Blood Rage: Wenn Game of Thrones und Walking Dead zum Brettspiel werden

Am Montag findet in Berlin die Verleihung des „Spiel des Jahres 2016“ statt. Familientaugliche Gewinnerspiele gibt es viele – unserem Autor hat es allerdings ein anderes Spiel angetan.

Foto: Hendrik Breuer

Die Figuren von "Blood Rage" Foto: Hendrik Breuer

An einem Juliabend auf dem Balkon. Die Hitze brennt, obwohl die Sonne schon fast untergegangen ist. Noch heißer geht’s allerdings auf unserem klapprigen Ikea-Tischchen zu. Ragnarök, das Ende der Welt, steht kurz bevor. Im mythischen Land, das den großen Baum Yggdrasil umgibt, kommt es zu grausamen Schlachten. Monster, Zwerge, Trolle und Wikinger*innen fallen übereinander her. Gleich wird die Provinz Angerboda in Flammen aufgehen und alles Leben in ihr vernichtet, sämtliche Krieger*innen werden in die Walhalla einziehen.

Da muss ich unbedingt dabei sein. Denn nichts ist heute so süß und ehrenvoll, wie für meinen Wolf-Clan zu sterben. Ich schicke meine Wüteriche, zwei Wolf-Krieger und einen Riesen in den Heldentod. Doch Maria ahnt, was ich vorhabe. Kühl lächelnd lässt sie ein paar Schlangen-Kriegerinnen einrücken.

Jetzt ist es zu spät, meine Truppen werden gnadenlos aufgerieben. Die „Battle of the Bastards“ war nichts dagegen und meine bemitleidenswerte Mannschaft darf ihre Walhalla-Reise schon früher als geplant antreten. So wird das nichts mit dem Ruhm für die Wölfe.

Wüteriche, Plastikminiaturen, amazonenhafte Wikinger*innen von jenseits der Mauer. Ist auf unserem Balkon das Nerd-Zeitalter ausgebrochen?

Nein. Es ist das Spiel „Blood Rage“. Und wir spielen es passioniert, obwohl Maria beim ersten Blick auf die Schachtel noch meinte, dass ich das Spiel besser unter Verschluss halten solle. „Hol den peinlichen Kram bitte nicht raus“, hieß es da.

Peinlich ist „Blood Rage“ nicht. Es ist ein fesselndes und spaßiges, schnelles Spiel mit eingängigen Regeln und einer Fülle an trashigen Miniaturen und Graphiken. Fans von „Game of Thrones“ dürften einige Elemente wieder erkennen, denn auch George R.R. Martin hat sich in der nordischen Mythologie bedient.

Bei „Blood Rage“ geht’s darum, möglichst viel Ruhm für den eigenen Clan einzusammeln. Dazu muss man plündern, kämpfen oder Questen erfüllen. Je spektakulärer gestorben wird, desto besser. Ganze Legionen eigener und gegnerischer Kämpfer*innen in die Walhalla zu befördern, bringt meist den Sieg. Dass dieses Spiel bewusst völlig überdreht, ist klar, und dass solche Gewaltorgien nicht jedermanns Sache sind, wohl auch.

Spieler*innen, die kein Problem mit Gewaltdarstellungen in „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“ haben und diese vielleicht sogar noch auf Twitter sarkastisch kommentieren, kommen hier voll auf ihre Kosten. Genug Gelegenheit zum „trash talk“ gibt’s nämlich immer. Passend dazu ist „Rage“, also „Wut“, in diesem von einem Kanadier erdachten Spiel die wichtigste Währung. Ich wünsche euch schon einmal viel Spaß bei den Frotzeleien rund um „Wutbürger“ und „Gutmenschen“!

Das perfekte Spiel ist „Blood Rage“ allerdings auch nicht. Sämtliche Frauen im Spiel sehen aus wie Daenerys Targaryen, die gerade dem Feuer entsteigt. Das dürfte einige Spieler*innen gehörig nerven. Schöner wäre es gewesen, auch ein paar Brienne of Tarths oder Sansa Starks ohne Bikini-Rüstung im Spiel zu haben.

Wer jetzt Lust auf „Blood Rage“ und Brettspiele an sich bekommen hat und am 16./17. Juli 2016 in Berlin ist, kann das Spiel auch einmal ganz unverbindlich anspielen. „Hunter & Cron“ veranstalten an dem Wochenende zum zweiten Mal die „Berlin Brettspiel Con“ (Spreewerkstätten in der Alten Münze, Am Molkenmarkt 2).

„Blood Rage“ von Eric M. Lang, Cool Mini Or Not/Asmodee, 2-4 Spieler*innen, ab 14 Jahren, um 70 Euro.