Bei diesem verrückten Foto-Video-Mix ist Wegschauen unmöglich

Der Fotograf und Designer Thomas Brand aus München experimentiert mit „Cinemagraphs“, einer neuen From der Fotografie. Eines seiner surrealen Kunstwerke wird derzeit täglich am Times Square in New York City präsentiert.

© Thomas Brand

Das Bild ist in der Toskana entstanden. © Thomas Brand

Dieser Moment, wenn du etwas mit Leidenschaft machst, viel Arbeit reinsteckst – und dann tatsächlich dafür belohnt wirst. Bei Thomas Brand aus München hat genau das geklappt.

Mit einer seiner Arbeiten, „Toscana Hotsprings“ (oben), gewann er kürzlich einen Wettbewerb der weltweit größten Community und einem Software-Hersteller für „Cinemagraphs“. Mit einem Schlag wurde er in dem Genre zu einem der gefragtesten Leute in Deutschland.

Sein Bild und das Model Sarah Philine Bugar, die auch seine Freundin ist, sind seit Beginn vergangener Woche täglich jede Stunde am Times Square in New York City zu sehen.

„Es handelt sich um eine Mischung aus Foto und Video“, sagt Thomas. „Es ist immer der gleiche Frame und ein Teil davon bewegt sich.“ Im besten Fall sei es dann wie bei einer perfekt geloopten Gif-Animation, auch wenn man den Vergleich in der Szene natürlich nicht gerne höre. Der entscheidende Unterschied: „Cinemagraphs sind viel aufwendiger und qualitativ hochwertiger“, sagt Thomas. Die meisten seiner Arbeiten nimmt er mit einer hochauflösenden 4K-Kamera auf.

Das Prozedere unterscheide sich zum Teil stark von klassischen Fotografie, andererseits aber auch nicht. „Es bleibt ein langer Prozess, bis man das richtige Motiv und den richtigen Ort findet“, sagt Thomas. Für das Gewinnerbild etwa jagte er seine Freundin auf einem Trip durch die Toskana vor Sonnenaufgang aus dem Bett, um sie an einem Ort zu fotografieren, in den er sich verliebt hatte. Dort platzierte er seine Freundin bei einer Schwefelquelle und wartete, bis das Licht stimmte. Dann filmte und fotografierte er sein Motiv rund eineinhalb Stunden lang.

Der größte Teil der Arbeit an einem Cinemagraph kommt aber nach den Aufnahmen. Bis alles so ist, wie er es haben möchte, brauche Thomas rund zehn bis zwölf Stunden und fünf Bildbearbeitungsprogramme gleichzeitig.

„Farben sind mir besonders wichtig“, sagt Thomas. Da probiere er gerne schonmal stundenlang herum, bis er zufrieden ist. „Es ist ein try and error. Ich bin da aber auch einfach ein Perfektionist und will einfach das Bestmögliche aus dem Material rausholen.“

„Als ich zum ersten Mal ein Cinemagraph gesehen habe, dachte ich mir nur: ‚Scheiße, ist das geil'“, sagt er. Ihn fasziniert, dass man nur schwer wegschauen kann und sich länger als gewohnt in den Bildern verliert. „Es ist einfach ungewohnt und deshalb ein Hingucker.“ Außerdem finde er spannend, dass es komplett auf digitale Medien beschränkt ist: Quasi eine Art Bild, das nur online funktioniert. Richtig gut findet Thomas die Cinemagraphs, bei denen sich Dinge bewegen, von denen man es zunächst nicht erwarten würde.

Warum er den Wettbewerb gewonnen hat, erklärt Thomas sich so: „Ich hatte so viel Auswahl, zum Beispiel noch eines in einem Warenhaus. Aber ich habe mich dann instinktiv für das Bild in der Natur entschieden. Weil, naja, die New Yorker kennen industrielles Umfeld sehr gut und haben nicht ganz so viel Natur um sich rum.“

Sein Interesse für Ästhetik und Fotografie liegt in der Familie, erzählt er. Im kleinen Familienbetrieb hat alles angefangen, dort arbeitet er als Werbedesigner. Viel Energie steckt er aber in die Cinemagraphs, die er vergangenes Jahr für sich entdeckte. Das scheint sich zu lohnen. Gerade konnte der 28-Jährige einen Auftrag von „einem sehr bekannten, internationalen Limonadenhersteller“ ergattern, erzählt er.