Bei westlichen Männern ist die Spermienzahl gesunken

Werden westliche Männer langsam unfruchtbar?

Schlaf gut, Mann. Auch mit weniger Sperma pro Ejakulation! © Svea Anais Perrine. / photocase.de

Männer aus Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland produzieren immer weniger Sperma. Das geht aus einer Studie hervor, die kürzlich im Fachmagazin Human Reproduction Update veröffentlicht wurde.

Das Team um Wissenschaftler und Studienleiter Hagai Levine von der Hebrew University in Jerusalem sichtete zunächst zwei Datenbanken mit 7.518 Studien mit Daten zur Spermienanzahl. Durch einen Auswahlkatalog schlossen sie anschließend zahlreiche Studien aus, die sie nicht verwenden konnten – beispielsweise Studien mit zeugungsunfähigen Probanden. Übrig blieben 244 Spermienzählungen aus 185 Studien, die an knapp 43.000 Männern durchgeführt worden waren.

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Levine und sein Team gliederten die Teilnehmer in zwei Weltregionen: westliche Länder und die übrige Welt, vor allem Asien, Afrika und Südamerika. Nur 28 Prozent der untersuchten Spermienzählungen stammten aus dieser Gruppe, für die kein statistischer Trend nachgewiesen wurde. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal war, ob die Probanden bereits ein Kind zeugten – also nachweislich zeugungsfähig waren – oder ob es keinen Nachweis der Zeugungsfähigkeit gab. Mögliche andere Einflussfaktoren auf die Spermienanzahl der Männer rechneten die Forschenden nach eigenen Angaben aus den Werten heraus.

Bei den Männern, für die nicht festgestellt wurde, ob sie zeugungsfähig sind, verringerte sich die Gesamtzahl der Spermienprobe um 1,6 Prozent von 1973 bis 2011. Das ist ein Rückgang von 59,3 Prozent. Im statistischen Mittel bedeutet das einen Rückgang von 1,4 Prozent der Spermienanzahl pro Milliliter. Männer mit Kindern konnte ein Rückgang der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss sowie bei der Zahl der Spermien pro Milliliter um etwa 0,8 Prozent nachgewiesen werden.

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Heißt das, westliche Männer werden unfruchtbar? „Angesichts der Bedeutung der Spermien für die männliche Fruchtbarkeit und die menschliche Gesundheit ist diese Studie ein dringender Weckruf für Forscher und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt“, sagt Studienleiter Levine.

Andere sehen das nicht so dramatisch. „Keine Panik! Der Mann stirbt nicht aus!“, sagt der Mediziner Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster gegenüber dem Standard. Die Untersuchung liefere eine gute Diskussionsgrundlage, die aufgezeigte Tendenz sei allerdings nur ansatzweise bedenklich. „Die Männer in den westlichen Industrienationen haben immer noch rund 47 Millionen Spermien je Milliliter Ejakulat. Das ist schon eine stolze Zahl, sie liegt immer noch weit über den Werten, die die Weltgesundheitsorganisation als Untergrenze der Zeugungsfähigkeit angibt“, so Schlatt. So zählte eine Studie von 2010 137,5 Millionen Spermiengesamtzahl westlicher Männer ohne Fruchtbarkeitsnachweis. Als Untergrenze des Normalen sieht die Weltgesundheitsorganisation 39 Millionen an.

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Die Ursachen der sinkenden Spermienanzahl sind laut Schlatt unklar – es gäbe eine ganze Reihe an Möglichkeiten: von der zu warmen Windel bei Säuglingen über Aspirin bis zum Handy in der Hosentasche.