Darum regen sich gerade alle darüber auf, dass Bayer Monsanto aufkauft

66 Milliarden Dollar. So viel muss der deutsche Chemie-Konzern Bayer blechen, um den US-amerikanischen Saatguthersteller Monsanto zu übernehmen. Durch den Aufkauf von Monsanto, mutiert Bayer zum weltweit führenden Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut.

© Jean-Christophe Bott/dpa

Plakat auf einer Anti-Monsanto-Demo in der Schweiz. © Jean-Christophe Bott/dpa

Monsanto und Bayer einigten sich am Mittwoch auf die Fusion beider Konzerne. Damit handelt es sich um die größte Übernahme einer deutschen Firma im Ausland. Jetzt müssen allerdings noch die Monsanto-Aktionär*innen und verschiedene Kartellbehörden zustimmen.

Was war Monsanto gleich nochmal?

Monsanto erzeugt neben genmanipulierten Saatguts zum Beispiel den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, dessen Zulassungsverlängerung in Europa eine Protestwelle auslöste. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Monsanto war außerdem einer der Hersteller des Entlaubungsgiftes Agent Orange, dass die USA im Vietnamkrieg im Kampf gegen die Viet Kong einsetze. Das Entlaubungsgift führte bei der vietnamesischen Bevölkerung zu schweren Krankheiten. Bis heute sind Menschen von Krebserkrankungen oder Immunschwächen betroffen und es werden Kinder mit Fehlbildungen geboren, die auf den Einsatz des Giftes in den Jahren 1961 bis 1972 zurückzuführen sind.

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Aufgrund dessen ist Monsanto bereits seit Jahren auf Rang 1 der Hassliste von Umweltschützer*innen. Doch auch in der Übernahme Monsantos durch den deutschen Konzern Bayer sehen viele Umwelt-Organisationen Probleme.

Darum ist die Fusion zweier Giga-Konzerne laut Umweltschützer*innen so gefährlich

Das größte Problem ist, dass Bayer zusammen mit Monsanto eine fast schon monopolartige Marktposition in Sachen Pflanzenschutzmittel und Saatgut einnehmen wird. Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Umwelt stehen jedoch nicht besonders weit oben auf der Prioritätenliste der beiden Konzerne. Umweltschützer*innen befürchten, dass das weltweit künftig folgende Probleme verstärken könnte:

  • Schaden für Umwelt: Einerseits befürchten Umweltorganisationen, dass die Übernahme auf Kosten der Natur gehen wird. Ein Unternehmen, das soviel Geld für die Übernahme eines Konzerns ausgibt, spekuliert damit, künftig seinen Absatz zu steigern.

    Bedeutet: Es werden künftig mehr gentechnisch verändertes Saatgut, das Monsanto herstellt, und mehr gefährliche Chemikalien wie Glyphosat, eingesetzt. Dies könnte unter anderem dazu führen, dass die Biodiversität weiter abnehmen werde, erklärte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim World Wild Fund for Nature (WWF) Deutschland
    in einer Stellungnahme.
  • Abhängigkeit kleiner Landwirt*innen: Auch für kleine Landwirt*innen werde sich die Unternehmensfusion negativ auswirken, so Heinrich weiter: „Die Übernahme von Monsanto durch Bayer wird die weltweite Abhängigkeit der Landwirte von multinationalen Konzernen verstärken.“ Warum? Als Marktführer wird Bayer Landwirt*innen und Verbraucher*innen künftig die Preise seiner Produkte diktieren können. Und wer die nicht bezahlen kann, könnte vom Markt verdrängt werden.
  • Lobbyismus: Als Gigakonzern mit Tausenden von Arbeitsplätzen wird Bayer künftig auch auf die Politik stärkeren Druck ausüben können: „Noch mehr Agrochemie- und Saatgut-Industrie vor der Haustür würde den Einfluss auf die Entscheidungsträger in Deutschland und Europa weiter wachsen lassen. Der zunehmende Lobbydruck dürfte die aktuelle Situation verschärfen, in der Teile der Bundesregierung schon heute Politik für Konzerne, und nicht im Sinne von Umwelt und Verbrauchern machen“, schrieb Dirk Zimmermann von Greenpeace Deutschland bereits im Mai zu dem Thema. Umweltschützer*innen fürchten, dass Bayer künftig weitere Deregulierungen, Liberalisierungen und Privatisierungen durchsetzen könnte.