Briefe an den König: Marokko wehrt sich gegen WhatsApp-Blockade

Von einen Tag auf den anderen gehen Anrufe nicht mehr durch. Der König hat’s veranlasst. Die Bevölkerung protestiert, unter ihnen auch Kinder.

© Screenshot Facebook/Stop the VOIP ban in Morocco

JB vermisst den Kontakt zu ihren Großeltern, die in den USA leben © Screenshot Facebook/Stop the VOIP ban in Morocco

Der König von Marokko, Mohammed VI, war lange bei den Bürgern seines Landes beliebt. Seine unternehmerische Politik ließ die Wirtschaft wachsen – und ganz nebenbei sein Privatvermögen, denn mittlerweile gehört der Alawiden-Herrscher zu den reichsten Staatsoberhäuptern der Welt.

Für seinen ausschweifenden Lebensstil (zwölf Paläste, zahlreiche Autos und eine Jacht) wurde er von seinen Kritikern als „Räuberkönig“ bezeichnet. Nun macht er sich auch bei der Bevölkerung unbeliebt: Seit dem 07. Januar lässt er kostenlose Telefonate übers WhatsApp, Skype und Co. blockieren.

Die Apps würden die „legislativen Bedingungen“ des Landes nicht erfüllen, hieß es in einer offiziellen Pressemitteilung. Doch das sei nicht der einzige Grund für die Sperre, wie Quartz berichtet: Da immer mehr Marokkaner umsonst übers Internet telefonieren, hätten die drei lokalen Teledienste an Umsatz verloren. Und damit auch der König, denn dieser ist an den Gewinnen beteiligt.

„Mein Name ist Leon und ich bin zweieinhalb Jahre alt. Ich wurde in Casablanca geboren und lebe hier. Meine Großeltern sind in Amerika und Frankreich. Wir konnten jeden Tag unsere Familie über Skype anrufen. Doch seit der Blockade kann ich meine Großeltern nicht mehr sehen – und sie mich nicht.“

Die Bevölkerung beginnt sich zu wehren. Am 05. März wird die Facebook-Seite „Stop the VOIP ban in Morocco“ von einem anonymen Nutzer gegründet. Sie verbreitet Briefe von Kindern und Jugendlichen an den König. Sie bitten ihn, WhatsApp und andere Apps wieder freizuschalten, damit sie den Kontakt zu Verwandten im Ausland nicht verlieren.

Auch aus dem Ausland melden sich Kinder und junge Menschen, die den Kontakt nach Marokko vermissen.

Die Facebook-Seite ist nicht der einzige Online-Protest. Unter dem Hashtag #OPEUnlike fordern Nutzer dazu auf, die Fan-Seiten der großen Telekommunikationsdienste Marokkos zu entliken. Innerhalb der ersten 48 Stunden verloren die Firmen über 100.000 Likes – und damit Geld durch sinkende Werbeeinnahmen.

Eine Website der Protestler errechnet die finanzielle Miese, die ihnen daraus indirekt folgt. Demnach habe beispielsweise Maroc Telecom 588.279 marokkanische Dirham verloren. Das sind umgerechnet 538.690 Euro.

Ob der Protest Wirkung zeigte, ist nicht eindeutig. Einige Nutzer berichten, dass Anrufe wieder durchgegangen seien. Doch weiterhin bringen Nutzer ihren Protest durch das Hashtag #OpeUnlike zum Ausdruck.

Es ist nicht das einzige Mal, dass eine Regierung Online-Dienste sperrt. In Uganda konnten Twitter und Facebook kurz vor den Wahlen im Februar nicht aufgerufen werden. Auch in der Türkei waren Twitter und Youtube im April 2015 zeitweise nicht erreichbar.