Anleitung zum 😉

Das Oxford Dictionary kürte 😂 zum Wort des Jahres 2015, eine Website überwacht, welche Emojis wie oft bei Twitter in diesem Moment verwendet werden (Spoiler-Alert: Es sind eine Menge!) — Chatten ohne Emojis kann sich heute keiner mehr so richtig vorstellen. Aber wie finden wir das richtige Emoji?

© Matthias Balk/dpa

Chatten ohne Emojis: Das kann auch mal für Verwirrung sorgen. © Matthias Balk/dpa

Und jetzt ist auch die Wissenschaft auf die die kleinen Chat-Symbole angesprungen: In der aktuellen “The Quarterly Journal of Experimental Psychology” (QJEP) untersucht jetzt eine Studie, welchen Einfluss Emojis auf unser Verständnis von Sarkasmus haben. Die Psychologin Ruth Filik und ihr Team legten 192 Studenten Anfang 20 unterschiedliche Statements wie “Ich fand deinen Vortrag interessant ” und “Deine Diät läuft aber gut!” in verschiedenen Variationen vor — mal mit 😉-Emoji, mal mit 😃-Gesicht, dann aber auch mit Ausrufezeichen oder vermeintlich Ergebnis-offenen “…” Auslassungspunkten am Ende eines Satzes. Die Versuchspersonen sollten dann entscheiden, wie die jeweiligen Aussagen gemeint sind und wie stark sie wirken.

Filiks Ergebnisse deuten an, wie wichtig Emojis mittlerweile für unser Verständnis von Text-Nachrichten geworden sind — und wie wir heute Emojis richtig verwenden sollten, wenn wir auf keinen Fall falsch verstanden werden wollen. Das sind die fünf Erkenntnisse aus der Studie, die du für deine Chats kennen solltest.

1. Nutze Emojis, wenn du sarkastisch bist! Sonst denken alle, du bist ein Arsch! 😊

Ein kleines Zwinker-Gesicht am Ende eines Satzes macht’s für den Leser leichter zu verstehen, dass das Geschriebene nur Spaß ist. Die wenigsten Studenten erkannten den sarkastischen Spruch, wenn er mit einem neutralen Punkt endete, im Mittelfeld des Humor-Verstehens landeten die dramatischen “…” Auslassungspunkte am Satzende – die meisten Studenten erkannten den Scherz aber, wenn er mit einem 😉 gekoppelt war. Wenn du einen sarkastischen Spruch im Kopf hast, und nicht sicher bist, ob der andere den auch blicken wird: Emoji an den Satz klatschen, und alles wird gut! Sicher gibt’s auch hier immer noch die Möglichkeit, dass der Empfänger absolut keinen Spaß versteht – dann bringt auch das Emoji nichts. Aber in dem Fall muss die Frage erlaubt sein: Warum überhaupt Zeit an so einen Langweiler verschwenden? Schneller geht’s übrigens mit der Emoji-Tastatur.

2. Echte Comedians brauchen keine 😘 !

Aus dem ersten Tipp könnte man jetzt den Ratschlag ziehen, in Zukunft einfach an alles Lach-Gesichter anzuhängen — und schwupps ist alles viel lustiger! So funktioniert die Welt aber nicht: Die Studie lehrt auch, dass Sprüche, die bereits als sehr lustig wahrgenommen werden, durch einen 😉 nicht als noch lustiger wahrgenommen werden. Die Forscher konnten allerdings nicht feststellen, dass das Grinse-Gesicht einen Spruch unlustiger machen kann. Am Ende eines lustigen Satzes ist das Emoji einfach bedeutungslos und nutzlos. Dann lieber ein Einhorn-Emoji.

3. Wenn du jemanden magst, sei nett – und nicht lustig. 😚

Ein liebes Kompliment mit einem kleinen Witz servieren? Das ist – gerade beim Chatten – ein Drahtseilakt, den nicht jeder beherrscht: Solche spaßigen Nettigkeiten können schnell mal nach hinten losgehen – das zeigt auch die Nottingham-Studie: Die Studenten fassten Komplimente, die mit einem einfachen Satzzeichen endeten, deutlich positiver auf, als etwa einen Satz wie “Deine Diät läuft aber gut 😉”. Kein Wunder: Wer würde nach diesem Satz nicht sofort zur Wage rennen und checken, ob er überhaupt wirklich abgenommen hat? Emojis können manchmal so grausam sein.

4. Kritik verpackt in einem 😉 ist überraschend populär!

“Schreib mir einfach, was du meinst!” Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein – wenn es nach den Teilnehmern der englischen Studie geht: Die Studenten schätzten kritische Sprüche, die mit Emojis verbunden waren, als deutlich netter ein als Sätze ohne Grinsegesicht. Humorvolle Kritik wurde von der Studiengruppe als freundlicher empfunden als ernste Anmerkungen. Konstruktiv ist also oldschool, mit Humor lässt sich Kritik leichter verdauen! Aber: Vielleicht haben einige Studenten die zweifelhaften ironischen Komplimente einfach auch nur nicht verstanden, und freuten sich deshalb aus den falschen Gründen über die versteckte Kritik. Solche Leute gibt’s immer!

5. Spart euch die albernen Auslassungspunkte, versteht ohnehin keiner…

In einer ständig-aufgeregten Online-Welt haben die einst so bedeutungsvollen Auslassungspunkte einen schweren Stand. Sowohl die kichernden Emojis als auch das aufgeregte Ausrufezeichen wurde von den englischen Studenten als stärker wahrgenommen als die armen Auslassungspunkte. Alle, die unpünktliche Freunde ertragen müssen, sollten sich also wohl eine Alternative zur traditionellen “Jedes Mal zu spät…”-Nachricht überlegen – wir wollen ja schließlich auch in Zukunft bedeutungsvoll chatten. 😉