Darum will Londons Bürgermeister nicht, dass Trump britischen Boden betritt

Der verbale Schlagabtausch zwischen Trump und Sadiq Khan geht in die nächste Runde. Der Londoner Bürgermeister hätte es am liebsten, wenn Trump jetzt gar nicht mehr ins Land kommt.

Du bist blöd! – Nein, DU bist blöd! © Odd Andersen, Atef Safadi/AFP/Getty Images

Wenn es nach Londons Bürgermeister Sadiq Khan ginge, wäre die Sache klar: US-Präsident Donald Trump wäre in Großbritannien nicht mehr willkommen. Seine Politik ist einfach nicht mit den britischen Werten kompatibel.

Sadiq Khan reagierte damit auf eine Reihe von Donald Trumps Tweets, in denen er den Umgang des Bürgermeisters mit dem Terroranschlag in London vergangenen Samstag kritisierte. Nun fordert Sadiq Khan die britische Regierung dazu auf, den geplanten Staatsbesuch von Trump abzusagen.

Am Tag nach dem Attentat, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen, setzte Trump einen Tweet ab. Darin warf er dem Londoner Bürgermeister vor, die Anschläge zu verharmlosen.

Wie so oft bei Trumps Tweets fehlte hier der Kontext. Khans Aussage no reason to be alarmed stammte aus einem TV-Interview, in dem er sagte, dass die erhöhte Polizeipräsenz in London nach der Attacke kein Grund zur Sorge wäre – nicht der Terroranschlag selbst. Khan selbst blieb ruhig. Sein Sprecher veröffentlichte ein Statement, in dem unter anderem stand, dass er wichtigere Dinge zu tun habe, als auf Donald Trumps schlecht informierte Tweets zu antworten, die seine Aussagen wissentlich aus dem Kontext nähmen. Trump blieb weniger ruhig und legte wenige Stunden später nach.

[Außerdem auf ze.tt: London trotzt dem Terror – und Trump sorgt für Empörung]

Saidq Khan bekam umgehend Unterstützung von allen Seiten. Selbst das konservative Lager und Premierministerin Theresa May blieben standhaft. Nach den tragischen Vorfällen würde Khan einen exzellenten Job machen, sagte May, ohne dabei direkt Trump zu attackieren. Auf die Frage von Reporter*innen, ob es falsch von Trump war, Khan zu attackieren, antwortete sie: „Sadiq Khan macht einen guten Job und irgendetwas anderes zu sagen, ist falsch – er macht einen guten Job.“ Selbst der US-Botschafter in London lobte Khans Reaktion nach der Attacke.

In normalen Zeiten wäre so eine Solidaritätskbekundung für einen Politiker eines verbündeten Staates nicht mehr als eine angemessene Twitter-Geste. In Trump-Zeiten löste dieser Tweet eine Welle der Empörung aus. Trump-Unterstützer*innen warfen Botschafter Lewis Lukens vor, illoyal zu sein. Ein aktiver Botschafter stelle sich hinter einen ausländischen, muslimischen Beamten, statt den eigenen Präsidenten zu unterstützen? Für einige Grund genug, seine Amtsenthebung zu fordern.

Nach Trumps unpassenden Reaktionen auf den Anschlag – sei es gegenüber Khans, mit Werbung für seinen eigenen travel ban, oder mit der Forderung, endlich nicht mehr politisch korrekt zu sein – ist er, wenn es nach Sadiq Khan ginge, nicht mehr im Land erwünscht.

In einem Interview in den Channel 4 News vergangenen Montag sagt Bürgermeister Khan dann schließlich, dass Trump mit vielen Dingen unrecht habe und sein Staatsbesuch nicht vonstatten gehen sollte. „Eine besondere Beziehung ist nicht anders als ein enger Freund. In Zeiten der Not stehst du auf seiner Seite, aber sagst es ihm auch, wenn er falsch liegt. Donald Trump liegt mit vielen Dingen falsch.“

Sarah Huckabee Sanders, eine Pressesprecherin des Weißen Hauses, wies die Anschuldigung ab, Trump würde einen Streit mit dem Londoner Bürgermeister provozieren. Auf die Frage, warum Trump den Londoner Bürgermeister falsch zitiert habe, antwortete sie: „Ich glaube nicht, dass das stimmt. Ich glaube, die Medien drehen das absichtlich so. Der Punkt ist: Es gibt Gründe, sich Sorgen zu machen. Es gibt ständig Terrorattacken, nicht nur dort, sondern überall auf dem Planeten.“