Bäuerin Julia gründete ihre eigene Datingseite für Menschen vom Land

„Einer hat geschrieben, dass er etwas zickig ist. Da haben sich trotzdem viele gemeldet.“ Julia spielt Amor für Bauern. Ehrenamtlich und nicht wie im Fernsehen.

Liebe auf dem Lande ist schwer zu finden. © Stocksnap | CC0

Julia ist Landwirtin und betreibt gemeinsam mit ihrem Freund einen Hof: Milchwirtschaft, Kuh- und Schweinemast. „Wir haben uns ganz klassisch vor sieben Jahren auf einer Party kennen gelernt“, erzählt die 27-Jährige. So ein Glück hätten allerdings nicht alle in ihrem Job – vor allem, wenn man sich nicht unter anderen Landwirt*innen umguckt.

Beziehungen mit Leuten aus fremden Branchen funktionieren nur selten, erklärt Julia: „Der Beruf ist sehr arbeitsintensiv und man ist stark an den Hof gebunden.“ Für potenzielle Partner*innen mit anderen Jobs sei das oft nicht nachvollziehbar.  „Man kann sich zwar daran gewöhnen, aber ich glaube, das ist vor allem am Anfang hart. Wenn man noch nicht weiß, dass man 24 Stunden am Tag in Bereitschaft ist. Die meisten haben in ihrem Job halt Feierabend, ein Wochenende und Urlaub.“

Die Kuh geht vor

Julias Arbeitstag geht um 6 Uhr morgens los und hört bestenfalls um 20 Uhr aufund das sieben Tage die Woche. „Man weiß halt nie, ob man um die Zeit wirklich Schluss machen kann.“ Das sei auch ein Problem, wenn man Dates plane. „Wenn die Kuh plötzlich kalbt, muss man eine Verabredung halt leider absagen. Da muss das Date dann schon spontan sein.“ Zudem kennt Julia viele aus ihrer Branche, die beim Flirten nur selten Begeisterung für ihren Beruf ernten: „Der Job hat nicht gerade den besten Ruf“, meint sie.

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Deshalb kam die junge Frau auf die Idee, ihre Facebookseite Spotted:Landwirtschaft zu gründen. Julias Kuppelseite ist für sogenannte grüne Berufe gedacht: In erster Linie treiben sich dort Menschen aus der Landwirtschaft und Jäger*innen herum, um eine Partnerschaft fürs Leben zu finden. 

Mittlerweile hat Spotted:Landwirtschaft schon 30.000 Fans. „Mit diesem Erfolg hätte ich nie gerechnet“, erklärt Julia. Sie hatte aber eine Ahnung, dass der Bedarf in der Community groß sein dürfte: „Wer eine Anzeige schaltet, kann sicher sein: Der*die andere ist auch aus der Landwirtschaft und weiß, worauf er*sie sich einlässt.“

Eben nicht Bauer sucht Frau

Menschen, die eine Anzeige auf Julias Seite schalten wollen, schicken ihr eine Beschreibung von sich selbst und Informationen dazu, nach was für einem Mensch sie suchen. „Ich poste die Anzeigen anonym auf der Facebookseite“, erklärt die 27-Jährige. Anonymität ist Julia sehr wichtig, damit die Gesuche nicht zu einem Bauer-sucht-Frau-Abklatsch verkommt.

„Es geht bei uns nicht darum, dass jemand mit einem Foto viele Klicks bekommt. Bei Bauer sucht Frau werden die Leute oft vorgeführt, finde ich.“ Das will Julia unbedingt vermeiden. „Es geht wirklich um die Partnersuche – darum, dass zwei Menschen sich finden. Und nicht um die Quote oder den Erfolg der Seite drum herum.“

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Die Anonymität hat allerdings auch ihre Grenzen: Julia leitet grundsätzlich keine privaten Nachrichten von Interessierten weiter. „Wenn jemand Interesse an einer Anzeige hat, dann sollte er oder sie auch den Mut aufbringen, einen Kommentar darunter zu posten.“ Es sei ja nicht so, als ob man seine Kontodaten rausgeben würde. „Aber man sollte es schon selbst hinkriegen, mit der Person in Kontakt zu treten.“

Bei Bauer sucht Frau werden die Leute oft vorgeführt, finde ich.“

Seit 2013 betreibt Julia die Seite, mittlerweile hilft ihr eine Freundin bei der Verwaltung. Täglich sind es zwischen 14 und 16 Nachrichten, die Spotted: Landwirtschaft erreichen. Nur in der Erntezeit seien es weniger, da dann auf den Höfen viel zu tun ist. „Im Winter sind es dagegen mehr – dann merkt man, dass die meisten wieder mehr Zeit haben.“

Bisschen zickig? Kein Ding.

Aus den vergangenen Jahren ist Julia besonders die Anzeige einer jungen Frau im Gedächtnis geblieben – allerdings nicht im positivem Sinn: „Sie hat sehr genau geschrieben, was ihr zukünftiger Partner besitzen sollte, welcher Traktor es sein und welche Größe der Stall haben muss. Die Kommentare unter der Anzeige waren aber so negativ, dass ich sie wieder löschen musste, obwohl wird das eigentlich nicht machen – aber in dem Fall wäre es sonst eskaliert.“

Einer hat mal geschrieben, dass er etwas zickig ist.“

Positiv fallen Julia dagegen immer ausführliche und ehrliche Anzeigen auf. „Die sind manchmal schon herzerwärmend“, lacht sie. „Einer hat mal geschrieben, dass er etwas zickig ist. Da haben sich trotzdem viele gemeldet was bei Anzeigen von Männern eher selten ist. Die Resonanz ist bei Frauen wesentlich höher.“ Nachrichten, die ehrlich und nicht überkitscht sind, kämen halt gut an. 

Spärliches Feedback

Bisher haben sich nicht viele glückliche Paare bei Julia gemeldet, die über die Seite zusammengefunden haben. „Ich schätze, es waren so zwischen zehn und 20 Paaren. Das ist schade für uns. Wir machen das ja aus reinem Herzblut“, bedauert die 27-Jährige. Sie engagiert sich ausschließlich ehrenamtlich als Kupplerin. „Die Rückmeldungen sind quasi unser Lohn. Aber viele denken wohl nicht darüber nach, dass wir uns freuen würden, etwas von ihnen zu hören“, meint sie.

Aber Lohn hin oder her – Julia will auf jeden Fall weiter machen und noch mehr Paare zusammen bringen. „Weil ich weiß, wie glücklich man sein kann – wenn man in einer Partnerschaft ist, bei der beide die gleiche Vorstellung vom Leben haben.“