Cressida Dick wird die erste Frau an der Spitze der englischen Polizei

Die 56-jährige Britin tritt am Montag das leitende Amt der Metropolitan Police Force an. Die Entscheidung ist umstritten.

Cressida Dick wird Chefin der Londoner Polizei. Foto: Stefan Rousseau - WPA Pool/Getty Images

Die Metropolitan Police Force (Met), besser bekannt unter dem Namen der früheren Adresse Scotland Yard, ist ein traditionell britischer Betrieb. Nach 188 Jahren ernennt die höchste Polizeibehörde in Großbritannien erstmals eine Chefin.

Cressida Dick ist die Tochter eines Akademikerpärchens in Oxford und legte eine steile Polizeikarriere hin. Die Ermittlerin gilt als zielstrebig. Zu ihren Unterstützer*innen zählt unter anderem die britische Premierministerin Theresa May.

Sexistische Anfeindungen

Ihr Weg verlief jedoch nicht immer reibungslos. 1983 begann sie als Streifenbeamtin im Londoner Westend zu arbeiten. Dort erfuhr sie viele sexistische Anfeindungen. „Es war schrecklich“, sagte sie später der BBC. „Meine Strategie war, meinen Job trotzdem so gut wie möglich zu erledigen, und da, wo ich es konnte, gegen den Sexismus vorzugehen.“

Und ihre Strategie funktionierte. 2011 übernahm Dick die gesamte Terrorabwehr Englands. Dort bekam sie eine Menge Kritik für ihr Anti-Terror-Konzept, welches 2005 die Bombenanschläge auf die Londoner U-Bahn nicht verhindern konnte. 56 Menschen verloren dabei ihr Leben. Kurz darauf erschoss die Polizei einen unschuldigen Brasilianer, den sie für einen Attentäter hielten. Daraufhin geriet sie mit dem damaligen Scotland-Yard-Chef aneinander und nahm deshalb einen Posten im Außenministerium an.

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Doch ihre Leidenschaft blieb die Londoner Polizei, weswegen ihre Rückkehr nicht überraschend kam. Das bestätigten auch ihre ehemaligen Kolleg*innen, berichtet die Tagesschau. Dick liebe schließlich die Met, sie liebe den Polizeidienst und sie liebe London. Aber es gibt auch Kritik an ihr. Dass nun gerade die Verantwortliche der damaligen missglückten Anti-Terror-Operation Kratos zur Chefin wird, sorgte besonders bei den Hinterbliebenen für Protest.

Ihre Gehaltspolitik erregte Aufsehen. Dick entschied, ihren eigenen Lohn um knapp 50.000 Euro zu kürzen. Der Akt gilt als ein Zeichen der Solidarität mit den Sparmaßnahmen im Polizeidienst.

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