#ausnahmslos-Kampagne: „Unsere Gesellschaft hat ein Sexismus-Problem“

Kollage mit Bildern von ausnahmslos.org

22 Faministinnen haben die #ausnahmlos-Kampagne gestartet. Kollage mit Bildern von ausnahmslos.org

Nach den Ereignissen in Köln sind Flüchtlinge voreilig verurteilt und Politik sowie Medien scharf kritisiert worden. Dass unsere Gesellschaft ein grundsätzliches Sexismus-Problem hat, thematisiert jetzt eine Gruppe von Feministinnen mit ihrer Kampagne #ausnahmslos.

Über die Ereignisse in der Silvesternacht auf 2016 ist viel diskutiert worden. Dabei wetterten vor allem besorgte Bürger gegen die Flüchtlingspolitik von Merkel, die Polizei stand in der Kritik und vermeintlich ausländische Täter im Fokus der Wut. Um die Frauen, die auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs in Köln Opfer sexueller Gewalt wurden, ging es dabei zu wenig. Das Manko der Debatte brachte die Schriftstellerin Antonia Baum in der FAZ treffend auf den Punkt:

„Das eine Deutschland will nicht über sexualisierte Gewalt sprechen. Dieses Deutschland will über sich selbst sprechen und seine Angst davor, dass es nicht so bleiben darf, wie es ist. Das andere Deutschland will über sich selbst sprechen, aber nur darüber, dass Deutschland nicht über sexualisierte Gewalt sprechen will.“

Dagegen gibt es jetzt einen Aufschrei: Mit der Kampagne #ausnahmslos rufen Feministinnen zu einem offenen und differenzierten Diskurs zu den Themen Rassismus, Sexismus und sexuelle Gewalt auf. „Unsere Gesellschaft hat ein Sexismus-Problem auf allen Ebenen“, kommentiert die Gruppe. Und dieses Problem dürfe nicht auf Menschen mit Migrationshintergrund oder gezielt muslimische Menschen abgeschoben werden – in der Werbung, den Medien, aber auch im Alltag sei es allgegenwärtig und müsse bekämpft werden.

Kritik am Rechtssystem und den Medien

Die Feministinnen wollen, dass sich jeder, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Ethnie, sicher fühlt. Dafür fordern sie unter anderem eine Stärkung der Beratungsstellen für Opfer sexueller Gewalt. Auch müsse die sexuelle Belästigung als eigenständige Straftat detaillierter im Strafgesetzbuch ausgearbeitet werden. Von den Medien, die in der Berichterstattung über Köln in der Kritik standen, fordert die Gruppe eine Vermeidung rassistischer und sexistischer Klischees sowie eine größere Diversität in Redaktionen.

22 Frauen haben die Kampagne gestartet – unter anderem Anne Wizorek: 2013 hatte die Autorin bereits mit dem Hasthag #aufschrei über Twitter eine bundesweite Diskussion zum Thema Sexismus losgetreten. Sie fiel zusammen mit einem Artikel über das abfällige Verhalten des FDP-Politikers Rainer Brüderle gegenüber der Stern-Autorin Laura Himmelreich.

Bereits vor der Veröffentlichungen haben sie mehr als 400 Frauen und Männer unterzeichnet, darunter auch Familienministerin Manuela Schwesig, die Berliner Musikerin Sookee und die britische Journalistin Laurie Penny. Wie vor drei Jahren zu #aufschrei ist auch zu #ausnahmslos eine große Resonanz auf Twitter zu beobachten.


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