Das passiert, wenn Russlands Jugend gegen Korruption protestiert

In Russland fanden am Wochenende Proteste gegen Ministerpräsident Dmitri Medwedew statt. Die Polizei nahm Hunderte Menschen fest.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew lässt es sich offenbar ziemlich gut gehen. In einem schnöseligen Bergdorf besitzt er ein Haus mit Badelandschaft, auf dem Land einen Gutshof, in der Toskana mehrere Weinberge und wohl auch zwei Yachten. Nicht alle diese Besitztümer soll sich Medwedew auf legalem Wege angeeignet haben – das zumindest behauptet der russische Oppositionspolitiker Alexei Nawalny in dem Dokumentarfilm Nennen Sie ihn nicht Dimon. Der Film ist seit Anfang März auf YouTube auch mit englischen Untertiteln online.

Die Korruptionsvorwürfe motivierten am Wochenende Tausende Menschen in mehreren großen Städten in Russland zu friedlichen Demonstrationen. Auf der zentralen Twerskaja-Straße in Moskau kamen nach Polizeiangaben bis zu 8.000 Menschen zusammen, wie Tagesschau berichtet. In Sankt Petersburg sollen 4.000 Demonstrant*innen auf die Straße gegangen sein. Viele Demonstrant*innen hatten sich grüne Farbe ins Gesicht gemalt. Dabei handelte es sich um Solidaritätsbekundungen für Nawalny, der kürzlich mit grüner Farbe beworfen worden war.

Die Kundgebungen waren vorab verboten worden, die Polizei hatte ein hartes Vorgehen gegen die Demonstrant*innen angekündigt. Laut Welt sind allein in Moskau circa 500 Menschen festgenommen worden. Teilweise soll es zu kleinen Auseinandersetzungen mit den Beamten gekommen sein.

Das US-Außenministerium verurteilte die Festnahme der friedlichen Demonstrant*innen und bezeichnete sie als „Affront gegen demokratische Werte“. Auch die EU forderte in einem Statement die sofortige Freilassung der Verhafteten.

Oppositionsführer Alexei Nawalny war noch auf dem Weg zur Demo in Moskau an einer U-Bahnstation festgenommen worden. Er soll im Laufe des Montags einem Richter vorgeführt werden, berichtet Deutschlandfunk. Der Oppositionsführer steht immer wieder vor Gericht – zuletzt gemeinsam mit seinem Bruder in einem großen Prozess wegen Betrugs. Dabei wirft Nawalny der russischen Regierung Einflussnahme vor: Man wolle ihn an seinem Vorhaben hindern, 2018 für das Präsidentenamt gegen Putin zu kandidieren.

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