Bilder von Menschen, die uns unsere Kleidung ermöglichen

Nicht alle Menschen profitieren von der Globalisierung. Im Gegenteil: Damit wir unser Leben leben können, wie wir es wollen, leiden andere. Der Fotograf Jost Franko macht das sichtbar.

Manchmal müssen größere Zusammenhänge erst verbildlicht werden, damit wir sie begreifen. Jost Franko möchte genau das mit seiner Arbeit leisten: den Menschen eine Plattform geben, die sonst keine haben. Und zeigen, dass die Globalisierung allzu oft eine Einbahnstraße ist.

Für sein Projekt Cotton Black, Cotton Blue reiste er von seinem Heimatland Slowenien nach Burkina Faso und Bangladesch. In Afrika besuchte er Menschen, die auf riesigen Plantagen für wenig Geld die Baumwolle ernten, aus der unsere Jeans, T-Shirts und Pullover gemacht sind. Dort helfen sich ganze Dörfer vor dem Verkauf auf dem Markt gegenseitig bei der Ernte und dabei, die Wolle zu einer festen, harten Masse zusammenzuquetschen, damit sie abgewogen werden kann.

In Bangladesch, wo sie weiterverarbeitet wird, sprach Jost mit Familien, die teilweise sogar in den Fabriken übernachten müssen, in denen massenhaft Kleidung produziert wird – weil sie von ihrem Gehalt keine Miete bezahlen können.

Vom Leben der Globalisierungsverlierer

„Ich möchte die Menschen zeigen, deren Leben negativ durch die Globalisierung beeinflusst ist“, sagt der junge Fotograf. Dabei gehe es ihm nicht nur darum, in die Fremde zu reisen. „Auf eine gewisse Weise erzählen die Leben slowenischer Schäfer, die ich über die Alpen begleitete, ähnliche Geschichten wie die der Landwirte in Burkina Faso.“

Jost beschreibt das als den Kern seiner Arbeit als Fotograf. Dafür benötigt er aber viel Zeit. „Die nehme ich mir und das betrachte ich als Stärke meiner Arbeit. Für mich ist die Fotografie die Sprache, die am besten ausdrücken kann, was in meinem Kopf ist“, sagt er. Die Erfahrungen, die Jost bislang bei seiner Arbeit machte, hätten ihn nicht verändert, aber vieles bewusst gemacht. „Es nimmt emotional mit, wenn du mit Geflüchteten arbeitest, die seit 20 Jahren in einem Sammelzentrum gefangen sind, oder eine Familie besuchst, deren Haus gerade bombardiert wurde.“ Für ein weiteres Projekt dokumentierte er etwa die Auswirkungen des Krieges in Gaza.

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Aber kann Fotografie etwas beim Thema Globalisierung zum Positiven verändern? „Natürlich glaube ich, dass es wichtig ist, solchen Geschichten zu folgen, über sie in der Presse oder Literatur zu schreiben oder sie darzustellen. Aber ich denke auch, solche Fragen sollten strukturell behandelt werden“, sagt Jost. Er wünscht sich, dass die, wie er es ausdrückte, ausbeuterischen neokolonialen Beziehungen zwischen den entwickelten und den Entwicklungsländern neu untersucht und behandelt werden.

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