Das denken Lehrer*innen auf Klassenfahrt wirklich

Du dachtest immer, Klassenfahrten wären bloß für groben Unfug da und um einfach eine tolle Zeit zu haben? Tja. Es gibt auch Menschen, die sie fürchten: deine Lehrer*innen.

Lehrer sind auch mal genervt

Lehrer sind auch mal genervt. Und zwar ordentlich! © getwhatyoucan / photocase.de

Die Sommerferien stehen vor der Tür, die Zeugnisse sind quasi fertig, alle Elterngespräche geführt. Eigentlich könnten Lehrer*innen aufatmen – wäre da nicht noch dieses monströse, angsteinflößende, schwarze Etwas. Diese eine Woche im Kalender, bei deren Anblick alle Nerven-Enden im Gesicht nervös zucken: KLASSENFAHRT.

Angst
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Dieses Ereignis, das alle Lehrer*innen mehr fürchten als Unterrichtsbesuche vom Chef, einen Haufen Klassenarbeiten, der bis morgen korrigiert sein muss und stundenlange Elternabende zusammen.

So geht es Lehrer*innen auf Klassenfahrt:

Der Abend davor

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Leise wimmernd packst du deine Klamotten in den Koffer. Schaust dich in der Wohnung um. Verabschiedest dich von der Stille, die du eine Woche lang nicht mehr haben wirst. Konkrete Fluchtgedanken kommen auf.

Den Schüler*innen hast du natürlich Handy, Nintendo, Tablet & Co. für die Klassenfahrt strengstens verboten. Für dich selbst hingegen ziehst du noch schnell staffelweise Serien aufs iPad. Like a boss! Und weil du sonst nicht überleben würdest.

Die Ankunft

Aufgeregte Kids
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Kaum in der Unterkunft, hast du einen wimmelnden Haufen um dich, der kreischend darum feilscht, wer mit wem in ein Zimmer kann. Was mit der Einteilungsliste, die du und die Kollegen vorab erstellt habt, leider so gar nicht konform geht.
„Isa, Lisa, Lena, Selina, Nina… boah, ernsthaft jetzt?“
„Und Beate.“
„Ach ja. Noch mal gerettet.“
Nach konstruktiver Diskussion, Berücksichtigung sozialer Aspekte und vermeintlicher Abwägung eingebrachter Schülerargumente kommst du dann zu der einzig fairen Lösung:
„Aber Frau W., warum muss ich denn mit dem…“
„DARUM!“

Die Schlafenszeit

Schüler*innen
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28 Betten sind bezogen, 27 Koffer ausgepackt (nur der eigene noch nicht), alle Schüler sind gemästet und gesäubert. Jetzt müssten sie nur noch in ihren Zimmern bleiben. Haha. Jeden Abend rennst du deinen mediensüchtigen Pubertätslemmingen auf Entzug hinterher und weist sie mit krächzender Stimme zurecht.

Und während du überlegst, dass es irgendwie widersprüchlich wirkt, den Satz „JETZT IST ABER VERDAMMT NOCH MAL RUHE HIER!“ durch die Flure zu brüllen, erlaubst du zum 15. Mal, dass ein Kind „noch ganz dringend“ auf Klo muss. Puh.

Das Frühstück

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Als Lehrer*in hast du auch am hart umkämpften All-Your-Schüler-Can-Eat-Buffet natürlich absolute Vorbildfunktion. Während du dir also selbst ein dunkles Vollkornbrot mit körnigem Frischkäse schmierst, ein paar Radieschenscheiben und Sprossen darauf verteilst, blinzelst du heimlich neidisch auf die Nutellabrötchen deiner Schüler. Nebenbei musst du natürlich auf die Einhaltung der Tischregeln bestehen.

„Hannes, was gilt bei ‚Kippeln auf dem Stuhl‘?“
„Bumsen ist verboten!“

Und du denkst: „Wenn Gott gewollt hätte, dass ich je eigene Kinder bekomme, hätte er mich niemals auf Klassenfahrt geschickt.“

Die Privatsphäre

Privatsphäre
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Ein Leben aus der Kulturtasche. Morgens schaufelst du dir schnell eine Ladung Wasser ins Gesicht und tunkst die Finger mal eben in die Creme. Noch mit der Zahnbürste im Mund vernimmst du erste Lebenszeichen auf dem Flur, zwei Sekunden später ein Klopfen, eine Sekunde später steht ein Schüler im Zimmer und sagt, dass er am zweiten Tag keine frische Unterhose mehr hat.

„Hast du schon mal was von ‚Privatsphäre‘ gehört?“
„Mhm, denke schon, aber so einen Quatsch glaube ich nicht.“

Die sanitären Anlagen

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Abends wartest du, bis sämtliche Schüler in der Herberge die Etagenwaschräume benutzt haben, bevor du dich selbst zum Duschen dorthin traust. Du watest durch knöcheltiefen Schaum auf überfluteten Fliesenböden, stehst dann erschöpft unter dem Duschstrahl und versuchst, dich mit dem tröpfelnden, kalten Rinnsal einigermaßen wieder herzustellen. Vergeblich.

Göttlich sind hingegen die Minuten auf dem Lehrerklo! Das ist nämlich die einzige Zeit, in der du wirklich mal deine Ruhe hast. Na ja. Bis einer klopft und sagt, dass Leon unterm Bett fest steckt, weil er versucht hat, an die Chipstüte zu kommen.

Die Nennung deines Namens

Angela Landsbury
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Zu oft. Zu häufig. Ohne Unterlass. Egal wo und wann. In allen Tonlagen und Lautstärken. Du beginnst, ihn zu hassen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel

Busfahrer
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Diese gequälten Blicke, die verkniffenen Mienen, das vorwurfsvolle Schimpfen – du vernimmst diese kleinen „Orrrs“ der anderen Fahrgäste sofort, wenn du mit einer Schulklasse in einen öffentlichen Bus steigst.

In Sekundenschnelle verteilen sich die Schüler auf die freien Plätze, du hievst dein Rollstuhl-Kind über die Rampe und schüttelst den Kopf über eine alte Dame, die mit ihrem Gehstock fuchtelnd den freien Raum für Rollstühle verlassen muss. Tja nun.

Mit massig Fahrkarten und Ausweisen in der Hand kämpfst du dich nach vorne, der genervte Busfahrer winkt dich einfach durch und du versuchst, die Lautstärke der Gespräche zu regulieren.

„So eine Scheiße!“
„Na, na, na! Wie heißt das richtig?“
„FUCK!“

Nur noch drei Stationen.

Schlaf

Schlaf
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Ahahahaha. Was?

Der letzte Abend

Wifi
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Ich: „Du…“
Kollegin: „Mhm?“
Ich: „Morgen um die Zeit…ne?“
Kollegin: „Ja?“
Ich: „Da haben wir Ruhe.“
Kollegin: „Oh ja. Und ein eigenes Bett.“
Ich: „Oh ja. Und Privatsphäre.“
Kollegin: „Oh ja. Und keine Etagendusche.“
Ich: „Oh ja. Und WLAN.“
Kollegin: „OH JA.“

Heimkommen

Koffer
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„Oh, Frau W., Ihr Koffer ist aber schwer!“
„Ja, da ist mein Schlafdefizit drin.“

Danach erntest du mitleidige Blicke der Eltern, die tiefenentspannt nach einer Woche sturmfrei ihre Kinder wieder in die Arme schließen, während du selbst dir Mühe geben musst, noch aufrecht zu stehen.

Irgendwann passiert dann das Unfassbare. Du bist zu Hause. Du bist im Schlafzimmer. Da steht nur EIN großes Bett. Ganz für dich allein. Und es ist dir egal, was die Nachbarn denken, wenn du dich mit einem leicht pornösen Stöhnen in die Decken und Kissen fallen lässt.

Und wenn dich am Montag darauf die Schüler fragen: „Frau W., fahren wir nächstes Jahr wieder auf Klassenfahrt?“, dann antwortest du:

Nope
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