Das beste Linke-Wahlplakat aller Zeiten war ein Versehen

Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine als trautes Politikerpaar zum Anfassen? Diesen Eindruck vermittelt ein Post für eine Wahlkampftournée, von dem der Chef gar nichts wusste.

„Sahra & Oskar kommen. On Tour in Niedersachsen“ / Screenshot Twitter

Vergangene Woche inszenierte die FDP ihren Parteichef Christian Linder noch als James Bond, diesen Morgen veröffentlichte die Partei Die Linke einen Flyer, der aussieht wie aus dem vorherigen Jahrhundert.

Zu sehen sind Sahra Wagenknecht, die Spitzenkandidatin von die Linke und Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Linksfraktion im saarländischen Landtag, in trauter Zweisamkeit im Grünen. An verschiedenen Tagen im August sollen „Sahra mit Pablo“ und „Oskar mit DD & Micha“ demnach für die Linke sprechen. Das Satiremagazin extra3 zieht in der Bildbeschreibung den Vergleich zu dem Volksmusik-Duo Marianne und Michael. Passt gut, sowohl Körpersprache, Ankündigungen mit Vornamen, als auch das gesamte Layout wirken wie aus den 1990er Jahren oder eben wie für ein Volksmusik-Plakat gemacht.

„On Tour in Niedersachsen“ doch Satire?

extra3 verspricht im Tweet auch, nicht verantwortlich für das Plakat zu sein. Keine Satire also. Die Frage drängt sich trotzdem auf: Meinen die das wirklich ernst? ze.tt hat bei der Linken in Niedersachsen nachgefragt. Die Antwort: „Ein solches Plakat existiert in gedruckter Form nicht und ist nicht autorisiert.“ Das ist weder ein Ja noch ein Nein.

extra3 gibt währenddessen auf Twitter an, dieses Bild auf Diether Dehms Facebook-Account gesehen zu haben. Der Bundestagsabgeordnete erklärt am Telefon, dass er sich gerade in seinem Haus in Italien befinde, da er an einem Theaterstück arbeite und für eine Verfilmung recherchiere. Während dieser Zeit würde sein Team den Facebook-Account betreuen. Dieses hätte heute Morgen auch das Bild unautorisiert veröffentlicht.

„Meine Mitarbeiter wissen, dass ich mich in einer Art Kreißsaal-Atmosphäre befinde und haben dieses Bild im Alleingang veröffentlicht.“ Als Dehm den Post sah, löschte er ihn sofort. Darum ist er mittlerweile auch nicht mehr auf Facebook zu finden. Seine Entscheidung begründet er so: „Erstens ist der Wahlkampf im Saarland längst vorbei, zweitens stimmen die Daten darauf nicht einmal, drittens ist es ein viel zu harmonisches Bild für die Bundestagswahl.“ Über Geschmäcker lasse sich streiten, sagt er und kichert, aber dieses Bild hätte er, wenn er anwesend gewesen wäre, natürlich niemals freigegeben.

Ab ersten August ist Diether Dehm dann übrigens wieder voll im Wahlkampfmodus und „wieder mehr in der Thematik“. Fehler passieren, gibt er betont cool zu und meint: „Wäre ich bei extra3 hätte ich es auch veröffentlicht, ich gratuliere ihnen dafür.“ Seinem Team gehöre dafür natürlich „eine auf den Deckel.“

Auch wenn der Bundestagsabgeordnete es vielleicht anders sieht, hat der Wahlkampf in Deutschland längst begonnen und wir können auf die wirkliche Kampagne von die Linke gespannt sein. Dieser nicht autorisierte Post war schon mal ein amüsanter Vorgeschmack.