Darum geht’s in den Wahlvideos der Parteien wirklich

Die Parteien möchten sich in ihren Wahlvideos bestmöglich inszenieren. Wir haben versucht, die Botschaften dahinter zu entschlüsseln.

Deutsche Politik im Mikrokosmos. Screenshot Youtube

Nach und nach wurden die Werbespots der Parteien in den letzten zwei Wochen veröffentlicht. Sie gleichen einander: 90 Sekunden lang, Schnittbilder glücklicher oder eben unglücklicher Menschen, je nach Thema. Darüber eine Stimme aus dem Off, und gegen Ende bringen die Spitzenkandidat*innen ihre Wahlempfehlungen.

Trotz klassischer Aufmache sagen die Spots aber so einiges über die Parteien, den fehlenden Wahlkampf und die nahende Bundestagswahl aus. Im Grunde erzählen sie viel über die Stärken und Schwächen sowie die Relevanz ihrer Partei in nicht mal eineinhalb Minuten. Deutsche Politik im Mikrokosmos also. Doch seht selbst, wir haben die Videos für euch analysiert.

SPD: Kinderaugen, die Gerechtigkeit fordern

Aufrufe: 1.313.694

Veröffentlicht am: 17.08.2017

Darum geht’s: Der Spot der SPD ging als erstes online, was die vielen Aufrufe erklärt. Die frühzeitige Veröffentlichung ist aber nicht der einzige Grund für die vielen Klicks, denn der Spot ist gut gemacht. Das große Thema: Gerechtigkeit. Dazu werden Bilder von Kindern und Familien gezeigt, die an IKEA-Spots oder die Werbung von Versicherungsfirmen erinnern. Kinderlachen, Kinderaugen, befreite Familien. Wovon sie eigentlich genau befreit wurden, bleibt unklar. Dazu spricht Martin Schulz, seine Stimme klingt beinahe allmächtig, fast gotteswürdig. Diesem Mann vertraut man.

Darum geht’s wirklich: Während Schulz auf die Tränendrüse drückt, bekommt man beim Zusehen doch Gänsehaut. Die Message sitzt: Warum bringen wir unseren Kindern bei, dass sie teilen und den Schwachen helfen sollen, um im Erwachsenenleben das Gegenteil zu tun?

Die Grünen: Cat Content und schnelle Sprüche

Aufrufe: 89.760

Veröffentlicht am: 23.08.2017

Darum geht’s: „Ärmel hoch, Popcorn raus! Unser Wahlspot ist da“, schreibt die Partei in ihrer Videobeschreibung. Im Video fragen sich die Grünen: „Alles gut?“ Nö, nichts ist gut, sagen sie. Es gebe im Land viel zu tun. Das Credo bleibt trotzdem betont positiv: keine Angst, sondern Ärmel hoch und anpacken. Für die bereits bekannten Themen: Umwelt, Integration und Chancengleichheit.

Darum geht’s wirklich: Generell fliegen viele Wortschnipsel im Spot durch die Luft. Wer so viel zu tun hat, hat keine Zeit für ganze Sätze. Gegen Ende werden noch Bilder von Trump, Putin und Erdoğan eingeblendet und wie die Welt ohne sie aussehen würde: ein Katzenbaby, das mit einem Welpen im Bett kuschelt. Ach, so schön könnte die Welt sein.

Die PARTEI: eine bewegungslose Bewegung

Aufrufe: 44.105

Veröffentlicht am: 27.08.2017

Darum geht’s: Der glaubhafteste Spot kommt ausgerechnet von Die PARTEI, die sich parodistisch für die Nichtwähler*innen im Land einsetzen will. Nico Semsrott liegt dazu im Bett und erklärt, dass seine Partei gerne die AfD und FDP und vielleicht sogar die SPD vom Einzug in den Bundestag abhalten möchte und muss selbst grinsen.

Darum geht’s wirklich: Und ja, eigentlich hätte er gerne eine Bewegung gegründet, aber dazu hätte er aufstehen müssen.

CDU: Embryo und Merkel

Aufrufe: 6.069

Veröffentlicht am: 25.08.2017

Darum geht’s: „In welchem Deutschland wirst du einmal leben“, fragt sich Angela Merkel zu Beginn des CDU Wahlspots. Dazu wird ein Embryo gezeigt, das in einer Fruchtblase schwebt. Danach Einblendungen von vielen glücklichen Familien und Kindern. Ein bisschen cheesy, ein bisschen Gänsehaut. Alles in allem erinnert das Video aber stark an den Spot der SPD. Zum Schluss kommt wieder das Embryo, dessen rotes Fruchtwasser eher an Flammen erinnert und darum ziemlich creepy ist.

Darum geht’s wirklich: Überspitzt könnte man sagen: Während die Grünen und die FDP ihr Video auf Speed oder zumindest etwas Koks gedreht haben, reichte für die CDU nicht mal ’ne Koffeintablette aus.

FDP: Christian Lindner on the road

Aufrufe: 5.318

Veröffentlicht am: 28.08.2017

Darum geht’s: Während in anderen Videos die Spitzenkandidat*innen so gut wie gar nicht oder erst gegen Ende zu sehen sind, ist Christian Lindner der Protagonist seiner Story. Alles beginnt und endet darum auch mit Christian Lindners sinnlich geschlossenen Augen. Danach Schnittbild über Schnittbild, denn dieser Typ hat Stress: Christian Lindner im Auto, verzweifelt, müde, mit Kopfhörern, am diskutieren mit Bayern, im gebügelten Hemd, irgendwie sexy (ja, schon), an der Uni beim Vortragen oder am Telefon.

Darum geht’s wirklich: Überall Christian Lindner und irgendwie auch zu Recht, schließlich hat die FDP ihr Programm ja in diesem Video abgehandelt. Jetzt reicht es auch wieder mit Inhalten. Es war wieder Zeit für Christian Lindners schönes Gesicht.

Die Linke: Gute Forderungen in gähnender Langeweile

Aufrufe: 3.637

Veröffentlicht am: 27.08.2017

Darum geht’s: Die Linke hat für ihren Spot eine eigene Filmbeschreibung veröffentlicht. Sie beschreibt das Video ziemlich gut:

„Eine ruhige Straßenkreuzung in einer Stadt. Ein Kind wirft eine Spielzeugwaffe in einen Mülleimer. Einblendung: Abrüsten! Waffenexporte stoppen
Ein Mann holt Flaschen aus einen Müllcontainer.
Einblendung: Höhere Renten statt Altersarmut
Ein Mann sitzt in Arbeitskleidung in einem Lieferwagen und trinkt etwas.
Einblendung: Sicherer Job, planbares Leben
Ein Kind spielt auf einer Baustelle.
Einblendung: Vor Armut schützen
Eine Baustelle für eine Kita ist zu sehen.
Einblendung: Millionäre besteuern, mehr Geld für Kitas und Schulen
Eine Frau und ein Mann mit Umzugskartons unterhalten sich.
Einblendung: Mieten müssen bezahlbar sein
Ein Frau entfernt einen aufgesprühten ‚Ausländer raus!‘-Schriftzug.
Einblendung: Entschieden gegen rechte Hetze
Eine Pflegerin sitzt mit einer älteren Bürgerin auf einer Bank.
Einblendung: Mehr Personal in Pflege und Gesundheit
Einblendung: Am 24. September DIE LINKE.
Wahlaufruf von Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch.“

Darum geht’s wirklich: Genau das halt eben.

AfD: tba

Aufruf:

Veröffentlicht am:
Darum geht’s: Es existiert noch kein Werbespot der AfD.

Darum geht’s wirklich: Würden wir gerne wissen.