Alle Tiger in Kambodscha sind ausgerottet, deshalb kauft sich das Land einfach neue

Alles Roger in Kambodscha? Auf die neuen Raubkatzen soll besser aufgepasst werden als auf die alten. Na hoffentlich.

© Ishara S.Kodikara/AFP/Getty Images

Kambodscha will neue Tiere importieren. © Ishara S.Kodikara/AFP/Getty Images

Die Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) hat diese Woche Tiger in Kambodscha für ausgerottet erklärt. Gleichzeitig kündigten die Tierschützer an, die Raubkatzen gemeinsam mit der Regierung im Rahmen eines bisher beispiellosen Projekts wieder anzusiedeln: Kambodscha will als erster Staat Tiger aus dem Ausland importieren und in seinen Wäldern auswildern. Der WWF hofft, dass so bis 2050 wieder 150 der Raubkatzen in Kambodscha leben. „Tiger zurück nach Kambodscha zu bringen, wäre das bisher eindrucksvollste Projekt einer Wiederansiedlung“, sagt Chhith Sam Ath, WWF-Chef in Kambodscha.

Das letzte Mal wurden im Jahr 2007 Tiger in Kambodscha gesichtet. Das Tier wurde von einer versteckten Kamera fotografiert. Einst soll es Dutzende oder sogar Hunderte Tiere in dem südostasiatischen Land gegeben haben. Doch die Tiger sind der massiven Abholzung der Wälder sowie Wilderern zum Opfer gefallen.

Tiger sind auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen wert: In einem WWF-Bericht für das Sekretariat des Washingtoner Artenschutzabkommens heißt es, dass für eine Flasche Tigerwein Preise bis zu 500 Euro erzielt werden. Für Tigerwein werden die Knochen der Tiere verarbeitet. Die Raubkatzen spielen zudem eine wichtige Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin. Tiger-Waren werden in Asien aber auch immer mehr zu Lifestyle- und Luxusprodukten.

Das hat Konsequenzen: Laut des WWF’s gibt es weltweit nur noch rund 3200 wildlebende Tiger. Ihr Bestand hat sich innerhalb eines Jahrhunderts um 97 Prozent reduziert.

Damit die Tiger in Kambodscha nicht wieder ausgerottet werden, sollen sie diesmal besser geschützt werden. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für das Projekt. Ein Regierungsbeamter sagte, bis spätestens 2018 sollen zwei Männchen und sechs Weibchen im Mondulkiri-Schutzgebiet im Osten des Landes ausgewildert werden.

Indien will die Tiger liefern

Die Pläne der Regierung sind nicht ganz uneigennützig. Die Regierung hofft, so den Natur-Tourismus in dem armen Land zu fördern. Im Gegensatz zu vielen anderen Tiger-Gebieten in Südostasien, sei der Wald in der Provinz Mondulkiri für Touristen leicht zugänglich, heißt es. Insgesamt wird das Projekt wohl zwischen 20 und 50 Millionen US-Dollar kosten. Es soll mithilfe von Spenden aus anderen Ländern finanziert werden.

Wahrscheinlich werden die neuen Tiere aus Indien stammen. Dort herrschen in einigen Gebieten ähnliche Bedingungen wie in Kambodscha, zudem sind die Tiere genetisch ziemlich identisch mit den ausgerotteten Katzen. Indiens Regierung hatte vergangenes Jahr anderen Ländern Hilfe angeboten, da sich die Population auf dem Subkontinent erholt. „Wir können der Welt unsere Tiger geben“, sagte Indiens Umweltminister Prakash Javadekar. „Wir werden bald noch viel mehr haben.“

Indien hatte vorgemacht, dass man Tiger-Populationen neu aufbauen kann. Im Schutzgebiet Panna in Zentralindien waren die Katzen komplett ausgerottet. Zwischen 2008 und 2014 brachten Naturschützer vier Weibchen und zwei Männchen aus einem anderen Schutzgebiet in Indien in die Region. Mittlerweile sollen wieder mehr als zwei Dutzend Tiere durch das Reservat streifen.

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Der Text stammt von 8MRD.COM – einem Blog von freien Auslandskorrespondenten.

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