Ältere Menschen berichten von ihren besten Entscheidungen – und größten Fehlern

Was war das Beste und das Schlimmste, was du bislang in deinem Leben getan hast? ze.tt hat Menschen befragt, die mehr Lebenserfahrung haben als wir.

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Älter. Und weiser. © sol-b / photocase.de

Wer älter als 70 Jahre ist, hat viele wichtige Entscheidungen bereits hinter sich: Das Arbeitsleben ist vorüber, die Kinder erwachsen und aus dem Haus. Wir wollten von Menschen in diesem Alter wissen: Welche Entscheidung war die beste in Ihrem Leben – und welche bereuen Sie am meisten? Dafür ist ze.tt in einen Seniorentreff am Stadtrand von Berlin gefahren und hat mit Menschen gesprochen, die sich dort zum Kartenspielen treffen oder Computerkurse machen. Hier sind ihre Protokolle:

Heide Conrad, 72

Conrads

Die beste Entscheidung meines Lebens war es, mit 30 Mutter zu werden – und dann mit 35 nochmal. Das Gefühl, das eigene Kind im Arm zu halten und zu stillen, kann man mit nichts vergleichen.

Die Entscheidung, die ich am meisten bereue, ist, dass ich meinen Mann geheiratet habe. Damals habe ich das aus Sicherheitsdenken gemacht. Er ist zuverlässig und fleißig, aber das Gefühl hat sich schnell verloren und auch die Zärtlichkeit war irgendwann weg. Ich habe acht Jahre lang überlegt, ob ich mich trennen soll, wegen den Kindern und weil ich keinen Beruf hatte. Aber immer wenn ich sein Auto in der Auffahrt gehört habe, bekam ich Gänsehaut, ich musste es irgendwann tun. Als ich mich getrennt hatte, kamen viele Frauen aus der Nachbarschaft und haben mich gefragt, wie das geht und was es kostet.

Maria Schrade*, 81

Die beste Enscheidung meines Lebens war die Heirat mit meinem Mann. Er war so aufmerksam und lieb und hat immer für die Familie gesorgt. Mit ihm habe ich auch zwei Söhne bekommen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns auf dem Geburtstag von einem Geschäftsmann kennengelernt, wo ich Klavier gespielt habe. Er wollte mit mir tanzen, aber das ging ja nicht, weil ich am Klavier saß. Also haben wir uns danach noch mal getroffen. Leider ist er vor kurzem gestorben.

Was ich bis heute bereue, ist mein Verhältnis zu meiner Schwester. Wir haben uns nie wirklich verstanden. Sie ist zehn Jahre älter als ich und hat mich immer gehänselt und geschlagen, so dass meine Mutter dazwischen gehen musste. Daran hat sich eigentlich bis heute nichts geändert – auch wenn sie mich jetzt nicht mehr schlägt. Irgendwie fühlt man sich dadurch gekränkt, aber ich weiß bis heute nicht, was ich tun könnte, um unsere Beziehung zu verbessern.

Monika Guarino, 74

Guarino

Mich 1967 von meinem ersten Mann scheiden zu lassen, war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Er war Alkoholiker, es war furchtbar. Ich war danach auf Kur im Schwarzwald und dort mit einigen Frauen spazieren. Auf der Straße hat mich ein Italiener angesprochen, der dort zum Arbeiten war. Am Abend sahen wir ihn wieder. Ich fand ihn sehr nett. Bald musste ich zurück nach Berlin – und er kam mich besuchen. 1969 haben wir dann geheiratet. Und wir sind bis heute zusammen. Das wäre nie passiert, wenn ich mich nicht getrennt hätte.

Die schlechteste Entscheidung, die ich getroffen habe, war, Schneiderin zu werden. Ich wollte immer Friseurin werden, aber mein Vater hat es nicht erlaubt. Er sagte: „Deine Oma ist Schneiderin, das ist ein guter Beruf.“ Aber ich habe es gehasst. Sofort nach der Ausbildung habe ich den Job gewechselt und dann als Sekretärin gearbeitet.

Ernst Kerkow, 79

Kerkow

Dass ich zur Ingenieursschule gegangen bin, war die beste Entscheidung meines Lebens. Das hat sich wirklich gelohnt. Wenn ich Dreher geworden wäre, hätte ich den ganzen Tag im Dreck gestanden, aber so war ich am Schreibtisch und hab auch noch ganz gut verdient.

Wirklich bereuen tue ich nichts in meinem Leben, auch wenn ich länger darüber nachdenke. Es war alles gut so, wie es war.

Gerda Müller*, 78

Die Scheidung von meinem ersten Mann war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich war von ihm schwanger, wohnte gemeinsam mit ihm und meiner Mutter in einer 1,5-Zimmer-Wohnung auf 45 Quadratmetern. Aber er war ein notorischer Fremdgeher, das habe ich irgendwann mitbekommen. Ich war eigentlich nur zum Wäschewaschen da. Mit 21 habe ich mich getrennt und war dann auf der Suche nach einer Wohnung, was ziemlich schwer war.

Irgendwann habe ich dem Leiter des Wohnungsamts meinen Sohn auf den Tisch gelegt und gesagt: „Nehmen Sie ihn bitte heute Nacht, ich weiß nicht, wo ich mit ihm hin soll.“ Am nächsten Morgen hatte ich eine Wohnung. In dem Haus habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt. Er hat mir immer geholfen, den Kinderwagen hochzutragen. Mit ihm bin ich jetzt seit 56 Jahren verheiratet – und noch immer glücklich. Alles in allem bin zufrieden mit meinem Leben – und bereue nichts.

* Namen geändert