Arbeiten, wo die Hipster urlauben: So sieht ein Job im Designhotel aus

Wie klasse ist der Job in einem Erste-Klasse-Hotel? Ein Azubi hat uns hinter die Kulissen geführt.

Pinguine gibt es hier nicht: In dem Hotel, in dem wir den 22-jährigen Leo treffen, trägt niemand schwarzen Frack über weißem Hemd. Stattdessen laufen die Hotelfachleute in beigefarbenen Chinos, blauen Jeanshemden und mit roten Fliegen über die Flure. Die Lobby sieht aus, als hätten Designer*innen mit der Inneneinrichtung ihre Hipsterträume verwirklicht: Glühbirnen hängen von der Decke, aus Stilen und Jahrzehnten zusammengewürfelte Möbel erzeugen Wohnzimmeratmosphäre. So also stellt man sich in Berlin-Mitte schickes Absteigen vor.

Aber wir sind nicht gekommen, um uns von Leo zeigen zu lassen, was auch jeder Touri in Hochglanzbroschüren vorfindet. Der Hotelfachmann-Azubi soll uns hinter die Kulissen des Vier-Sterne-Hotels führen. Also rein in den Fahrstuhl. Mit seinem Mitarbeiterchip lässt Leo den Aufzug bis in den Keller fahren, wo Gäste des Hauses nicht hinkommen.

Hier scheint den Innenarchitekt*innen die Puste ausgegangen zu sein: Die Steinwände sind weiß-kahl, den grauen Fußboden könnte man ohne Probleme mit dem Hochdruckreiniger sauberbrausen. Kein warmer Vanilledurft liegt in der Luft, keine Indiemucke spielt im Hintergrund, stattdessen dröhnt eine Lüftung in den Ohren. Auch in den unschicken Fluren wimmelt es von Leos Kolleg*innen in hipper Uniform. Sie schleppen Getränkekisten und bestücken Putzwagen. Ihr Dauerlächeln haben sie beibehalten. Von der Arbeit zermarterte Servicekräfte, die hinter den Kulissen mit gebeugtem Kreuz umherschlurfen wie Zombies – zumindest im Berliner Hipsterhotel begegnen sie uns nicht.

„Die Stimmung ist gut“, sagt Leo auf dem Weg in die Mitarbeiterkantine, „es geht schon sehr familiär zu bei uns.“ Was zunächst nach einem abgeschmackten Spruch klingt, bestätigt sich schnell: Die sogenannte Familie kommt auf Bänken an einem Kantinentisch zusammen, tauscht angeregt Geschichten aus, stochert dafür aber ein wenig unbegeistert im Essen herum. Ab und an kocht das Edelhotel im obersten Stock für die Angestellten mit, heute steht allerdings durchschnittliches Kantinenfutter auf dem Speiseplan. Die Kolleg*innen haben trotzdem viel zu lachen, etwa eine halbe Stunde lang. Dann geht’s zurück in die schicke Oberwelt.

Es ist im Grunde ein Nebenjobgehalt.“ – Leo, Hotelfachmann-Azubi

So gut die Stimmung ist, Leos Arbeit ist kein Zuckerschlecken. Seine Woche hat 40 Stunden. „Das sind aber keine fünf Wochentage, sondern fünf Tage“, erläutert Leo. Es kann sein, dass er Wochenenddienste schieben muss, dafür hat er dann unter der Woche zwei Tage frei. In dieser Zeit muss er je nach Schicht Kisten schleppen, Betten beziehen, Tische eindecken, Drinks mixen – und darf dabei seine Höflichkeit nie verlieren. Auch nicht, wenn die üblichen Überstunden anstehen. Dafür gibt es dann nicht mal sonderlich viel Kohle: Im ersten Lehrjahr verdienen Hotelfachleute circa 430, später 610 Euro. „Es ist im Grunde ein Nebenjobgehalt“, sagt Leo. Später wird er zwischen 1.400 und 2.000 Euro brutto verdienen.

Leos Ausbildung dauert verkürzt zweieinhalb oder drei Jahre. Wenn er nicht im Blockunterricht an der Berufsschule sitzt, wechselt er im Hotelbetrieb Etappenweise durch die Abteilungen. „Am meisten haben mir bisher die Bar und der Einkauf gefallen“, erzählt er. Hinter der Bar habe er am meisten Austausch mit den Hotelgästen. Im Einkauf konnte er viel über den Ablauf im Hotel lernen. Dafür kann Leo sich besonders begeistern: „Ich habe die Ausbildung angefangen, weil ich wissen wollte, wie ein Hotel funktioniert und wie die vielen Zahnräder ineinander greifen.“

Zum Abschied nimmt uns Leo noch einmal in den obersten Stock mit. Am Wochenende ist die Rooftop-Bar voll, das schnieke Berliner Partyvolk steht dann dicht an dicht und blickt über die Stadt. Tagsüber kann Leo die Aussicht fast allein genießen, mit einem echten Lächeln im Gesicht.


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Die Web-TV-Reihe Auf Arbeit wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg und dem RBB gefördert. Die Reihe läuft in Kooperation mit ze.tt auf unserem YouTube-Kanal. Auf Instagram seht ihr Bilder und Storys vom Dreh.