Angeblicher Gutschein für Flüchtlinge entpuppt sich als Aktion gegen rechte Facebookhetzer

Ein vermeintliches Anonymous-Mitglied verbreitet das Gerücht, dass Flüchtlinge 200-Euro-Gutscheine geschenkt bekämen. Als sich rechte Hetzer aufregen, löst der Nutzer auf: alles nur ein Fake.

© kallejipp / photocase.de Lizenz

Nur ein Fake, doch rechte Hetzer checken's nicht. © kallejipp / photocase.de Lizenz

Am vergangenen Freitag fielen rechte Facebooknutzer auf die Aktion eines gewissen „Micha Gerlach“ herein. Zunächst veröffentlichte(n) die oder der Profilinhaber (wer genau dahinter stand, ist bislang nicht geklärt) ein Foto, das einen vermeintlichen Gutschein für Flüchtlinge über 200 Euro für ein neues Handy zeigte. Ausgestellt war das Papier vom Sozialamt Chemnitz und einzulösen bei Media Markt. Als Kommentar schrieb Gerlach: „ Ich glaub ich spinne….. könnt ich kotzen bei sowas “.

© Screenshot Facebook
Der mittlerweile gelöschte Facebook-Post mit dem vermeintlichen Gutschein. © Screenshot Facebook

Dutzende Facebooknutzer teilten und kommentierten das Bild. Auch rechte Blogs fielen auf das Foto herein und verbreiteten es über ihre Seiten. Für viele der selbsternannten „besorgten Bürger“ war es ein weiterer Beweis dafür, wie viel Flüchtlinge in Deutschland geschenkt bekämen. Dumm nur, dass es sich bei dem Post um eine Fälschung handelte.

Mimikama, ein Verein gegen Internetmissbrauch, wurde auf das Bild aufmerksam. Sofort vermuteten die Mitarbeiter einen Fake dahinter. Aufgefallen war ihnen unter anderem der Stempel „Das Problem Rassismus“ auf dem Briefumschlag. Sie überprüften den Strichcode des angeblichen Gutscheines mit einer Barcode-Scanner-App – und entdeckten die Nachricht: „Ihr seid dumm“.

[Außerdem bei ze.tt: Katzen gegen Glatzen]

Am Samstag klärte(n) die oder der Urheber der Seite die Aktion auf: Statt des Gutscheins sah man nun ein schwarzes Bild mit dem roten Schriftzug: „Ich bin ein strohdummer Nazi“ und etwas kleiner: „Ich verbreite Hetze über das Internet und teile sämtlichen Dreck ohne Überprüfungen!“

© Screenshot Micha Gerlach/Facebook
© Screenshot Micha Gerlach/Facebook

Als Erklärung schrieb Gerlach:

„Was ist den nun los?
IHR WURDET GRAD GANZ GEWALTIG VERARSCHT!
Warum? Besucht einfach dieses Profil!
 (Auf den Namen klicken! Falls es einer
von euch Deppen noch nicht gerafft hat.)
Hoffentlich ist es euch eine Lehre..
Schwachköpfe und Rassisten !!!!einself!
Ob wir Linke sind? Nein!

We are Anonymous.

We are Legion.

We do not forgive.

We do not forget.

Expect us.
‪#‎anonymous‬ ‪#‎chemnitz‬ #‎claußnitz‬ ‪
#‎pegida‬ #‎expectus‬
‪#‎nonazis‬ #‎nopegida‬“

[Außerdem bei ze.tt: Poste einen Hasskommentar und er landet als Plakat neben deinem Haus]

Zusätzlich veröffentlichte Gerlach einige rechte Hasskommentare, die die Nutzer unter das Foto gepostet hatten. Sein Vorgehen erklärte der Seitenbetreiber mit folgenden Worten: „Nach der Aktion in Clausnitz musste eine Antwort her. Diese bekommen die Deppen nun in Form unserer Aktion. Haben euch eure Eltern keinen Anstand beigebracht?“

Kurz darauf wurde das Profil „Micha Gerlach“ wieder gelöscht – mit einem Hinweis zur Anonymous-Zugehörigkeit und den abschließenden Worten: „Kämpft stets für das Gute im Menschen.“ Die Facebook-Einträge sind mittlerweile nicht mehr vorhanden.

Die Aktion war ein sogenannter Honeypot: Ein Vorgehen, das den Gegner von einem Ziel ablenken und in eine Falle locken soll. Vielleicht konnte der Fake-Post Facebookhetzern eine Warnung sein, beim nächsten Mal einen kurzen Moment nachzuprüfen, bevor sie Gerüchte verbreiten. In letzter Zeit gab es schließlich einige solcher Fakes.