Bayerischer Radiosender verlost „Traumbusen“

Wir dachten zunächst, es handele sich um Satire. Aber diese Werbeaktion von Radio Galaxy ist leider kein Scherz.

Eine Werbeaktion aus der Hölle: Radio Galaxy verlost eine Brustvergrößerung. © Photocase

UPDATE: Der Radiosender hat die Aktion inzwischen „aus wettbewerbsrechtlichen Gründen“ beendet.


Die PR-Profis des Ingolstädter Ableger des Radiosenders Radio Galaxy haben sich eine fast revolutionäre Aktion ausgedacht: Wie kompensiert man langweilige Moderationen, zu viel Werbung und Einheitsbreimusik? Klar, man verlost eine Brustvergrößerung!

 

Screenshot Radio Galaxy

Ich war der festen Überzeugung, es müsse sich hier um Satire handeln. Dass kein Medienunternehmen ernsthaft eine Brustvergrößerung – und dann noch unter dem Teaser „Der Radio Galaxy Traumbusen“ – verlosen könne, bei der Frau sich mit einem Foto „gerne ohne Kopf“ bewerben kann. Also haben wir bei dem Sender angerufen und nachgefragt. Es ist leider ernst gemeint.

Screenshot Radio Galaxy

Die Message, die bei mir mit der Werbeaktion ankommt, ist folgende: Frauen, es liegt nicht an euch, zu definieren, was Schönheit und Glück bedeutet. Nein. Wir, Radio Galaxy (stellvertretend für eine männlich geprägte Gesellschaft mit einem Weltbild aus den 1950er Jahren), sagen, dass ihr nur attraktiv und glücklich sein könnt, wenn eure Körper gewissen Normen entsprechen. Zum Beispiel: mit einer großen Oberweite.

[Außerdem bei ze.tt: Jennifer Rostock: Nackt gegen den Sexismus]

Radio Galaxy verlost den „Traumbusen“. Bedeutet: Nicht jede Brust ist gleich schön. Es gibt keine individuelle Busenschönheit. Nein, es gibt diese eine perfekte Oberweite, die es zu haben gilt, den „Traumbusen“ eben! Dabei stellt sich die Frage, wer oder was überhaupt festlegt, was ein solcher „Traumbusen“ ist, welche Form und Größe er hat. Legen das Männer fest, die den Attraktivitätsgrad einer Frau daran bemessen, wie sehr sie Photoshopkunstwerken aus Modemagazinen ähnelt? Die Frauen zu Accessoires auf Radio Galaxy Disco Flashback Partys degradieren?

Eine Aktion, wie aus einem Mario-Barth-Theaterstück entsprungen

Dabei ist zu sagen, dass ich nicht aus Prinzip gegen sogenannte Schönheitsoperationen bin. Ich denke, dass es jedem Menschen selbst überlassen sein sollte, solche Veränderungen am eigenen Körper durchzuführen. Ich bin jedoch gegen Werbeaktionen von Medienunternehmen, deren Brainstorming-Horizont auf die Vorstellung begrenzt ist, dass Frau nichts so sehr entstellt wie eine zu kleine Oberweite.

„Radio Galaxy verlost den Traumbusen“ wirkt einem Mario-Barth-Theaterstück entsprungen; aus einer Welt, in der Frauen nichts geiler finden, als nach Nussdorf zum Outletshopping zu fahren. Einer Welt, in der Frauen nicht einparken und keine Regale zusammenmontieren können. Einer Welt, in der Frauen stereotypisiert werden und von ihnen erwartet wird, dass sie nach Schema F aussehen.

[Außerdem bei ze.tt: Ab wann bin ich Feminist*in?]

Gerade als Medienunternehmen, das eine große Zahl von Menschen erreicht, wäre es wichtig, eine andere Message zu senden. Nämlich, dass das Streben nach einem Aussehen wie Victoria’s Secret Models nicht das höchste Ziel im Leben einer Frau sein muss. Dass es keinen „perfekten“ Körper gibt. Eine Message, die Frauen darin bestärkt, sich in ihren Körpern wohlzufühlen und dass es ok ist, so auszusehen, wie man eben aussieht. Mit großem oder kleinem Busen.


Auf die Aktion sind wird durch den Tweet von Tobias Dörges gestoßen:

Außerdem auf ze.tt