Boykottiert an Weihnachten die Geschäfte!

Ich bin eine Sadistin. Wenn andere leiden, blühe ich auf, jedenfalls wenn es ums Einkaufen geht. Der Kampf ums Dasein ist mein persönlicher Moment of Zen. Nur die Sache mit Heiligabend, da müssten wir mal drüber reden.

Adam Berry/Getty Images

Einkaufen in der Mall of Berlin im Advent: ein Fest für Sadisten. Adam Berry/Getty Images

Endlich Weihnachten! Ich habe natürlich noch keine Geschenke besorgt, nicht ein einziges. Wo bliebe denn da der Spaß? Für mich gibt es wirklich nichts Schöneres, als kurz vor den Festtagen in die Stadt zu gehen und Geschenke zu kaufen. Alle Menschen um mich herum sind gestresst. Warum? Weil man an Weihnachten nun mal gestresst ist. Und weil Weihnachtseinkäufe ja so furchtbar anstrengend sind. Qua Definition. Wüssten ihre Lieben, unter welchen Seelenqualen der Montblanc-Füller und die Playstation erstanden wurden, sie hätten sie wohl lieber selbst bestellt, im Januar, im Rabatt-Angebot der Internet-Shops.

Ich laufe also zwischen all diesen unglücklichen Menschen hindurch und weide mich an ihrem Unglück. Kaufe, was ich brauche und laufe, genau wie alle anderen, durch drei Läden, bis ich es gefunden habe. Am Ende bin ich müde, durchgefroren, habe blaue Flecken und sehr viel Spaß gehabt. Glück ist eine Entscheidung. Stress, oft genug, auch.

Muss es am Heiligen Vormittag sein? Echt jetzt?

Ich schreibe übrigens ganz bewusst nicht vom Heiligen Abend, dem 24. Dezember. Für mich beginnt dieser Tag morgens um neun (ja … ich weiß. Aber meine Eltern sind Frühaufsteher). Dann gibt es ein kleines Frühstück und dann möglichst früh, Glühwein draußen oder Kekse am Kachelofen, bevor wir ab Mittag das Essen vorbereiten und dem Wohnzimmer den letzten Glanz verleihen.

Willkommen am problematischen Moment. Vermutlich habe ich die Tomaten vergessen, meine Mama den Fenchel oder mein Stiefvater den Rotwein. Irgendwas ist ja immer.

Was nun?

Nichts.

Als würden wir die Festtage nicht ohne Kirschtomaten, Fenchel und Rotwein überstehen. Ohne wäre es aber nicht perfekt?

Wie perfekt ist der Heilige Abend wohl für die Menschen, die im Supermarkt an der Kasse sitzen? Ich hab mir das vor ein paar Jahren mal angeschaut (Tomaten und zwei Flaschen Ginger Ale, war total wichtig). Da ist quasi nichts los. Trotzdem muss die Belegschaft antreten, denn für die Kunden soll Heiligabend natürlich möglichst stressfrei sein. Nicht nur eine Stunde am Morgen – sondern von 7 bis 14 Uhr.

Ich finde das falsch.

Jeder sollte die Möglichkeit bekommen, am Heiligen Abend schon morgens betrunken zu sein, Kekse zu backen und seinen Baum abzufackeln. Viele Menschen werden gebraucht. Ärzte, Straßenmeistereien, Seelsorger sind Menschen, die an Weihnachten arbeiten müssen, am Heiligen Abend, sonntags, nachts.

Ihnen sollten wir Respekt zollen, dankbar sein. Aber niemand braucht ernsthaft Supermärkte. Wenn wir es nicht schaffen, am 23. Dezember um 19.45 Uhr die Zutaten für unser Weihnachtsessen zu besorgen, dann haben wir sie auch nicht verdient. Reißen wir uns also zusammen, und halten wir uns an Heiligabend von den Supermärkten fern. Und seien wir jenen Chefs dankbar, die ihren Mitarbeitern ein schönes Weihnachtsfest ermöglichen.