CDU-Gemeinderat fesselt Geflüchteten an Baum und nennt das „Zivilcourage“

Im sächsischen Arnsdorf prügelten vier Männer, darunter ein CDU-Politiker, zunächst auf einen 21-jährigen Geflüchteten ein und fesselten ihn dann an einen Baum. Der Politiker sagt im Nachgang: Er hätte das auch getan, wenn es „ein Deutscher“ gewesen wäre. Das soll die Gewalt offenbar rechtfertigen.

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Links zu sehen: Drei Männer einer "Bürgerwehr" prügeln auf den Geflüchteten ein. © Screenshot | Youtube

Manchmal bleibt einem nur noch das Kopfschütteln. In Arnsdorf in Sachsen stürmte eine „Bürgerwehr“, bestehend aus vier Männern, eine Netto-Filiale und ging auf einen Geflüchteten los.

Die Szene ist in einem Amateur-Video festgehalten, das auf Youtube zu sehen ist. Der Titel und Host zeigen, welches Klientel der Clip ansprechen soll: „Fachkraft beim Diebstahl erwischt! Bürgerwehr Arnsdorf/Sachsen hilft!“, hochgeladen von „Deutschland Vaterland“.

Vier Männer gehen auf einen Menschen los und prügeln auf ihn ein. Angestauter Hass, der sich entlädt. Das Video endet mit dem Satz: „Ist schon schade, dass man ’ne Bürgerwehr braucht.“

„Schade“ ist vor allem, dass auch der CDU-Politiker und Gemeinderatsmitglied Detlef Oelsner im Clip zu sehen ist – er ist einer der vier Männer, für die diese Art der Gewalt offenbar ganz normal ist. Routiniert ziehen sie den Geschädigten aus der Filiale. Draußen fesselten die Männer das Opfer an einen Baum, wie die Polizei in einer Mitteilung berichtet. Es handelte sich dabei um einen 21-jährigen, psychisch kranken Geflüchteten aus dem Irak, der Patient im Arnsdorfer Fachkrankenhaus ist.

Der Situation vorausgegangen war offenbar ein Streit zwischen ihm und der Filialleiterin. Es ging wohl darum, dass der Geflüchtete eine Telefonkarte kaufte, jedoch nicht aktivieren konnte. Als er zum dritten Mal am selben Tag in der Filiale erschien, konfrontierte ihn die Filialleiterin damit, dass die Karte bereits leertelefoniert sei. Der Geflüchtete sei laut Zeugenvernehmungen daraufhin in Rage geraten und habe diese mit einer Flasche Rotwein bedroht.

Die „Bürgerwehr“ wurde laut Netto nicht gerufen, der Konzern nimmt den Vorfall sehr ernst, wie er auf Facebook mitteilt.

© Screenshot | Facebook
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Mittlerweile ermittelt nicht mehr allein die Kriminalpolizei, sondern auch das Dezernat für Staatsschutz an dem Fall, wie die Sächsischen Zeitung berichtet.

CDU-Politiker Oelsner wurde im Gemeinderat direkt auf den Fall angesprochen. Sein Statement gegenüber der Sächsischen Zeitung: „Wir haben Zivilcourage gezeigt und hätten das bei jedem anderen ebenfalls getan. Auch wenn es ein Deutscher gewesen wäre.“

Das soll uns wohl beruhigen. Geschlagen und gefesselt werden, demnächst nur in Ihrem Netto? Bleibt zu hoffen, die Staatsanwaltschaft zieht die Verantwortlichen zur Rechenschaft – und der Politiker tritt umgehend zurück.