And the Oscar goes to La La Land … äh nee, Moonlight

Die diesjährigen Academy Awards waren für einige Überraschungen gut — wenn auch anders als erwartet.

Auf der Bühne rätselte man, wer denn nun wirklich den Besten Film gewonnen hätte. © Kevin Winter/Getty Images

Eine Oscarnacht ist wieder zu Ende gegangen und wir haben Steven Gätjen, Koffeinmangel und langweilige Reden ausgehalten, um euch aus erster Hand berichten zu können. Das waren die Highlights des Abends.

Kimmel, Trump und Politik

Wie erwartet brillierte Jimmy Kimmel als Host der diesjährigen Academy Awards. Dabei schaffte er perfekt den Spagat zwischen Unterhaltung und Politik. Ohne eine lange Rede über die politische Situation in den USA zu halten, schaffte er es doch immer wieder Seitenhiebe gegen den amtierenden Präsidenten einzubauen. Dass dieser sich zu den Sticheleien nicht auf Twitter äußerte, nahm Kimmel dann mit Besorgnis auf und hakte direkt beim Präsidenten nach:

Wer jedoch erwartet hatte, dass Preisträger*innen und Host sich so leidenschaftlich zur politischen Situation der USA äußern würden wie bei den Golden Globes, wurde enttäuscht. Nur einige wenige ließen sich zu Statements hinreißen. Die meisten betonten dagegen, wie wichtig Diversity, Zusammenhalt, Frieden, Liebe und Vergebung seien und setzten damit indirekt ein politisches Zeichen — wenn auch eher zwischen den Zeilen. Zudem trugen die Anwesenden zum Teil die blauen Schleifen der American Civil Liberties Union (ACLU), eine Organisation, die sich für die Einhaltung der constitutional rights von Individuen und Gruppen einsetzt.

Das deutlichste Statement des Abends kam von dem iranischen Regisseur Asghar Farhadi. Er hatte bereits zuvor seine Teilnahme an der Oscarverleihung abgesagt, als Protest gegen den von der Trump-Regierung eingeführten Muslim Ban. Sein Film The Salesman gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Seine Vertreterin nahm den Preis für ihn entgegen und verlas an seiner statt ein Statement, in dem Farhadi daran appellierte, das eine Trennung zwischen “uns” und “den Anderen” immer nur zu Angst und Hass führen könne.

Keine Überraschungen und ein Schockmoment

In der überwiegenden Zahl der Kategorien konnten sich die favorisierten Nominierten durchsetzen. Besonders erfreulich war der Sieg für Mahershala Ali, der als erster Moslem jemals einen Preis als Bester Nebendarsteller für seine Rolle in dem Drama Moonlight erhielt. Neben ihm gewann auch Viola Davis einen verdienten Oscar als Beste Nebendarstellerin für ihre Performance mit Denzel Washington in Fences.

Überraschend war lediglich, dass die von vielen Expert*innen angekündigte Oscar-Schwemme für das Musical La La Land ausblieb. Nachdem der Film eine der meistnominierten Produktionen aller Zeiten war, konnten von den 14 Awards in Aussicht doch nur sechs erkämpft werden.

Der Schocker des Abends war die Vergabe des Oscars für den Besten Film. Nachdem La La Land als Gewinner verlesen wurde und die gesamte Crew bereits mit dem Oscar in der Hand auf der Bühne stand, fiel ihnen plötzlich auf, dass die Falschen gekürt wurden. Anscheinend hatte es eine Verwechslung bei den Umschlägen gegeben. Nach einigem hin und her wurde der Fehler endlich richtig gestellt und die Crew von Moonlight auf die Bühne gerufen. Deren Überraschung dämpfte die Freude scheinbar ein wenig. So einen Moment hatten die sonst glatt laufenden Academy Awards lange nicht erlebt.

Kritik muss sein

Zugegeben, die Oscars waren dieses Jahr deutlich progressiver als in der Vergangenheit. Allein die Auszeichnungen für Ali, Davis sowie Moonlight für das beste Drehbuch und als bester Film, zeigen ein verändertes Bewusstsein für Diversity. Auch die Präsidentin der Academy sprach sich für eine Öffnung der Academy und eine gemeinsame Botschaft der Verbundenheit aus: „Kunst überschreitet alle Grenzen. Künstler weltweit sind miteinander verbunden für immer und ewig“.

Gleichzeitig steht aber auch ein Elefant im Raum, den alle Beteiligten geflissentlich zu ignorieren versuchten: Casey Affleck. Nachdem bekannt geworden war, dass er 2010 am Set zu I’m still here zwei Frauen sexuell belästigt hatte, war bereits seine Nominierung als Bester Hauptdarsteller öffentlich infrage gestellt worden. Dass er den Preis schließlich doch gewann, ist, höflich ausgedrückt, befremdlich. Aber es beweist andererseits auch, dass Männer, die mit sexueller Belästigung in Verbindung gebracht werden, nicht nur Präsidenten der USA, sondern auch Oscar-Preisträger werden können. Da soll noch einmal jemand behaupten, solche Vorwürfe würden die Karrieren von Männern zerstören.

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