Britische Band setzt mit nackten Männerhintern ein Zeichen gegen Sexismus

© SAEED KHAN/AFP/Getty Images

Tanzt! © SAEED KHAN/AFP/Getty Images

Bei nackter Haut gehen die Augen weit auf – vor allem, wenn eine Frau zu sehen ist. Das hat uns die Popkultur antrainiert. Die Band The Joy Formidable will es uns wieder austreiben.

Die britische Band The Joy Formidable hat keinen Bock mehr auf den üblichen Sexismus in Musikvideos und hat mit ihrem Clip zu „The Last Thing On My Mind“ ein Plädoyer für mehr sexuelle Vielfalt geschaffen. Und das bedeutet für das Londoner Trio, auch mal männliche Nacktheit zu zeigen.

In dem Video sind nackte oder halbnackte Männer zu sehen, die zappelnd, tanzend und posend von Frauen beobachtet werden. „Es ist schön, provokativ, teilweise pervers“, beschreibt Sängerin und Frontfrau Ritzy Bryan das Video dem Guardian. Sie betont, dass die Collage eine gemeinsame Entscheidung von Bryan und ihren männlichen Bandkollegen gewesen sei. Denn sie alle störten sich an der ausschließlichen Objektifizierung der Frau in der Popkultur.

Hauptsache nackt

Die feministische Filmwissenschaft nennt diese voyeuristische Darstellung den „männlichen Blick„. Demnach werden Frauen in Filmen und Videos so dargestellt, wie sie von Männern gesehen werden: sinnlich, sexualisiert, halbnackt. Und dass sie fast ausschließlich so gezeigt werden – vor allem im Hip-Hop –, liegt daran, dass die Produzenten meist männlich sind.

Mit ihrem neuen Video wollen The Joy Formidable für mehr Balance sorgen: „Es geht darum, dass die mediale Repräsentation unausgeglichen ist. Wenn wir nur Frauen sehen, ist das beschränkt, schädlich und – ehrlich gesagt – einfach langweilig“, sagt Bryan.

Wie sehr es der Popkultur tatsächlich an Diversität mangelt, wurde ihnen noch mehr bei der Recherche deutlich: „Es war schwer Material zu finden, das Männer so sexualisiert, sinnlich oder verletzlich zeigt, in der Art wie es sonst mit Frauen passiert“, sagt sie.

Zwar gäbe es natürlich noch die Möglichkeit, Videos gänzlich unsexualisiert oder geschlechtsneutral zu produzieren, jedoch hat sich die Band bewusst dafür entschieden, Nacktheit zu zeigen: „Mit der Offenheit des Internet haben wir uns an explizites Bildmaterial gewöhnt. Wenn es das ist, wofür sich die Gesellschaft entschieden hat – lasst uns mehr Beulen, Schamlippen, unterschiedliche Körperformen und Schamhaare sehen“, sagt Bryan. Heißt: Wenn schon nackt, dann bitte ohne Ausnahme.