Das Traumschiff ist jetzt eine schwimmende Uni für reiche Kids

Vier Monate auf einem Luxusdampfer um die Welt reisen und dafür Credit Points bekommen? Klingt nach einer feinen Sache – ist aber teuer und macht vermutlich weniger Spaß, als der Veranstalter behauptet.

© Carl Court/AFP/GettyImages

2012 war die MS Deutschland noch als TV-Traumschiff unterwegs. Jetzt ist sie eine schwimmende Uni. © Carl Court/AFP/GettyImages

Kennt noch wer „Das Traumschiff“? Das ist diese unsägliche ZDF-Sendung, in der abgehalfterte Schauspieler hanebüchene Feel-Good-Storys runterspielen. Zu Weihnachten hat sich etwas Gravierendes an der TV-Schmonzette geändert – und nein, sie ist weder abgesetzt noch kernsaniert worden: Das Schiff ist ein anderes. Und das dürfte Studenten in aller Welt freuen. Denn sie können jetzt das ausgemusterte Ex-Traumschiff, die 17 Jahre alte MS Deutschland, als schwimmende Uni nutzen. Sofern sie das nötige Kleingeld dafür haben. Die Unterbringung in der Innenkabine kostet 21.824 Euro (23.950 US-Dollar), eine Außenkabine schlägt mit 27.306 Euro (29.950 Dollar) zu Buche.

Lernen und danach in den Pool

Nach ihrem TV-Aus hat die MS Deutschland monatelang rumvegetiert, bis Semester at Sea den Luxus-Liner charterte und in MV World Odyssey umbenannte. Im Herbst schickte die US-Organisation ihre mobile Uni gemeinsam mit der University of Virginia erstmals auf See. Am 5. Januar 2016 startet die zweite Fahrt. Es geht von der Westküste der USA über Japan und China nach Ghana bis England. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Anthropologie, International Marketing und Global Music.

Auf sieben Decks werden rund 700 Studis aus aller Welt wohnen, die luxuriösen Bars, Bibliotheken und Aufenthaltsräume dienen als Seminarräume. In denen lehren Profs der Virginia-Uni sowie sieben Gastdozenten an die Reiseroute angepasste Inhalte. Darüber hinaus sollen sich die Studenten in sogenannten „Global Comparative Lens“-Kursen weiterbilden. „Diese Kurse helfen Studenten, ihr Verständnis von bestimmten Facetten des Lebens und der Kultur unterschiedlicher Länder zu vertiefen“, beschreibt Semester at Sea den Zweck der Unternehmungen. Nach den vier Monaten auf See winken 15 Credit Points.

Die Luxus-Lernreisen sind offenbar beliebt: Seit Gründung des Programms im Jahr 1963 schipperten mehr als 55.000 Studenten auf den Vorgängerschiffen mit; darunter auch „Sex and the City“-Schauspielerin Cynthia Nixon und „2001: Odyssee im Weltraum“-Autor Arthur C. Clarke. Auf dem 175 Meter langen Schiff gibt’s einen Indoor- und Outdoor-Pool, ein Kino, ein Fitnessstudio und natürlich das Sonnendeck, der Anbieter verkauft die Fahrten als lehrreiche, aber auch unheimlich spaßige Riesensause.

Party mit Einschränkungen

Wenn man Benjamin Krumpen, Geschäftsführer von Phoenix-Reisen, über die erste Tour sprechen hört, klingt das Ganze schon weniger nach Spaß. Wenn die Studenten rumlümmeln, Entschuldigung: semesterfreie Zeit haben, wird die World Odyssey wieder zur Deutschland und kutschiert für den deutschen Reiseanbieter eine Klientel 60+ um die Welt. Um abzuschätzen, wie groß der Reinigungsaufwand nach einer Studienfahrt ist, war Krumpen an Bord. Und Überraschung: „Die Auflagen für die Studenten sind extrem hoch.“

Zu einigen Teilen des Schiffs, unter anderem auch zum Spa, hätten die Studis gar keinen Zutritt. Ihre Spuren ließen sich leicht beseitigen: Abnehmbares Logo am Schornstein austauschen, Metallbuchstaben am Bug des Schiffs freikratzen, den blauen Strich um den Rumpf türkis überstreichen, innen einmal durchkehren – fertig. „Wir brauchen nur wenige Stunden, dann ist die Studenten-Party verschwunden“, sagt Krumpen.

So erweckt die Fahrt mit der World Odyssey eher einen beklemmenden Eindruck. Vier Monate lang mit mehreren Personen in einer teuren Kabine nächtigen, mit 700 Bachelor-Studenten und Dozenten auf einem Kahn rumhängen, permanent lernen – und das alles für15 Credit Points? Wir können uns bessere Investitionen vorstellen.