Das ist das erste schwarze Karnevalsprinzenpaar

Zwischen Rassismus und Frohsinn: Samuel und Jacinta Awasum wollen dieses Jahr ein Zeichen für Integration von Menschen mit Migrationshintergrund setzen.

Prinz Samuel I. und Prinzessin Jacinta I. von Ratingen © dpa

Der Karneval ist eine urdeutsche Tradition. Doch in diesem Jahr will der Karnevalsausschuss in Ratingen, Nordrhein-Westfalen, ein deutliches Zeichen für Integration setzen. Erstmals in seiner Geschichte wurde dort ein schwarzes Prinzenpaar gekürt. Und zwar ganz bewusst. „Samuel Awasum kämpft seit Jahren gegen Rassismus und Diskriminierung“, teilte der Karnevalsauschuss mit.

Samuel und Jacinta Awasum leben seit 2002 in Deutschland, beide stammen aus Kamerun. Das Paar hat zwei Kinder, Vater Samuel ist seit 2008 Deutscher, arbeitet als Wirtschaftsinformatiker und ist Vorsitzender des Ratinger Integrationsrats. „Es ist eine unfassbare Ehre für mich“, sagte Samuel Awasum bei der Wahl im September. Für die Dauer des Fests heißen die beiden Samuel I. und Jacinta I.

Ein Beitrag zur Integration

Nach ihrer Wahl trafen sie Kanzlerin Angela Merkel. Sie schenkten ihr Altbier und hängten ihr einen Orden um den Hals. „Das Gespräch mit ihr dauerte gefühlte 15 Sekunden“, sagt Samuel der taz. „Aber ich glaube, unsere Botschaft ist angekommen. Sie hat gesagt: Schön, dass ihr das macht. Macht weiter so.“

Von dem Treffen gibt es ein Video, das mit dem rassistischen Titel „Angela Merkel trifft sich mit dem bunten Neger Prinzenpaar aus Ratingen“ auf YouTube hochgeladen wurde. Solche Momente verlangten den beiden einen ziemlichen Spagat ab: Sie müssen sich rassistische Sprüche anhören und gleichzeitig Frohsinn verkörpern. „Ich bekomme davon nichts mit. Und wenn schon“, sagt Jacinta. Samuel könne sich vorstellen, dass Menschen anderer Meinung seien. „Karneval ist deutsches Brauchtum und es gab noch nie ein schwarz­afrikanisches Prinzenpaar.“

Die Awasums sehen sich für die Dauer des Karnevals nicht als naive Galionsfiguren eines Marketinggags, sondern betrachten ihre Regentschaft als Beitrag zur Integration, wie Samuel der taz erzählte: „Wenn wir hier jahrzehntelang leben wollen, können wir uns nicht raushalten.“

Samuel und Jacinta Awasum in ihren traditionellen Kostümen. © dpa

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