Sponsored Post Was ist das?

Stressiger Tag? Dann hilft dir dieses Hörbuch

Mit dieser Hör- und Leseprobe kommst du gleich garantiert auf andere Gedanken.

©Pexels

Leseprobe

Shahrzad saß allein in ihrem Gemach, mitten auf einem Podest, das mit Kissen in den unterschiedlichsten Farben bestückt war. Rings um das Bett hing ein dünner Schleier aus Spinnenseide, der sich bei der kleinsten Bewegung mit gespenstischer Trägheit bauschte. Die Knie hatte sie an die Brust gezogen und die Hände über den Fußgelenken ineinandergeschoben.

Ihre haselnussbraunen Augen waren auf die Flügeltür gerichtet.

Fast die ganze Nacht hatte sie in dieser Haltung dagesessen. Jedes Mal, wenn sie sich doch von der Stelle wagen wollte, hatte der Mut sie verlassen. Wo bleibt er? Sie atmete hörbar aus und verflocht die Finger noch fester.

Bald würde die Panik, gegen die sie in der vergangenen Stunde angekämpft hatte, auf sie niedergehen wie der Hammer auf den Amboss eines Schmiedes. Was, wenn er heute Nacht nicht zu mir kommt?

»O Gott«, murmelte sie und durchbrach damit die Stille. Dann habe ich alle betrogen. Dann habe ich jedes einzelne Versprechen gebrochen. Shahrzad schüttelte den Kopf. Das Herz pochte ihr in den Ohren, und jeder Atemzug fiel ihr schwer.

Ich will nicht sterben.

Die morbiden Gedanken drängten sich in ihr Bewusstsein, sie rissen an ihrer Beherrschung und stießen sie in das bodenlose Reich des Schreckens – eines Schreckens, den sie bisher auf Abstand hatte halten können. Wie soll Baba weiterleben, wenn ich sterbe? Und Irsa? Tarik.

»Hör auf!« Ihre Worte hallten durch die gähnende Dunkelheit. Töricht, aber sie brauchte etwas – irgendetwas –, das die quälende Stille mit Klängen füllte, und sei es nur für einen Augenblick.

Sie presste die Hände an die Schläfen und drängte den Schrecken mit schierer Willenskraft… Zurück in die stählerne Kapsel ihres Herzens.

Da öffneten sich die Türflügel des Gemachs mit einem leisen Knarren. Shahrzad ließ die Hände auf die weichen Kissen neben sich sinken. Eine Dienerin trat ein und brachte Wachskerzen, die nicht nur ein warmes Licht abgaben, sondern auch einen wunderbaren Duft, denn sie waren mit Ambra und Adlerholzöl parfümiert. Gleich hinter ihr folgte ein Mädchen mit einem Tablett voll Speisen und Wein. Die Dienerinnen verteilten ihre Lasten schweigend im Gemach und verließen es wieder, ohne Shahrzad auch nur einen Blick gegönnt zu haben.

Im nächsten Moment stand der Kalif von Chorasan auf der Schwelle. Er wartete, als bedenke er etwas, dann trat er in die Kammer und drückte die Türen zu.

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