Bist du narzisstisch? Mach hier den Test!

Foto: picture-alliance/ Narziss von Franz von Stuck
1863-1928, um 1926.

Narziss verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild. Foto: picture-alliance/ Narziss von Franz von Stuck 1863-1928, um 1926.

Im Kosmos eines Narzissten dreht sich alles um einen Planeten: das Ego. Aber woher kommt das? Und ab wann sind wir eigentlich narzisstisch?

In der griechischen Mythologie ist Narzissmus eine Strafe. Weil der junge Narziss in Ovids Methamorphosen die Liebe einer Frau nicht erwiderte, bestrafte sie ihn mit der unersättlichen Selbstliebe. Als er sein Spiegelbild im Wasser sieht, ist er von dem Anblick so entzückt, dass er verzweifelt versucht, es festzuhalten – und am Ende an seinem Wahn stirbt.

Ins Heute übertragen, könnte ein Narzisst also durchaus jemand sein, der mit Begeisterung seine Profilbilder bei Facebook anschaut und nicht von seinem Instagram-Account loskommt. Der moderne Narziss präsentiert sich liebend gern im Netz und leidet an der Selfie-Sucht.

Selfie-Sucht und Präsentationsdrang

Ein von @tjommii gepostetes Foto am


Sind wir dann nicht alle Narzissten, mit unseren Profilen auf Facebook, Instagram und Tinder? Wir lieben es, neue Fotos hochzuladen und freuen uns wie verrückt über die ersten Likes. Wir tun alles für die Selbstoptimierung: Kaufen Selbsthilfe-Ratgeber, treiben Sport und suchen stundenlang nach dem perfekten Outfit.

In einer amerikanische Studie fanden Professoren heraus, dass sich der Anteil Studierender mit narzisstischen Charakterzügen seit den 1980ern verdoppelt hat. Um den Narzissmus zu skalieren, wendeten sie den Narcissistic Personality Inventory Test an. Mithilfe dieser Fragen können wir den Grad unseres eigenen Narzissmus herausfinden.

[Wie narzisstisch bist du? Mache hier den Test!]

Es ist jedoch Vorsicht geboten – ganz so einfach lässt sich der Narzissmus von Ovid dann doch nicht auf die Gegenwart übertragen. Wer gerne Selfies schießt, ist nicht gleich ein Narzisst. Es steckt mehr dahinter, als Selbstverliebtheit und der Drang zur Selbstdarstellung. Entgegen vieler Vorstellungen haben gerade Narzissten viele Probleme mit sich selbst.

Narzissten haben ein geringes Selbstbewusstsein

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: „Narzissten sind sich selbst nicht genug, es reicht ihnen nicht, zu wissen – oder zu glauben -, dass sie toll sind. Sie brauchen unbedingt die Bestätigung von anderen, deren Bewunderung. Das ist das Gegenteil von Selbstvertrauen.“

Das Ausmaß narzisstischer Züge ist variabel. Narzissmus reicht von einem bloßen Charakterzug bis zur Persönlichkeitsstörung, die diagnostiziert und behandelt werden kann. Hierbei zeigt die betroffene Person oft ähnliche Anzeichen wie bei einer Depression: Sie fühlt sich leer, hat Ängste, ein gestörtes Selbstwertgefühl, ist ständig damit beschäftigt, anderen imponieren zu wollen, kann sich aber selbst nur schwer in Mitmenschen hineinfühlen. Wer bisher den Begriff des „Narzisst“ inflationär genutzt hat, sollte seine Wortwahl überdenken.

[Außerdem bei ze.tt: Wie ihr euch unter zwei Minuten das Selfiemachen abgewöhnt]

In einem Artikel der New York Times rät Arthur C. Brooks dazu, sich näher mit dem Phänomen des Narzissmus‘ zu beschäftigen. Es sei nicht die Selbstliebe, die uns zu Narzissten mache, sondern das perfekte Abbild, das wir von uns schaffen würden, um unsere wirklichen Probleme zu überdecken.

Wir lenken uns von unseren eigentlichen Baustellen ab

Um den Narzisst in uns zu bändigen, brauchen wir ein stärkeres Selbstwertgefühl. Ein gesundes Selbstbewusstsein kommt aber nicht durch Likes und Follower, sondern sollte, so Brooks, ein intrinsisches Gefühl sein. Das ist leichter gesagt als getan.

Wenn es in der Umgebung laut und unruhig ist, können wir uns nur schlecht vernünftig auf uns selbst oder andere konzentrieren. Wir lassen uns von Bildschirmen, vibrierenden Handys und lauten Klingeltönen gerne verleiten und gehen uns dabei selbst aus dem Weg. Was wäre, wenn wir mal Ruhe um uns schaffen?

[Außerdem bei ze.tt: Jetzt leg endlich das Handy weg!]

Das heißt nicht, dass wir Smartphones, Laptop und Radios ab jetzt verbannen sollen. Aber der erste Schritt wäre es, das Handy ab und zu mal zuhause zu lassen.  Automatisch haben wir mehr Zeit, um erstens: Unsere eigenen Probleme zu ordnen und zweitens: Für andere da zu sein.