Ab in den Osten! Erstmals seit der Wende ziehen wieder mehr Menschen in die neuen Bundesländer

Mit dem Fall der Mauer wollten viele weg aus Ostdeutschland. Zwei Jahrzehnte lang schrumpften die Städte. Nun ziehen erstmals wieder mehr Menschen hin als weg. Doch nicht alle Regionen profitieren vom neuen Trend.

© MFO/photocase.de

99 Luftballons über der Leipziger Innenstadt. © MFO/photocase.de

Der Osten wird zum Einwanderungsland. Erstmals seit der Wende wachsen die Städte dort wieder. Ostdeutsche Rückkehrer und Menschen aus dem Ausland entdecken die neuen Bundesländer, die lange im Schatten des Westens standen. Das belegt eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Berlin-Instituts.

Demnach sank die Zahl der Wegzieher seit der Jahrtausendwende – von 720.000 Menschen im Jahr 2000 auf 580.000 Menschen in 2013. Es ziehen aber nicht nur weniger Menschen weg, es kommen auch mehr. 2012 zogen erstmals mehr Leute in die neuen Bundesländer als sie verließen. Dieser Positivtrend ist bis heute stabil. 

Screenshot: © Studie "Im Osten auf Wanderschaft" Berlin Institut, Januar 2016
Positiver Trend: Seit 2008 sinken die Fortzüge und die Zuzüge steigen. Screenshot: © Studie „Im Osten auf Wanderschaft“ Berlin Institut, Januar 2016
Screenshot: © Studie "Im Osten auf Wanderschaft" Berlin-Institut, Januar 2016
Anfang der 90er zog es viele Ostdeutsche gen Westen. Mittlerweile hat sich die Zahl der Zu- und Wegwanderer angeglichen. Screenshot: © Studie „Im Osten auf Wanderschaft“ Berlin Institut, Januar 2016

Uni-Städte sind am beliebtesten

Doch nicht alle Regionen im Osten profitieren vom Trend: der Zuzug konzentriert sich gerade mal auf 15 Prozent aller ostdeutschen Städte. Darunter vor allem Großstädte wie Dresden, Leipzig, Jena, Erfurt, Magdeburg, Potsdam und Rostock. Mit Investitionen in moderne Universitäten, Technologien und den Arbeitsmarkt sind die Städte für alle Altersschichten zum attraktiven Lebensraum geworden. 

Screenshot: © Studie "Im Osten auf Wanderschaft" Berlin Institut, Januar 2016
Die beliebtesten Städte im Osten. Screenshot: © Studie „Im Osten auf Wanderschaft“ Berlin Institut, Januar 2016

Vor allem die 18 bis 24-Jährigen zieht es in ostdeutsche Uni-Städte. Ihre Hochschulen genießen einen guten Ruf, die Mieten und Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise günstig. Doch allein die Uni reicht nicht als Bleibegrund. Zukünftig müssen die Kommunen vermehrt in den Arbeitsmarkt investieren, damit die Zugezogenen bleiben.

Das Land stirbt weiter

Ländliche Gegenden bleiben hingegen weiterhin Verlierer des demografischen Wandels. Wie die Studie zeigt, zogen Familien unmittelbar nach der Wende vermehrt ins Umland, jetzt sind Städte wieder beliebt. Und dabei gilt: Je größer, desto attraktiver.

Nachdem die Innenstädte zu DDR-Zeiten lange verfielen, restaurieren die Kommunen nun schon seit einigen Jahren Fußgängerzonen, Einkaufspassagen, historische Gebäude. Das zieht nicht nur die Jungen gen Osten. Auch die Älteren ziehen eine zentrale Wohnlage in mittelgroßen bis großen Städten vor, denn der öffentliche Verkehr und die medizinische Versorgung auf dem Land dünnen immer weiter aus. Ländliche Gegenden sterben.

Screenshot: © Studie "Im Osten auf Wanderschaft" Berlin Institut, Januar 2016
Erst ins Umland, dann in die Stadt: während es 1995 die meisten Familien ins Umland zog, sind seit 2012 die Innenstädte wieder attraktiver. Die roten Stelle markieren Orte mit einer großen Zuwanderungsrate, die blauen mit einer Abwanderungsrate. Screenshot: © Studie „Im Osten auf Wanderschaft“ Berlin Institut, Januar 2016

Die Wende seit der Wende

In der Nachwendezeit haben insgesamt 1,8 Millionen den Osten auf der Suche nach Arbeit verlassen. Allein in den zwei Jahren direkt nach dem Mauerfall zogen 400.000 Menschen fort. Unter ihnen vor allem junge, qualifizierte Menschen zwischen 18 und 30 Jahren. Manche Städte verloren sogar bis zu 40 Prozent ihrer Einwohner. 

Nun erlebt der Osten eine neue Blüte. Die Jungen kommen wieder zurück oder gehen gar nicht erst. Die positive Entwickling zeigt sich auch in der gestiegenen Geburtenrate. Mittlerweile liegt sie bei durchschnittlich 1,5 Kindern pro Ostdeutsche. In den 90ern lag der Schnitt bei 0,8. Damit dürfte im Jahr 2030 jeder dritte Ostdeutsche über 65 Jahre alt sein – momentan ist es noch jeder Vierte. Gute Aussichten also!