Wohnungsnot: Berlin hat keinen Platz mehr

In Berlin wird der Wohnraum immer knapper. Zusätzlich zum konstanten Zuzug steht die Stadt jetzt vor der Herausforderung, Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen – und der muss bezahlbar sein. Der Konkurrenzkampf unter den Suchenden nimmt zu und setzt die Stadt unter Druck.

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Blick über Berlin vom Potsdamer Platz zum Alexanderplatz. © John MacDougall / afp / Getty Images

Berlins Einwohnerzahl wächst seit Jahren um rund 50.000 Personen jährlich. Dementsprechend schießen die Mieten besonders in den beliebten innerstädtischen Bezirken wie Kreuzberg und Mitte in die Höhe. Im letzten Mietspiegel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stand ein Plus von 2,7 Prozent, das entspricht durchschnittlich 5,84 Euro, die der Berliner pro Quadratmeter seiner Wohnung bezahlen muss.

Zu hohe Mieten, zu wenig Gehalt

Das ist ein noch immer überschaubarer Wert, wenn man den Blick einmal auf Hamburg oder München richtet, wo der Quadratmeter Wohnfläche im Durchschnitt 7,56 Euro (Hamburg) bzw. 10,73 Euro (München) kostet. Problematisch wird es allerdings, wenn man die mittleren Einkommen der Menschen in den Großstädten vergleicht. In diesem Ranking belegt Berlin einen der hinteren Plätze. Somit ist der Konkurrenzkampf um bezahlbaren Wohnraum besonders groß, denn Mieten, die für sozial schwache Haushalte finanzierbar sind, werden immer rarer. So schnell kann man Wohnungen fast gar nicht nachbauen, wie der Bedarf jetzt wächst, sagt Wibke Werner, stellvertretende Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich nun zusätzlich durch rund 80.000 Geflüchtete, die allein im vergangenen Jahr in Berlin angekommen sind. Spätestens, wenn ihre Asylanträge bewilligt sind und sie das Recht zum langfristigen Aufenthalt in Deutschland haben, sind auch sie auf der Suche nach Wohnungen, die zumindest zu Beginn im Niedrigpreissegment liegen müssen. Das Problem sei, wenn momentan neu gebaut wird, werde überwiegend im teuren Segment gebaut, so Werner.

Bausenator mit ehrgeizigen Plänen

Sozialwohnungen werden also dringend benötigt. Das hat auch Berlins Bausenator Andreas Geisel (SPD) erkannt und verkündete deshalb letzten Monat seine ehrgeizigen Pläne: Bis 2026 sollen zehn Siedlungen mit 50.000 Wohnungen errichtet werden. Insgesamt 3.000 Wohnungen seien dabei für Geflüchtete vorgesehen, allerdings will er dafür auf Paragraph 246 des Baugesetzbuches zurückgreifen. Das bedeutet, dass die neuen Quartiere auch außerhalb von Wohngebieten errichtet werden können, ohne übliches vorheriges Bebauungsplanverfahren. Ein Punkt, der in der Kritik steht.

Es bleibt abzuwarten, inwiefern solche Pläne realisierbar sind und ob es möglich ist, die angespannte Mietsituation in der Hauptstadt zu beruhigen. detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange hat einen solchen Ausblick mit Wibke Werner gewagt.

Redaktion: Markus Vorreyer