Danke, wir brauchen keine Bridget Jones mehr!

Der neue Bridget Jones-Film „Bridget Jones Baby“ kommt am 20. Oktober ins Kino. Diese Jones, über die darf gelacht werden, weil sie nicht dünn ist, weil sie tollpatschig ist und weil sie ja so hoffnungslos verliebt ist. Es gibt keinen langweiligeren Gedanken, als den an solche Frauenrollen.

© www.bridgetjonesmovie.com

Renée Zellweger zum dritten Mal in ihrer Rolle als Bridget Jones. © www.bridgetjonesmovie.com

Weit mehr als durch alles andere erfahren wir die Welt durch Geschichten. Sie prägen uns und geben uns – bewusst oder unbewusst – Handlungsanleitungen für unser Leben. Bis auf wenige, glückliche Ausnahmen, lautet die Grundnarration in Bezug auf Genderaspekte im Hollywoodfilm allerdings leider so: Der Junge/Mann ist der Held, er geht in die Welt hinaus, bekämpft das Böse und kehrt siegreich nach Hause. Dort sitzt das Mädchen/die Frau am Fenster, wo sie gewartet hat. Und geträumt. Und zwar von ihm.

Frauen handeln in Hollywood-Geschichten eher nicht, sie träumen. Von Männern. Oder Babys. Oder Heirat.

Nein, das ist keine Vergangenheit, sondern auch im Jahr 2016 noch Realität. Eigentlich hoffte ich, Bridget Jones und ihr Frauenbild mit den 90ern hinter uns gelassen zu haben. Frauen sind doch schon lange nicht mehr nur auf ihr Gewicht bedachte, tollpatschige, kichernde Anhängsel von Männern. Dann kam Bridget Jones das dritte Mal ins Kino.

Immerhin: Eine Frau in der Hauptrolle (Renée Zellweger). Sie ist zwar Single, aber ganz unabhängig und erfolgreich, als Produzentin eines Nachrichtenformats. Bis, ach Mist, dieser Mann (Patrick Dempsey) in ihr Leben kommt. Und eigentlich geht es dann leider doch nur um ihn. Achso, und um ein Baby – denn Bridget ist schwanger. Mutterschaft ist schließlich das größte Abenteuer, das Frauen erleben. Ich möchte an einem Stück Popcorn ersticken.

[Außerdem bei ze.tt: Prinzessinnen haben in Disney-Filmen oft nichts zu melden]

Okay, Bridget Jones muss auch keine feministische Heldin sein – das war sie in keinem ihrer Filme. Bridget Jones kann von mir aus auch eine weiße, reiche Londonerin mit Kinderwunsch bleiben, die nichts und niemanden außer vielleicht reiche, weiße Londonerinnen mit Kinderwunsch repräsentiert, aber in welchen Filmen gibt es sie denn, die wahrlich handelnden, die „starken“ Frauen?

Werden Frauen als Menschen dargestellt? Der Bechdel-Test

Kennt ihr den Bechdel-Test? Er zeigt Sexismus in Filmen auf, in dem er sie nach folgenden drei Kriterien bewertet: Gibt es 1.) zwei weibliche Charaktere, die im Film 2.) eine Unterhaltung führen, die 3.) nicht um Männer kreist?

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, werden Frauen als Menschen dargestellt. Ob sie dabei männliche Hauptrollen nur unterstützen oder eine eigene Storyline, mit eigenen Zielen und Wünschen haben, klärt der Test nicht.

[Außerdem bei ze.tt: In diesen acht Filmen sprechen fast nur Frauen]

Ende Juli fielen laut Fusion ein Drittel aller Hollywood-Filme aus diesem Jahr durch. Natürlich lässt sich Gleichberechtigung schwer messen – der Bechdel-Test kann nur eine Tendenz zeigen. Dennoch, es gibt Hoffnung. Fivethirtyeight.com fand heraus, dass Filme, die den Test bestanden, genau so gut an der Kinokasse performten, wie die übrigen Filme. Und natürlich kommen aus Hollywood Blockbuster, in denen Frauen ein eigenes inneres Leben und Wünsche haben, die über Männer und Kinder hinausgehen.

Die neuen, weiblichen Ghostbusters haben das versucht – obwohl sie am Ende dennoch Karikaturen bleiben und genügend Stereotype bedienen. Ein wirklich positives Beispiel ist der Film Carol, in dem Cate Blanchett eine Frau mit Meinung spielt, die sich gegen konventionelle Rollen wehrt. Das Netz ist da grad innovativer – und stellt mindestens acht kostenlose, feministische Webserien zur Verfügung.

Es gibt sie, die handelnden weiblichen Rollen. Warum wollen wir uns mit weniger zufrieden geben?