Das sagt ihr zur Ehe für alle

Heute hat der Bundestag beschlossen, dass die Ehe für alle kommt. Was sagt die ze.tt-Community dazu?

© katdoubleve / photocase.de

Wir haben auf Facebook gefragt, was ihr zur Ehe für alle sagt. Hier sind einige der Antworten. Postet eure Meinung in die Kommentare unter diesem Artikel oder schickt uns eine Mail an community@ze.tt.

Johanna Andarnil Schlitzkus

„Ich habe vor fast 20 Jahren die Frau meines Lebens kennen gelernt, kurz danach hat sie mich gefragt (sie hat vor mir gekniet, ganz romantisch <3), ob ich sie heiraten will. Und ich sagte ja. Vor 15 Jahren haben wir uns eintragen lassen. Vor fast zehn Jahren lernten wir den Papa unserer Tochter kennen. Durch ihn haben wir ein wundervolles Kind zur Welt gebracht. Mittlerweile bin ich fast 52 Jahre alt und ich liebe meine Frau noch genauso wie am ersten Tag. Ich wünsche uns nichts sehnlicheres, als dass ich ihr endlich mein Ja-Wort gebe. Sie ist die Liebe meines Lebens vom ersten Augenblick an, als ich sie sah. Und sie hat mir das größte Geschenk gemacht, sie hat mich zur Mutter gemacht, indem sie unser Kind geboren hat. Wir brauchen keinen Traualtar, das einzige was wir brauchen ist die rechtliche Annerkennung unserer Ehe. Ich möchte sie heiraten und mit ihr zusammen sein, bis dass der Tod uns scheidet.“– via Facebook

Stefan Ko

„Leben und leben lassen: Wenn sich zwei Menschen lieben, sollen sie auch heiraten dürfen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei dem Paar um zwei Männer oder zwei Frauen handelt.“ – via Facebook

André

„Meinen Mann und mich freut es sehr, dass dieser Freitag wahrscheinlich die endgültige Gleichstellung bringen wird, auch wenn ich nicht gern den Tag vor dem Abend lobe. Die Kehrtwende der Kanzlerin kommt für mich eher aus taktischen Gründen. Da wollte jemand ganz nebenbei ein unangenehmes Thema für den Wahlkampf aus dem Weg räumen. Außerdem glaube ich, dass Frau Merkel persönlich eigentlich schon seit längerem nichts gegen die Ehe für alle hatte, nur wollte sie bisher das konservative Klientel ihrer Partei wohl nicht vergrätzen. Der Dank, dass es nun endlich dazu kommt, gebührt aus meiner Sicht jedoch den Grünen und insbesondere Volker Beck, der erst seine Partei und dann auch FDP und SPD mitgezogen hat. Aber es war auch mutig von der SPD in dieser letzten Sitzungswoche auf das Gaspedal zu drücken. Ich hoffe, es zahlt sich aus.

Wir bekommen nun endlich die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare. Es geht um das Prinzip, gar nicht mal wie wir unsere Beziehung sehen. Ich bin bereits seit 2014 mit meinem Mann verpartnert, auch wenn wir diese Vokabel nie benutzen. Für uns war es auch damals schon eine Hochzeit und seitdem bezeichnen wir uns als verheiratet. Aber wir können dann endlich frei heraus und nach Recht und Gesetz sagen: „Das ist mein Ehemann.“ Und sobald es möglich ist, werden wir unsere eingetragene Lebenspartnerschaft sicherlich umschreiben lassen, damit dann auch wir eine Eheurkunde besitzen.“ – via E-Mail

Suse Ue

„Ist mir vollkommen wumpe, wer mit wem was macht. Das sagt nichts über den Charakter oder die Persönlichkeit des Menschen aus. Das sagt auch nichts über ihre Gesundheit aus oder ob sie gute Eltern sind. Es sagt einfach nur, dass zwei Menschen sich lieben und gerne ihr Leben miteinander teilen möchten. Und das ist doch voll okay. Und an die Christen unter uns: Wenn Gott es so schlimm gefunden hätte, dass sich gleichgeschlechtliche Paare entwickeln, hätte er es in die zehn Gebote schreiben lassen. Hat er aber nicht. Stattdessen steht da was von kein Neid, nicht morden, Mutti und Papa ehren, nicht stehlen, nicht lügen, et cetera. Demnach wäre er also mehr davon gefrustet, wenn ihr neidisch auf das neue Auto eurer Nachbarn seid, als davon, dass eure Nachbarn eventuell erfolgreiche, homosexuelle Geschäftsleute sind.“ – via Facebook

Andy

Was die Ehe für Alle für mich bedeutet? Sie bedeutet für mich den Fall der letzten Mauer. Der Mauer der ewigen Diskriminierung. Seit sechs Jahren, also mit 16 wusste ich dass ich schwul bin. Seit gut fünf Jahren kämpfe ich gegen die Diskriminierung und nun, dank einer unglücklich schlechten Ausdrucksweise von Angie, wird es vermutlich möglich. Ich darf meinen Freund heiraten. Viel wichtiger aber ist, dass wir endlich Kinder haben dürfen und ihnen ein besseres Zuhause bieten können. Auch wenn es viele nicht glauben wollen. – via E-Mail

 

Freitag könnte der Bundestag die Ehe für alle beschließen. Freust du dich? Bist du dagegen? Bist du in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung und willst heiraten? Wir freuen uns, von dir zu hören.

Posted by ze.tt on Thursday, June 29, 2017

Coco Meyer

„Ist zwar sicher bedeutsam und wichtig. Aber bei der aktuellen weltpolitischen Lage und kurz vor der BTW habe ich eher das Gefühl, das ist ein Ablenkungs- und Beruhigungsmanöver … Ich bin dafür. Jedoch: Anlässlich extrem aktueller und brisanter europa- und deutschlandpolitischer Themen empfinde ich das Ganze zumindest als befremdlich.“ – via Facebook

Angus Minert

„Ehe für alle bedeutet für mich, dass ich eine Entscheidung treffen soll, die mich einen Dreck angeht. Ich bin hetero und schon verheiratet, hab ich das Recht das jemand anderem zu verbieten? Nein! Die Frage sollte gar nicht erst gestellt werden, wer sich liebt soll zusammen Leben. Was ist da so schwer dran?“  – via Facebook

Michelle Kreisig

Die Ehe für alle ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt unserer Gesellschaft, um das Recht des einzelnen gleich zu stärken. Sie ist ein Rückgewinn von Freiheit, vor allem der Freiheit, sich und seine Persönlichkeit frei zu entfalten, frei zu sein, um wahrhaftig lieben zu können. Liebe ist das Beste, was wir tun können. Sie ist wunderschön, facettenreich und einzigartig. Und wenn wir ehrlich sind, so können wir nicht zu selten von homosexuellen Pärchen neu lernen, was es bedeutet, wahrhaftig zu lieben. Denn wessen Liebe ständig mit so viel Hass, Unverständnis und Widerstand konfrontiert ist – und all das kämpferisch übersteht, gemeinsam und zusammen – dessen Liebe ist wahrhaftig – und sollte das Recht und die Freiheit haben, mit dessen höchsten Ritterschlag geehrt zu werden: der Ehe – via E-Mail

Marco Illiw

„Ganz ehrlich. Ich bin kein großer Freund davon. Wenn ich zwei küssende Männer sehe, wird es mir anders. Aber ich bin ein toleranter Mensch und lasse jeden leben wie er möchte, solange keine Dritten darunter leiden. Gleiche Rechte und Pflichten daher für alle, die den lebenspartnerschaftlichen Bund eingehen möchten.“ – via Facebook

Denise

Seit Jahren setze ich mich gegen Vorurteile gegenüber anderer Sexualitäten ein und unterstütze auch die Umsetzung der Ehe für alle. Noch ist es nicht entschieden, dass morgen die Tagesordnung geändert und tatsächlich darüber abgestimmt wird, und diese Abstimmung dann positiv für die Gleichberechtigung ausfällt, jedoch sind meine Hoffnungen dafür groß.
Seit ich zum Wählen berechtigt bin, war die CDU nie eine Option für mich. Einerseits weil sie sich so entschieden gegen die Gleichberechtigung nicht-heterosexueller Paare stellt und andererseits, weil sie an der Vermischung von Religion und Staat festhält.

Einen Punkt davon werden sie vermutlich bald ausradiert haben, jedoch hoffe ich, dass sich die Wähler*innen nicht davon täuschen lassen, die CDU habe ihre Grundhaltung geändert. Es war sehr wohl ein Kalkül Merkels die Abstimmung vor der Wahl freizugeben und ebenso, es dann als Schock darzustellen, dass die Abstimmung so zügig voranschreitet und die SPD daraus ein Thema von „Parteitagsbeschlüssen und plakativen Dingen“ mache. Sollte morgen die Ehe für alle beschlossene Sache werden, werde ich mich mit allen Menschen freuen, die endlich zumindest in der Ehe gleichberechtigt behandelt werden. – via E-Mail

 

Außerdem auf ze.tt