Amsterdam macht das einzig Richtige mit Bierbikes: Sie verbieten

In der niederländischen Hauptstadt dürfen die Saufklitschen jetzt nicht mehr starten. Eine gute Entscheidung, deutsche Städte sollten nachziehen. Ein Kommentar

Ein Bierbike vor dem Reichstag in Berlin. Hier sind die Gruppenfahrräder noch erlaubt. © dpa

Bis zu 16 Menschen setzen sich auf einem Gruppenfahrrad an einen meterlangen Holztresen. Ein Tourguide steuert das Gefährt, die Gäste müssen kräftig in die Pedale treten. Ihre Sitze sind dabei rund um ein Bierfass und eine Zapfanlage angeordnet, an der sie sich frei bedienen können. Das klingt schon auf dem Papier nach einer schlechten Idee. In der Realität ist es das Grauen.

Weil der Alkohol den Teilnehmenden durch die ganze frische Luft und Bewegung konstant in den Schädel schießt, sind alle nach kurzer Zeit so richtig schön dicht. Das wäre nicht schlimm, würde das Bierfahrrad auf einer abgesperrten Strecke unterwegs sein. Ist es aber nicht – die Teile dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Als ob der  ohne acht Besoffene auf einem Multifunktionsfahrrad nicht schon gefährlich genug wäre.

Amsterdam hat das nun offenbar erkannt und nach einer Petition mit über 6.000 Unterzeichner*innen folgerichtig reagiert: Die Suffklitschen sind seit gestern im Zentrum Amsterdams ausnahmslos verboten. Das ist richtig so.

Bierbikes sind nur für zwei Dinge gut: Gegröle und mehr Urin in der Öffentlichkeit

300 Euro kostet eine zweistündige Tour in der Regel, Bier extra. Die Teilnehmenden dürfen ihre eigene Musik spielen. In Deutschland gibt es eigentlich schon seit 2012 ein generelles Verbot. Eigentlich. Städte dürfen diesen wahrgewordenen Männertraum verbieten, müssen es aber nicht.

Veranstalter*innen streiten sich seit Jahren mit Städten und holen sich Sondergenehmigungen, häufig verknüpft mit Auflagen. Zum Beispiel: Tourguides bleiben komplett nüchtern. Wer angetrunken erscheint, darf nicht mitfahren, dafür gibt’s vorher Promilletests. Anderen Verkehrsteilnehmenden oder Passant*innen gegenüber soll man sich vernünftig verhalten. Oder: Bei Wildpinkelei wird die Fahrt abgebrochen. Also sind die Fahrzeuge des Trinkteufels immer noch in fast allen großen deutschen Städten unterwegs.

[Außerdem auf ze.tt: Nichts nervt so sehr wie euer Junggesell*innenabschied]

Und wie das halt so ist, wenn man Betrunkenen Regeln aufstellt, werden diese häufig gebrochen. So sind die Ecken in den Innenstädten noch vollgepisster als ohnehin schon und Passant*innen dürfen sich von den Vorbeifahrenden und ihrem Alkoholsud allzu oft dumme Sprüche drücken oder gleich belästigen lassen. Die Bierfahrräder sind deshalb fast so unbeliebt wie diese unsäglichen Junggesell*innenabschiede. Noch schlimmer ist nur, dass diese beiden Dinge gerne kombiniert werden.

Wann ziehen deutsche Städte endlich nach?

Amsterdam begründet das Verbot mit „Verkehrsbehinderungen und unsozialem Verhalten“, die Unterzeichner*innen hatten die Bierbikes vorher als „schreckliches Phänomen“ bezeichnet. Das sind sie tatsächlich.

2014 ist in Erfurt mal ein Unfall mit einem Bierfahrrad eskaliert. Eine Dreijährige wurde angefahren und musste schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sie brach sich das Bein. Ihre Angehörigen lieferten sich deshalb einen Streit mit den Teilnehmenden der Tour, einem Junggesellenabschied. Vorbeigehende mischten sich ein, es kam zur Massenschlägerei unter fast 60 Menschen.

Abgesehen davon, welche Gefahr von den Gruppenfahrrädern ausgeht, wenn der Tourguide am Steuer durch die Trinkenden vom Verkehr abgelenkt wird – und das wird er mit Sicherheit –, verstärkt diese Sauftour nur Probleme, mit denen Städte eh schon zu kämpfen haben. Dabei ließe sich all das vermeiden.

So eine Trinktour mag unter Freund*innen Spaß machen. Doch Spaß rechtfertigt nicht die Gefährdung, Behinderung und Belästigung anderer. Amsterdam setzt mit der Verbot somit ein richtiges Signal: Suff gehört in die Kneipe, nicht in den Straßenverkehr. Das sollten sich deutsche Städte dringend zu Herzen nehmen.