Das erhoffen sich drei junge Teilnehmer vom Pariser Klimagipfel

Seit heute verhandeln 80 Staatschefs und Diplomaten aus über 190 Ländern auf dem Weltklimagipfel in Paris (COP 21). ze.tt ist dort und hat zwei junge Teilnehmerinnen und einen Teilnehmer gefragt, was sie sich vom Klimagipfel erhoffen.

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Demonstranten am 29. November in Paris © Florian David/AFP/Getty Images

Sebastian Duyck, Frankreich

Sebastian stammt aus Frankreich und arbeitet in Bern beim Center for International Environmental Law. „In Paris geht es vor allem darum, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren“, sagt er.

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Schon im Vorfeld haben etwa 170 Länder ihre Klimaschutzpläne für 2030 eingereicht. Diese Pläne werden die Grundlage des Pariser Abkommens bilden. Es sei gut, dass so viele Länder schon im Vorfeld konkrete Ziele formuliert haben, meint Sebastian. Das Problem aber sei, dass sie nicht ausreichen würden, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Deshalb hält er den sogenannten Ambitionsmechanismus für so wichtig. Dieser Mechanismus sieht vor, die Klimaschutz-Ziele der einzelnen Länder alle fünf Jahre zu überprüfen und gegebenenfalls zu verschärfen. Unzureichende Ziele könnten mit der Zeit angepasst werden – zum Beispiel weil Erneuerbare Energien billiger geworden sind. „Dazu brauchen wir eine konkrete langfristige Vision,“ fordert Sebastian. Den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energieträgern vertraglich festzuschreiben wäre zum Beispiel ein wichtiges Signal.

Pari Trivedi, Indien

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Für Pari aus Indien geht es in Paris um „Adaption“ und „Loss & Damage“, wie es im Konferenzsprech heißt. „Adaption“ bedeutet, dass sich Länder und Menschen an den Klimawandel anpassen – zum Beispiel mit Saatgut, das auch in Dürrezeiten noch wächst.

Bei „Loss & Damage“ geht es darum, Menschen bei irreparablen Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Dazu zählt zum Beispiel, wenn Bewohner von Inselstaaten wegen des steigenden Meeresspiegels ihre Heimat verlieren. In Paris geht es unter anderem darum, Maßnahmen ins Leben zu rufen, die diesen Menschen helfen.

„Es gibt nichts, was mir mehr Freude bringt, als die Stimmen dieser marginalisierten Menschen auf die Konferenz zu bringen und ihren Anliegen Gehör zu verschaffen,“ sagt Pari. Vor allem die Industrienationen will er mit seiner Botschaft erreichen.

Sohara Mehroze Shachi, Bangladesch

Sohara
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Sohara studiert an der Yale Universität und ist aus Bangladesch nach Paris gekommen. Sie interessiert sich vor allem für Klimafinanzierung. „Vielen Ländern wie Bangladesch fehlt sowohl das Geld für Klimaschutz als auch das Geld für Anpassung an den Klimawandel,“ sagt sie.

Vom Klimagipfel in Paris erhofft sie sich, dass die Industrieländer ihr Versprechen einhalten, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Euro bereitzustellen. Das Geld soll in den Green Climate Fund fließen, der Ländern wie Bangladesch hilft, das Klima zu schützen und auf Erneuerbare Energien zu setzen. Der Fond soll außerdem den Menschen helfen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Sohara hat bereits mit dem Green Climate Fund, einer Initiative der Vereinten Nationen, zusammengearbeitet. „Das sind ganz praktische Projekte“, erzählt sie. „In Bangladesch haben wir durch den Klimawandel riesige Probleme. Viele Häuser werden bei Unwettern einfach weggespült. Die betroffenen Menschen erhalten Hütten oder Häuser, die stabiler sind.”

Kritik hat Sohara dennoch: Die Klimafinanzierung sei für Entwicklungsländer viel zu bürokratisch. Viele Entwicklungsländer hätten keinen Zugang zu den Geldern, weil die Bewerbungsverfahren zu kompliziert sind. „Am Ende müssen diese Länder dann teure Beraterfirmen aus westlichen Ländern bezahlen, um sich für das Geld zu bewerben. Das hat natürlich keinen Sinn. Paris muss das Geld liefern, aber es auch wirklich für Entwicklungsländer zugänglich machen“, fordert Sohara.

Offenlegung: Andreas Sieber wird von „Global Call for Climate Action“ (GCCA) mit einem „Climate Tracker Stipendium“ gefördert. Die GCCA ist ein internationaler Zusammenschluss mehrerer NGOs, Think Thanks und Stiftungen.

Mehr über den Klimagipfel in Paris erfahrt ihr bei den Kolleginnen und Kollegen von ZEIT ONLINE.