Afghanische Frauen werden zum Jungfräulichkeitstest gezwungen

In Nordafrika und im Nahen Osten ist es legal, junge Frauen auch gegen ihren Willen auf ihre Jungfräulichkeit zu untersuchen. Die Organisation Human Rights Watch ruft nun dazu auf, das Prozedere zu verbieten.

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Afghanische Frauen sind dem Mann untergeordnet. Gesetz und Kultur untermauern die männliche Hegemonie. ©Paula Bronstein/Getty Images

Ende 2015 interviewte die Unabhängige Afghanische Menschenrechtskommission (AIHRC) 48 junge Afghaninnen im Alter von 13 Jahren, die der Untersuchung unterzogen wurden, weil sie sich angeblich unsittlich verhalten haben. Unsittliches Verhalten – das bedeutet in Afghanistan: ohne Erlaubnis eines Mannes aus dem Haus gehen oder keine vernünftige Ehefrau sein.

Für junge Frauen sind solche ärztlichen Untersuchungen erniedrigend und können Schmerzen verursachen. Eine der interviewten Afghaninnen berichtete von sechs Menschen, die anwesend waren, als sie sich für den Test entblößen musste. Zwanzig Frauen mussten mehr als ein Mal zur Untersuchung antreten. Sie beschädigten die persönliche Würde, die Psyche und den sozialen Status der Frauen, kritisiert AIHRC.

Die Untersuchungen verletzen die Würde der Frau

Liesl Gerntholtz, Frauenrechts-Direktorin bei Human Rights Watch deklarierte die Jungfräulichkeitstests als sinnlos. “Gesundheitsämter auf der ganzen Welt sollten den Einsatz von Jungräulichkeitsuntersuchungen in jedem Falle beenden und allen Pflegekräften und Ärzten die diskriminierende und degradierende Praxis verbieten”, fordert sie auf der Webseite.

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Oft führen die Ärzte die vermeintlich wissenschaftlichen Untersuchungen durch, um den Frauen zina, zu Deutsch Ehebruch, nachzuweisen. Ein Verbrechen, das in vielen Ländern hart bestraft wird. Die beschuldigten Frauen können inhaftiert, verbannt oder sogar gesteinigt werden.

Von der Wissenschaft getarnt

Stellen die Ärzte fest, dass das Jungfernhäutchen der Patientin gerissen ist, so gilt sie als nicht mehr jungfräulich. Ihr drohen Häme und Strafe. Tatsache ist jedoch, dass das gerissene Hymen nicht unbedingt ein Zeichen dafür ist, dass die Frau schon mal sexuell aktiv war. Es gibt Frauen, die ohne Jungfernhäutchen geboren werden, bei anderen reißt es beim Sport.

Die nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verurteilt die Jungfräulichkeitstests als Maßnahmen der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts. Solche Muster müssen aufgebrochen werden – eine rechtliche Legitimation für die Jungfräulichkeitstests gibt es nämlich nicht. Sie verstößen nicht nur gegen internationales, sondern auch gegen afghanisches Recht.