Am Flughafen, beim Arzt und am PC: So viel Zeit verbringt ihr im Leben nur mit Warten

Wir durchleiden es fast täglich: an der Bushaltestelle, im Stau, bei Meetings, am Telefon und in der Kantine. Wir warten. Während sich einige Menschen dabei wunderbar ablenken können, wird für andere die Zeit der Untätigkeit zur Qual.

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Warten kann so unerträglich sein. © photocase.com/inkje

Der Durchschnittbürger verbringt einen guten Teil seines Lebens damit, sich in Geduld zu üben. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Denn längere Wartezeiten können auf uns auch sehr stressig wirken. Stecken wir beispielsweise im Stau fest, aktiviert unser Gehirn den Urinstinkt Kampf oder Flucht, um uns aus der unfreiwilligen Gefangenschaft in der Autoschlange zu befreien. In einer vom Navihersteller TomTom beauftragten Studie stieg bei 8,7 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer der Stress signifikant an, sobald sie im Verkehr feststeckten.

Experten raten deshalb, sich bewusst zu machen, dass man gegen den Stressauslöser aktuell nichts unternehmen kann. Denn die Schlange an der Supermarktkasse wird auch dann nicht kürzer, wenn wir mit hochrotem Kopf ungeduldig mit den Füßen auf den Boden klopfen. Versucht außerdem, euch das Ausmaß des Dramas bewusst zu machen. In den meisten Fällen dürfte euch dabei klar werden, dass ein paar Minuten an der Bushaltestelle keine allzu große Tragödie sind.

Denn das Warten wird auch weiterhin zu eurem Alltag gehören. Genauer gesagt: Ihr verbringt Jahre eures Lebens damit. Wir zeigen euch, in welchen Situationen ihr besonders häufig und lange warten müsst:

Im Stau (38 Stunden im Jahr)

Jeder Deutsche fährt im Jahr rund 11.715 Kilometer mit dem Auto. Dafür braucht er rund 114 Stunden — und viel Geduld. Denn laut dem Verkehrsdatenanbieter Inrix steht jeder Deutsche ungefähr 38 Stunden pro Jahr im Stau, schreibt „Autobild“. Besonders hart trifft es Autofahrer in Stuttgart, die im Schnitt 73 Stunden jährlich warten, Fahrer in Köln mit 71 Stunden und Bewohner von Karlsruhe, die 54 Stunden im Stau stehen.

Im Supermarkt (6 Stunden im Jahr)

Auch beim Einkaufen solltet ihr ein wenig Zeit mitbringen. Laut der Webseite „Statistika“ verbringen Deutsche nämlich bei jedem Einkauf durchschnittlich 6,9 Minuten mit Warten an der Supermarktkasse. Geht man davon aus, dass ihr einmal die Woche einkaufen geht, steht ihr also rund sechs Stunden im Jahr an einer Kasse an. Auch der Einkauf selbst ist natürlich zeitraubend. Durchschnittlich verbringt ihr damit 168 Stunden jährlich.

Beim Arzt (7,5 Stunden im Jahr)

Laut einer Befragung des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen suchen Deutsche rund 17 Mal im Jahr einen Arzt auf. Das schreibt das „1A Verbrauchermagazin“. Dann heißt es erstmal: Hinsetzen und Däumchen drehen im Wartezimmer. Im Schnitt warten gesetzliche Versicherte rund 27 Minuten je Arztbesuch. Damit kommt ihr auf rund 7,5 Stunden, die ihr jährlich im Wartezimmer sitzt.

Besonders lange dauert es bei Orthopäden und HNO-Ärzten, die euch rund 35 Minuten im Wartezimmer sitzen lassen. Kinderärzte rufen euch durchschnittlich nach 39 und Gynäkologen nach 23 Minuten auf. Deutlich schneller geht es beim Zahnarzt. Dort dürft ihr nach rund 13 Minuten auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen. Privatversicherte nehmen die Ärzte rund sechs Minuten schneller dran.

Vor dem PC (156 Stunden im Jahr)

Der Rechner fährt nur langsam hoch, das Update wird noch eingespielt und das Herunterladen der Datei dauert auch schon wieder endlos. Laut einer Studie im Auftrag des Speicherspezialisten SanDisk verliert jeder Angestellte rund 156 Stunden im Jahr damit, untätig vor seinem PC zu sitzen. Das entspricht 6,5 Tagen. Dabei beansprucht alleine das Hoch- und Herunterladen von Dateien 3,1 Tage. Weitere 2,6 Tage verbringen wir damit, darauf zu warten, dass langsame Anwendungen starten. Das wirkt sich übrigens auch auf die Stimmung aus. 28 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, dass ihnen ein langsamer Computer die Stimmung verdirbt.

Auf den Partner (ein Lebensjahr)

Laut einer britischen Studie müssen Männer besonders viel im Leben warten — und zwar auf Frauen. Ein ganzes Jahr ihrer Lebenszeit ist demnach dem Warten auf das schönere Geschlecht gewidmet.

In der Warteschleife (45 Stunden im Jahr)

Jeder Deutsche telefoniert rund 28 Minuten täglich. Dabei haben wir allerdings nicht immer einen Gesprächspartner in der Leitung. Denn laut einer Studie hängen wir 45 Stunden jährlich in Warteschleifen fest. Am schnellsten werden wir bei Direktbanken durchgestellt. Hier beträgt die Wartezeit lediglich 0,47 Minuten. Softwareanbieter martern uns jedoch durchschnittlich 3,32 Minuten pro Anruf mit Fahrstuhlmusik und quäkenden Computerstimmen.

Von Marion Lenke auf Business Insider Deutschland.