Böhmermanns beste Beiträge

Böhmermann war schon vor Verafake und Erdogan-Kritik lustig. Wir geben Nachhilfeunterricht für alle, die seine früheren Werke verpasst haben.

© Ole Spata/dpa

Jan Böhmermann © Ole Spata/dpa

Spätestens seit seiner umstrittenen “Schmähkritik” am türkischen Präsidenten Erdogan und seiner “Verafake”-Kritik an der RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ dürfte jede*r in Deutschland Jan Böhmermann kennen. Wer die früheren Aktionen des Moderators verpasst hat, kann sich hier einen Überblick verschaffen. Das waren einige seiner bisher besten Beiträge:

Varoufake

Dass “Verafake” ein Erfolg war, darf niemanden überraschen. Mit Fakes kennt Böhmermann sich nämlich aus. Anfang 2015 behauptete er, sein Team habe es so aussehen lassen, als hätte Yanis Varoufakis den Deutschen in einer Rede den Mittelfinger gezeigt – ein Fehltritt, für den der griechische Finanzminister zuvor heftig kritisiert worden war.

Das Geniale an der Aktion: Der Fake war ein Fake. Varoufakis hatte tatsächlich den “Stinkefinger” gezeigt. Böhmermann hatte sein Ziel erreicht: Er hatte das deutsche Fernsehpublikum zum Zweifeln gebracht. Für den “Varoufake” erhielt er 2016 den Grimme-Preis.

Das digitale Quartett

Spätestens seit seiner Gangster-Rap-Parodie “Ich hab Polizei” wissen wir, dass Böhmermann sich in der Szene auskennt.

Zum Brüllen komische Sticheleien in diese Richtung gab es allerdings schon vorher: Böhmermann ließ auf dem Höhepunkt der Fehde zwischen Bushido und Kay One Fan-Kommentare aus dem Netz von vier gesetzten, älteren Herren vortragen. Wer die beiden Rap-Größen bis dahin noch ernstgenommen hatte, dürfte spätestens nach diesem Beitrag arge Probleme damit gehabt haben:

Haul Hitler

Comedy mit Hitler – das kann schnell ins Auge gehen. Außer sie kommt von Böhmermann. Sein Hitler ist ein YouTube-Star, der sein Publikum mit Hauls und Let’s-Plays unterhält und auch gerne Schminktipps (“Adi und die Bibi!”) anbietet. Die Idee ist so seltsam, dass sie eigentlich nicht funktionieren dürfte. Tut sie aber.

Neo Wagazin: Battle Rap

Nachdem Böhmermann Campino und dessen Projekt Band Aid 30 aufs Korn genommen hatte, wurde der Comedian in den sozialen Medien heftig kritisiert. Statt den Shitstorm auszusitzen, nahm Böhermann ihn aber lieber in die Sendung auf. Er verarbeitete die Hasskommentare zu einem Disstrack gegen sich selbst, den er auch noch genussvoll vortrug – Selbstreflexion à la Böhmi.

Der Show-Krieg

Für lange Zeit wollte die Fan-Gemeine Böhmermanns “Neo Magazin Royale” und die ProSieben-Sendung “Circus Halligalli” als erbitterte Konkurrenten sehen. Also gab Böhmermann nach. Er erklärte der Konkurrenz vom „bösen Privatfernsehen“ den Krieg und kündigte an, in seiner Sendung exklusiv offenzulegen, wie es hinter den Kulissen von “Circus Halligalli” wirklich zugehe.

Auch hier handelt es sich wieder um ein Fake mit doppeltem Boden: Der ganze Beitrag war natürlich mit “Circus Halligalli” abgesprochen und diente lediglich dazu, die kampfeslustigen Zuschauer ein wenig auf die Schippe zu nehmen.

Eine Hymne auf die 90er

Nicht nur witzig, sondern auch nostalgisch wird es in Böhmermanns “Hymne auf die 90er”. Der Comedian widmet dem Jahrzehnt seiner Jugend ein eingängiges und erstaunlich treffendes Liebeslied, das jedes Kind der 90er bestimmt mehr mal einmal anhören wird.

Frühling für Frauke

Die AFD zu kritisieren ist wahrlich nicht schwer, aber Böhmermann gelingt mit diesem Liedbeitrag ein echter Kunstgriff. Er entlarvt die AFD, indem er vorgibt, ihr zuzustimmen – und dies verpackt in ein Varieté-Stück, das problemlos den 1930ern entsprungen sein könnte.