Das sagen junge muslimische Menschen in den USA jetzt

Am Freitag hat US-Präsident Donald Trump verordnet, dass Bürger*innen aus sieben Ländern in den nächsten 90 Tagen nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Mit dem Irak, Iran, Libyen, Somalia, Syrien, Sudan und Jemen richtet sich das neue Einreiseverbot gegen Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung.

"Dies ist eine Zeit abgrundtiefer Angst und Unsicherheit", sagt Mohamad in New York. © ze.tt

An den US-amerikanischen Flughäfen wurden dieses Wochenende bereits Reisende mit gültigem Visum zurückgewiesen. Von dem Dekret könnten aber auch Wissenschaftler*innen, Studierende sowie Einwohner*innen mit Green Card und doppelter Staatsbürgerschaft betroffen sein.

Die Maßnahme soll nach Trumps Angaben vor Terror schützen und der amerikanischen Bevölkerung Sicherheit gewähren. Jene zeigt sich jedoch zum großen Teil bestürzt von dem Entschluss des Präsidenten, wie seit Samstagmittag andauernde Demonstrationen im ganzen Land offenbaren.

Wir haben junge Menschen mit muslimischem Hintergrund in den USA gefragt, wie sie über die Vorfälle am Wochenende denken.

Mohamad, 25:

Mohamad. Foto: ze.tt

Es ist schwierig, genau auszudrücken, was Trumps jüngste Flut an Rechtsverordnungen bedeutet, persönlich oder politisch, ohne dabei ungenau oder schwammig zu wirken. Unabhängig davon, was irgendjemand sagen oder schreiben wird, die Wahrheit ist, dass sich das Leid auf noch viel tiefgreifendere und brutalere Weise auf die Menschen ausweiten und sie anstecken wird. Schon jetzt werden Einzelne mit Studentenvisum und legale Einwanderer an den Flughäfen abgewiesen, während die Gesundheitspflegekosten für die große Mehrheit der Amerikaner steigen wird. Und es wird noch schlimmer.

Dies ist eine Zeit abgrundtiefer Angst und Unsicherheit, was an den fast chaotischen Antworten derjenigen am deutlichsten wird, die es sich vornehmen, sich gegen Trump und seine Befürworter*innen zur Wehr zu setzen. Sehr bald könnte diese Angst zur neuen Normalität werden. Ich bin Immigrant und Kind von Immigrant*innen. Ich habe Geschwister, wir alle sind arabisch und muslimisch. Wir haben Angst, aber wir verstehen, dass wir zumindest amerikanische Staatsangehörige sind. Leider ist einfach nicht klar, ob das eine Rolle spielen wird. Ob unsere ethnischen und religiösen Hintergründe tatsächlich Grund genug sein werden, die Tatsache zu übersehen, dass wir gesetzlich von der amerikanischen Verfassung geschützt sind. Diesen Gedanken jetzt noch eine optimistische Wende anzuhängen, wäre unaufrichtig von mir, also belasse ich es dabei.

Aminata, 17:

Ich fühle einen unermesslich großen Verrat angesichts der Verordnungen des Präsidenten. Die Tatsache, dass diese so ohne Weiteres ins Leben gerufen werden konnten, beinahe über Nacht, lässt mich so viel weniger überzeugt sein vom Rechtssystem und von seiner Funktion.

Aminata. Foto: privat

Die Launen ein paar Weniger könnten die Leben von so Vielen kontrollieren und die Konsequenzen davon werden ganz unten auf jeder Ebene gespürt. Die Verordnungen sind abscheulich und nicht im geringsten verborgen, und sie sind absolut nichts weniger als gezielt und gewaltsam gegen Minderheiten gerichtet. Aus dem Stegreif könnte ich eine ganze Anzahl von Leuten nennen, die ich kenne und die ohne Staatsbürgerschaft in den USA leben. Und die Tatsache, dass jene aus dem Leben, das ihnen bekannt ist und in dem sie sich wohlfühlen, herausgerissen werden könnten, ist schrecklich. Das Wichtigste, das jetzt jeder tun kann, ist, sicherzugehen, dass es den eigenen Nachbar*innen gut geht, und sich innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu organisieren, um Zugangsmöglichkeiten zu Hilfsmitteln zu schaffen, die trotz und gerade aufgrund der letzten Ereignisse wichtig sind.

Gbolahan, 25:

Gbolahan. Foto: privat

Ich bin aus Nigeria in die USA eingewandert. Meine Familie kam hierher, als ich acht war. Mittlerweile besitze ich, im Gegensatz zu meinen Eltern, die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Vor ein paar Jahren sind meine Eltern, noch bevor sie die Staatsbürgerschaft erhalten konnten, zusammen mit einer meiner Schwestern wieder zurück nach Nigeria gezogen.

Mit meinen Schwestern habe ich schon über die sehr reale Gefahr gesprochen, dass Nigeria, ein Land mit einer etwa 41% muslimischen Bevölkerung, eines Tages die Zielscheibe von Trumps Politik werden könnte. Es bereitet mir Sorgen, dass meine Eltern – einer von ihnen Muslim – mich womöglich irgendwann nicht mehr besuchen können. Genauso könnte es vielen anderen Einwandererfamilien auch ergehen, so wie es jetzt schon denen geschieht, die aus Ländern kommen, die von Trumps neuesten Beschlüssen betroffen sind. Deshalb ist es jetzt für uns alle überall auf der Welt wichtig, uns diesen Anweisungen so gut es geht zu widersetzen.

Kadiatou, 17:

Meine engere Familie ist von den Verordnungen noch nicht betroffen, aber meine größten Ängste richten sich auf die Implikationen des Dekrets.

Kadiatou. Foto: privat

Mein Vater besitzt eine Greencard, aber er lebt und arbeitet in einem mehrheitlich muslimischen Land. Es gehört nicht zu den Ländern, die der Erlass der gegenwärtigen Regierung nennt, aber die Vorstellung, dass noch mehr Länder hinzukommen könnten, oder einfach nur die weitere Dämonisierung der Muslime insgesamt, macht mich wütend und lässt mich um die Sicherheit meiner Familie bangen.

Ich denke, dass Trumps Anweisungen nicht nur verfassungswidrig sind, sondern außerdem auf die größten Ungleichheiten hinweisen, die in unserem Land immer noch vorhanden sind. Als amerikanische Bürger*innen müssen wir damit anfangen, unsere Regierung für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen, oder politische Verordnungen wie diese werden unvermeidbar.

Außerdem auf ze.tt