Dieses US-Unternehmen hat eine gute Zukunft vorhergesagt und eine schlechte geschaffen

In den Neunzigern hat der amerikanische Telekommunikationsanbieter AT&T in seinen Werbespots die Zukunft vorhergesagt. Die besten Ideen setzten später meist andere um, AT&T wurde stattdessen wichtigster Partner der NSA. 

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Auch das Potential von Virtual Reality hat AT&T in den Neunzigern schon erahnt. © Sascha Schuermann/Getty Images

„Haben Sie jemals ein Buch über tausende Meilen Entfernung ausgeliehen? Sind Sie jemals durchs Land gereist, ohne nach dem Weg fragen zu müssen? Haben Sie jemals am Strand ein Fax verschickt?“

Das alles wird möglich sein, prophezeiten 1993 und 1994 eine Reihe von Werbespots des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens AT&T, wie Vox zeigt.

Die Vorhersagen waren erstaunlich präzise. Wir können inzwischen E-Books per W-Lan auf unsere E-Reader laden, unser Handy wird auf dem Fahrrad oder im Auto zum sprechenden Navigationsgerät, auf Wunsch mit Franz-Beckenbauer-Stimme. Und ja, irgendwie kann man sicher auch am Strand ein Fax verschicken. Nur macht man sich damit halt lächerlich.

Die Werbeclips von AT&T sagten noch weitere Erfindungen voraus:

„Habt ihr jemals genau den Film geschaut, auf den ihr gerade Lust habt? Und zwar genau in der Minute, in der ihr ihn schauen wollt?“ Oder: „Habt ihr jemals einen Anruf an eurem Handgelenk angenommen?“

Auch diese Vorhersagen sind Wirklichkeit geworden. Fast jeder nutzt heute Streaming-Dienste, manche haben bereits eine Smartwatch. Nur waren es meist andere Firmen, die die entsprechenden Dienste und Produkte entwickelt haben – nicht AT&T.

Wo AT&T führend ist

Dafür war AT&T laut Berichten der New York Times und ProPublica bei einer anderen Entwicklung der vergangenen Jahre ganz vorne mit dabei: der Überwachung von Millionen Menschen in den USA und im Ausland.

„AT&T hat der NSA Zugang zu Milliarden Emails gegeben“, schreibt die New York Times. Das Unternehmen habe zudem technische Hilfe dabei geleistet, den gesamten Internetverkehr am Hauptsitz der Vereinten Nationen abzuhören.

Andere Telekommunikationsfirmen würden auch mit der NSA zusammenarbeiten, so die New York Times weiter. Die Beziehung zwischen AT&T und der NSA sei aber „einzigartig“ und „besonders produktiv“ gewesen. AT&T sei „extrem bereitwillig zu helfen“ gewesen, zitiert ProPublica aus geheimen Dokumenten, die Edward Snowden bereitgestellt hat.

Von der Überwachung waren nicht nur US-Amerikaner betroffen. Ein großer Anteil des globalen Internetverkehrs führt durch amerikanische Leitungen, auch durch die von AT&T. Für die NSA sei es besonders wichtig gewesen, dass AT&T dem Geheimdienst den Datenverkehr zwischen Nicht-Amerikanern zur Verfügung stellt.

Wie hätte wohl die entsprechende Prophezeiung im Werbevideo von 1993 geklungen? Vielleicht so:

„Hat Ihr Internetanbieter jemals der Regierung und ihren Geheimdiensten dabei geholfen, grundlos sämtliche Ihrer Emails mitzulesen?“

„Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Internetanbieter jemals dabei hilft, die komplette Online-Kommunikation der Vereinten Nationen abzuhören?“