Das denken junge Menschen in Frankreich über den Wahlausgang

Sind junge Französ*innen mit dem Wahlergebnis zufrieden? Und was erwarten sie von Macron? Wir haben uns am Tag nach der Wahl in Paris umgehört.

Junge Pariser*innen erzählen, was sie vom Wahlergebnis halten. © ze.tt

Loïc (28)

Loïc, 28 Jahre © ze.tt

„Es hat mich nicht sehr überrascht, dass Macron Präsident geworden ist. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich fürchte aber, dass er in den nächsten fünf Jahren kaum etwas wird verändern können und dass Le Pen dadurch noch mehr Unterstützung in der Bevölkerung bekommen wird.“

Alexandre (22), Aurelie (26), Amelie (28)

Alexandre , Aurelie und Amelie (von links nach rechts) © ze.tt

„Wir waren weder für Macron noch für Le Pen, mussten also zwischen Pest und Cholera entscheiden. Wir finden es skandalös, dass die vielen Nichtwähler im Endergebnis nicht berücksichtigt werden. Würde man das tun, hätte Marine Le Pen nur 22 Prozent und Macron 44 Prozent der Stimmen erhalten. Wir glauben nicht, dass Macron in den kommenden fünf Jahren etwas verändern wird. Er war ja schon Wirtschaftsminister und wird sich wahrscheinlich auch jetzt eher um die Unternehmen als um die Bürger kümmern.“

Amina (34)

Amina, 34 Jahre © ze.tt

„Es ist sehr traurig, dass Macron national gesehen nur 66 Prozent geholt hat. Das ist eigentlich zu wenig. Aber ich bin froh, dass er eine so große Unterstützung in Paris hat. Bisher weiß man zu wenig darüber, mit wem Macron regieren wird. Deshalb ist jetzt noch nicht abzusehen, ob er ein guter Präsident wird.“

Marie (22)

„Ich bin super zufrieden damit, dass Marine Le Pen nicht zur Präsidentin gewählt wurde. Macron mag ich als Typ auch gerne und ich finde es gut, dass er sowohl rechte als auch linke Ansichten vertritt und daraus eine hoffentlich objektive Stimme in der Mitte bildet. Aber was er bewirken wird, kann ich noch nicht einschätzen. Da würde ich die Parlamentswahl abwarten und erst mal schauen, wer in die Ministerien kommt.“

Damien (25)

Damien, 25 Jahre © ze.tt

Eigentlich war das Ergebnis vorhersehbar. Ich selbst habe aus moralischer Verpflichtung abgestimmt, gegen den Front National. Man hatte nicht wirklich eine Wahl. Von Macron erwarte ich nichts Großes, ganz ehrlich. Ich denke nicht, dass er viel verändern kann, seine Partei ist so jung und klein, dass sie nichts durchsetzen kann. Ich warte jetzt mal die Parlamentswahl in fünf Wochen ab.

Lorena (21)

Lorena, 21 Jahre © ze.tt

„Ich erwarte nichts mehr von der Politik im Allgemeinen. Ich fühle mich nicht repräsentiert. Ich bin aber zufrieden mit dem Wahlergebnis. Ich bin froh, dass die Rechtsextremen es nicht geschafft haben. Ich glaube nicht, dass sich irgendetwas für das französische Volk in den nächsten fünf Jahren ändern wird. Ich hoffe für mich persönlich, dass Macron sich für Frauenrechte und die Umwelt einsetzt.“

Joachim (27)

Joachim, 27 Jahre © ze.tt

„Ich wollte ja wählen gehen, aber musste arbeiten und war demotiviert. Das entschuldigt nichts, aber es sind ja viele nicht wählen gegangen. Ich bin sehr zufrieden, dass es nicht Le Pen geworden ist. Ich erwarte von Macron nicht so viel, weil ich glaube, dass er alleine nicht viel ausrichten kann. Ich warte jetzt mal auf die Parlamentswahl im Juni. In der ersten Wahlrunde habe ich für Hamon von den Sozialisten gestimmt, aber der hat es nicht weit gebracht.“

Laetitia (26)

Laetitia, 26 Jahre © ze.tt

„Ich habe Macron gewählt. Es ist eine historische Wahl, ich war sehr gerührt von den Resultaten. Ich war sehr erleichtert, dass er mehr als 60 Prozent bekommen hat, weil ich wirklich Angst hatte, dass es Le Pen wird. Im ersten Wahlgang habe ich Hamon gewählt und hätte ihn auch wieder gewählt, wenn er in die Stichwahl gekommen wäre. Macron wird es nicht leicht haben, er erbt allen Mist, den ihm Hollande hinterlassen hat. Ich denke nicht, dass er die Welt verändern wird. Und er wird viele Politiker im Nacken sitzen haben.“

David (24)

David, 24 Jahre © ze.tt

„Ich habe gestern gewählt, für Macron. Ich bin sehr erleichtert, wie wir alle. Wir waren mit zwei so unterschiedlichen Bewegungen konfrontiert und zwei unterschiedlichen Visionen für Frankreich. Ich fühle mich europäisch und bin erleichtert, weil die richtige Vision gewonnen hat. Ich habe auch im ersten Wahlgang für Macron gestimmt, sein Programm hat mich überzeugt. Bis jetzt war immer eine Partei mit ihren Ideen da, er hat sich hingegen die besten Ideen aller genommen. Die Aufgabe für Macron ist nun riesig, weil die Französinnen und Franzosen große Wut in sich tragen, auch was die Arbeitslosigkeit anbelangt. Wenn er das Sozialsystem aufmöbelt und die Wirtschaft ankurbelt, dann sehe ich das alles positiv.“


Wir danken unseren beiden Dolmetscherinnen Maria Butzke und Kim Dana Isl.