Bibis erste Single ist der Gipfel der Seelenlosigkeit des deutschen Pops

YouTubestar Bibi macht jetzt Musik, die so unemotional wie Helmut Kohls Anzüge und austauschbar wie H&M-Jeans ist. Mit Musik hat es eher wenig zu tun.

Blubbernde Heileweltfantasien made by Warner Music International. Screenshot Youtube

YouTubestarlett Bibi, aka Bianca Heinicke, hat ihre erste Single veröffentlicht. Das war Freitag. Heute ist Montag. Mehr als 22 Millionen Menschen haben das Video inzwischen angeschaut. Der Clip hat fast zwei Millionen Dislikes gesammelt. Mit diesen rekordverdächtigen Zahlen hat sie es auf Platz 8 der internationalen Liste der meistgehassten YouTubevideos geschafft – sogar noch vor Miley Cirus‘ Wrecking Ball. Sie ist damit die deutsche Vorzeigevertreterin einer internationalen Musikbewegung, die zwar bar jeder Seele ist, dafür aber gut Knete in die Kassen spült.

Bibis Kernkompetenz war es mal, Schminktipps zu geben. Das konnte sie, da war sie gut drin. Nebenher brabbelte sie irgendwelches belangloses Zeug, das aber scheinbar sympathisch genug war, um sich ein millionenschweres YouTubepublikum ranzuziehen. Dieser Fokus hat sich mit steigenden Follower*innenzahlen hin zu Videos verschoben, die sich mit „10 Dinge, die alle XX kennen“ oder „Schau her, was ich Geiles eingekauft habe“ betiteln lassen können.

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Was Bibi kann, ist eine Nähe herzustellen. Sie ist ein bisschen wie eine Freundin oder Schwester, die aus dem Internet zu einem spricht. Diese Nähe täuscht darüber hinweg, worum eigentlich geht: Kohle scheffeln. Ein bisschen Product Placing hier, Affialiate Links dort – schon macht sie Kasse, weil unzählige junge Mädchen genau diese Produkte haben wollen. Expert*innen schätzen Bibis monatliches Einkommen auf 110.000 Euro.

Von Schminktipps zu etwas, das wie Musik wirkt

Next stop: Music business. Laut Bibi spielt die Musik in ihrem Leben „schon immer eine sehr, sehr große Rolle“. Zum Glück hat Bibi einen Freund Sam, „für den ist Musik auch einfach alles“. „Der arbeitet in der Musikbranche“ – Surprise – und hat den Song scheinbar vor Jahren mal geschrieben. Und Bibi hat das Lied „ab der allerersten Millisekunde so getroffen und berührt“.

Schon der Titel des Meisterwerks lässt auf die großartige Story schließen: How it is (wap bap). Auszüge aus dem deepen Songtext? Gerne. Der Refrain geht so:

Wap bap wah da de da dah Dap bap

bah da de da dah Dap bap

bah da de da dah dah! 

Wap bap wah da de da dah Dap bap

wah da de da dah Dap bap

Bah da de da dah dah! 

Ich lasse euch mal noch ’ne Sekunde, um die ganzen Emotionen zu verarbeiten, die da vermutlich gerade bei euch hochkommen. Aufwühlend wie ein Wurstbrot.

Wurstbrot in Musikform

Bei aller künstlerischer Toleranz und Openmindedness: Es fällt extrem schwer, sich vorzustellen, dass die Macher*innen des Songs von der emotionalen oder tiefsinnigen Dimension ihres musikalischen Outputs überzeugt sind. Hier wurde ein Produkt produziert. Ja, Musik war schon immer ein Business, es ging schon immer darum, Geld zu verdienen. Trotzdem gab es mal Zeiten, in denen hatte Musik etwas mit Kunst und damit mit Authentizität, Ideen, Emotion zu tun.

Das hier vorliegende Produkt ist so unemotional wie Helmut Kohls Anzüge und austauschbar wie H&M-Jeans. Mit Musik hat es wenig zu tun. Der einzige Grund, warum es produziert wurde, ist, dass das Lied ein Mädchen performt, das eine Kaufkraft von 4 Millionen YouTubeabonennt*innen im Kreuz hat. How it is (wap bap) ist damit die Spitze des seelenlosen Kommerzberges, Bibi die neue Königin unter den austauschbaren, kantenlosen Kommerzkünstler*innen wie Max Giesinger, Frida Gold oder Tim Bendzko.

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