#Campusrassismus: Bildung schützt nicht vor Vorurteilen

Rassismus zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Auch an der Uni erleben nicht-weiße Studierende Diskriminierungen. Unter #campusrassismus erzählen sie noch bis zum 18. Dezember von ihren Erlebnissen. Wir haben mit einem der Initiatoren gesprochen.

© Haas, Robert/SZ Photo/Picture Alliance

Studentin in der Unibibliothek der LMU © Haas, Robert/SZ Photo/Picture Alliance

Eine Studentin mit Kopftuch wird an einer deutschen Uni gefragt, ob etwas sie zum IS sagen wolle. Der Dozent steigt mit der Frage ein: „Woher kommen Sie denn ursprünglich?“ Sie antwortet: „Äh… aus Köln“.

Kaum vorstellbar, aber solche Situation gehören tatsächlich zum Alltag an vielen Hochschulen in Deutschland. Am Samstag hatten die People of Color (PoC)-Gruppen der Hochschule Mainz und Frankfurt am Main aufgerufen, unter dem Hashtag #campusrassismus Erlebnisse von Ausgrenzung und Intoleranz an der Uni sichtbar zu machen. Schnell sammelten sich hunderte Tweets:

Rassismus gibt es auch in der linken Szene

Pooya Shojaee ist einer der Organisatoren und kennt diese Situationen: „In einem Seminar hatte eine Dozentin das Wort ‚Kanake‘ benutzt. Sie hatte einen CDU-Typ zitiert: ‚Wie kommen die Kanaken auf die Idee uns die Arbeit wegzunehmen?'“, erzählt er.

Für ihn kein Scherz, sondern ein Fehltritt: „Es scheint normal zu sein, solche Wörter zu benutzen. Aber gerade wenn Autoritätspersonen so reden, eröffnet das für andere einen Raum auch diese Worte zu benutzen. Ich wurde selbst von Nazis verprügelt – mich triggern solche Worte.“

Seit Jahren engagiert er sich in der linken Szene, doch auch dort machte er die Erfahrung, dass kaum jemand offen über Rassismus sprechen will: „Die Leute denken, dass sie anti-rassistisch sind, weil sie mal in der Antifa waren“, sagt er. „Aber auch sie handeln rassistisch. Aber keiner will Rassist sein – und ist beleidigt, wenn das eigene Verhalten als rassistisch gesehen wird.“ Er erinnert sich an Sätze wie „Bei einem Türken sieht man, ob er islamistisch ist oder nicht“.

Alltagsrassismus sichtbar machen

Wegen solcher Situationen haben sich vor drei Jahren die ersten PoC-Gruppen in Deutschland gegründet. Zuerst nur in akademischen Kreisen, mittlerweile sind 30 Prozent der Mitglieder Nicht-Akademiker. Bereits im letzten Jahr wurde unter dem Hashtag #SchauHin Alltagsrassismus in Deutschland sichtbar gemacht.

Nicht bei allen kommt die Aktion gut an. Der Hashtag wird auch missbraucht, um sich über die Aussagen lustig zu machen. „Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um Pegida-Anhänger oder Neonazis“, heißt es von den Organisatoren. „Sondern es sind Menschen, die Rassismus als Problem des ‚gesellschaftlichen Randes‘ abtun und damit leugnen, dass es einen Strukturzusammenhang gibt, der durch alle gesellschaftlichen Bereiche wirkt – und somit auch in die Universität hinein.“ Da sie mit kritischen Reaktionen gerechnet hatten, war die Aktion von vornherein zeitlich begrenzt.

Nach dem Hashtag soll aber nicht Schluss sein; im Januar folgen Podiumsdiskussionen. Informationen dazu findet ihr auf der Facebook-Seite der PoC-Hochschulgruppe Mainz. Die Organisatoren wollen die erlebte Realitäten von nicht-weißen Studierenden sichtbar machen, sagen sie. „Die einzige angemessene Alternative ist der Dialog.“