Plastikohrmuschel ab. Dieser Vorgang imitiert die Art und Weise, wie wir Geräusche des echten Lebens wahrnehmen und kreiert so das real-life Hören.

Genauso, wie wir mit unseren beiden Augen dreidimensional sehen, können wir mit unseren Ohren dreidimensional hören. Um das technisch nachzustellen, reicht kein Surround-Sound 5.1. oder Dolby Atmos. Diese mischen die Tonaufnahmen über Lautsprecheranlagen erst beim Abhören.

Sondern es braucht ein Mikro, das schon bei der Aufnahme menschliches Hören simuliert und dieses über einen linken wie rechten Wiedergabekanal, also am besten Kopfhörer, ausspielt. Ein derartiges Aufnahmegerät kostet zwischen 500 und 2500 US-Dollar.

Unbedingt mit Kopfhören anhören!

Die beliebteste Form von binauralem Hören sind wahrscheinlich ASMR-Videos. Darin wird dem Hörer der utlimative Kopf-Orgasmus versprochen, wenn er sich nur lange genug irgendwelchen Knister- und Klimpergeräuschen aussetzt. Wissenschaft ist das noch keine – und es funktioniert auch nicht bei jedem.