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Warum sich manche Entscheidungen immer falsch anfühlen

Du stehst vor mehreren unangenehmen Möglichkeiten und keine fühlt sich moralisch richtig an. Ein echtes Dilemma. Wie treffen wir in solchen Situationen eine Entscheidung? Und warum ist sie oft irrational?

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Gestern Abend lief der Film Patriot’s Day im Kino, in dem es um den Bombenanschlag beim Boston Marathon 2013 geht. Bei den Geschehnissen kamen mehrere Menschen ums Leben. Darin gibt es eine Szene die Kommilitonen eines der mutmaßlichen Attentäter zeigt, wie sie unter seinem Schlafsaalbett Sprengstoffzutaten finden. Sie haben Angst und schieben den Rucksack mit den Beweismitteln wieder unter das Bett. Da sie der Polizei damit wichtige Indizien unterschlagen, sitzen sie heute im Gefängnis. Bei ihrer Entscheidung standen sie vor einem Dilemma: Sollen sie den Fund vertuschen und sich selbst in Sicherheit bringen oder melden sie ihn der Polizei, um möglicherweise weitere Morde zu verhindern – auch auf die Gefahr hin, dass sie selbst ins Visier geraten?

Dilemma, das | Zwangslage, Situation, in der sich jemand befindet, besonders wenn er zwischen zwei in gleicher Weise schwierigen oder unangenehmen Dingen wählen soll oder muss

Ein anderes anschauliches Beispiel für ein Dilemma findet sich in Ferdinand von Schirachs Bühnenstück „Terror“, das vor geraumer Zeit als interaktives Gerichtsdrama im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Das Szenario: Ein Kampfflieger soll ein Flugzeug beobachten, das von einem Terroristen entführt worden ist. Er droht, die Maschine auf ein voll besetztes Fußballstadion stürzen zu lassen. Obwohl der Vorgesetzte des jungen Elitesoldaten den Abschuss verboten hat, entscheidet er sich eigenmächtig dafür: Er schießt die Maschine ab und tötet damit die 164 Menschen an Bord. 70.000 Menschen im Stadion kommen mit dem Leben davon. Ist er damit ein Held oder ein Mörder? Darf ein Mensch wenige töten, um viele zu retten?

Moral, die | Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden | sittliches Empfinden, Verhalten eines Einzelnen, einer Gruppe; Sittlichkeit

Der Kern: Das sogenannte Trolley Dilemma

Solche Zwickmühlen sind auch unter Trolley Dilemma bekannt. Sie folgen immer der gleichen Logik: Man steht vor mehreren moralisch schwierigen Handlungsmöglichkeiten. Wie Menschen in solchen Situationen für sich und andere Entscheidungen treffen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa:

  • Ob man selbst aktiv eingreifen muss oder nur gewähren lässt, was ohnehin geschieht
  • Welche gesellschaftlich definierten „moralischen“ Vorstellungen es darüber gibt
  • Welche bewusste oder unbewusste Konsequenzen das eigene Handeln hat

In verschiedenen Studien dazu stellte man fest, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob man die Entscheidung aktiv selbst treffen muss oder sie für jemand anderen fällt. Es gilt: Für sich selbst entschiedet man anders, meist emotionaler und weniger pragmatisch. Aber es können noch viele weitere Faktoren dazukommen, die auf die Entscheidung einwirken.

Die moralische Krux ist oft, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass der schlimmste Fall gar nie eintritt. Im Beispiel 1, dass die Kommilitonen nie verhört werden und das Thema Rucksack unter den Tisch fällt. Und bei Beispiel 2, dass das Flugzeug durch ein spontanes Wunder doch nicht ins Fußballstadion stürzt. Oder, dass nicht 70.000 Menschen sterben würden, sondern nur 150 und damit die Entscheidung des Kampffliegers nicht die bessere Option war. Es könnte auch sein an Bord des Flugzeugs sitzen 100 Ärzte, die nun keine Menschenleben mehr retten können – die Möglichkeiten sind unendlich vielfältig.

Altruismus, der | selbstlose Denk- und Handlungsweise; Uneigennützigkeit

Ein allgemein gültiges Richtig oder Falsch ist vor dem Eintreffen dieser Trolley Dilemmata deshalb sehr schwer, genauso wie eine rein rationale Entscheidungen. Vieles kann man vorher nicht wissen, anderes hängt von der persönlichen Schmerzgrenze und Moralvorstellung ab – und ob sie „gut“ ist, kann auch zufällig sein. Vor allem wenn man über die Entscheidungen anderer urteilt, sollte man sich dessen bewusst werden und die Meinung gegebenenfalls etwas abmildern. Denn ob etwas eine Fehlentscheidung ist, ist immer relativ.

Im Nachfolgeband von Zorn und Morgenröte – Rache und Rosenblüte – sind Shahrzad und Chalid mit einem täglichen moralischen Dilemma konfrontiert: Denn der Kalif steht unter einem Fluch, jeden Tag Unschuldige töten zu müssen, sonst stirbt er selbst. Welche Entscheidungen werden sie treffen?

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