Daten zum Daten: Mit welcher Anmache ihr auf Tinder weiterkommt

Ein Tinder-Nutzer hat seine Anmachsprüche ausgewertet. Was funktioniert am besten? Ein Kompliment, ein simples „Hey!“, der Name der Angebeteten oder eine persönliche Frage?

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Tinder, unendliche Weiten. Ein Mann will sie nun in eine Statistik packen. © REUTERS/Mike Blake/Illustration

Eddy Azar hatte eine harte Zeit auf Tinder. Seine Frau Asha und er suchten sexuelle Abenteuer in Singapur, sie hatte Erfolg – er nicht. Irgendwann versuchte er es bei jeder Frau, die ihm halbwegs attraktiv erschien. Ein Match hatte er nur selten. Und wenn, dann kam es nicht zum Date. Bei zwei Verabredungen versetzten ihn die Frauen und ansonsten hatte er jetzt jede Menge Kontakte zu Nutzerinnen, mit denen er gar nicht ausgehen wollte, berichtet der 22-Jährige in seinem Blog.

Eines Nachmittags übernahm seine Frau die Chats und verabredete in einer halben Stunde zwei Dates. Sie leben in einer offenen Beziehung – Asha wollte ihn gern unterstützen. Eddy war überrascht. Naja, und erleichtert. Ein Glück, es lag zumindest nicht an seinem Aussehen. Aber woran dann?

Eddy öffnete ein Spreadsheet und begann, seine Versuche statistisch auszuwerten. Bei 1049 Swipes hatte er in 93 Prozent der Fälle keinen Match. Nur in 74 Fällen waren Nutzerinnen auch an ihm interessiert.

Tja. Nur etwa sieben Prozent der Frauen, auf die Eddy stand, mochten ihn auch. Entsprechend klein ist die Grundgesamtheit seiner folgenden Versuche: Als nächstes wertete er aus, auf welche Nachrichten er eine Antwort bekam. Hier sind seine Varianten:

  • Ein Kommentar zu den Fotos der Nutzerin
  • Eine interessante Frage, random
  • Ein Witz über ihren Namen
  • Name! :)
  • Ein Kommentar zur Selbstbeschreibung der Nutzerin
  • Hey. (Manchmal mit Ausrufezeichen, manchmal auch mit Smilie)
  • Ein Gif
  • … oder sie schrieb ihn an.

Kommentierte er die Fotos, antworteten ihm 91 Prozent der Nutzerinnen, bei einem Namenswitz nur 28 Prozent. Die längsten Konversationen hatte er, wenn die Frau ihn anschrieb. Einmal küsste Eddy sein Date sogar, die beiden schliefen mehrfach miteinander.

Schwierig ist seine Schlussfolgerung: Anmerkungen zur Beschreibung der Nutzerin würden zu einem längeren Nachrichtenwechsel führen. Auch würde ein Kommentar auf ein Foto nicht automatisch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Telefonnummer zu bekommen. Die Schlussfolgerung lässt außer Acht, wie Eddy sich im Gespräch schlägt, das auf die erste Nachricht folgt. Meine Vermutung: eher nicht so gut. Aber immerhin hat er mit einer Frau geschlafen, Glückwunsch an dieser Stelle.

Was wir aber lernen können: Eddys Namenswitze funktionieren eher nicht so gut. Jedenfalls, falls er darauf eine Antwort erwartet. Mein früherer Kollege Pilz war offen für Namenswitze, ich für meinen Teil bin mir recht sicher, nach fast 30 Jahren alle gehört zu haben.

Gifs oder ein simples Hey haben Eddy auch nicht weit gebracht, das dürfte seinen Tinder-Score ganz schön runtergezogen haben. Insgesamt bekam Eddy in 15 Prozent seiner Versuche private Kontaktdaten – das sind wegen der kleinen Grundgesamtheit allerdings nur zehn Frauen. Mit neun von ihnen verabredete er Dates.

[Auch noch auf ze.tt: Die Geschichte von Michelle Thomas, die nach einem schlechten Tinder-Date mit Body-Shaming abrechnet.]

Das Experiment geht weiter und Eddy hat jetzt auch andere überredet, mit ihm Daten übers Daten zu sammeln. Kann daraus eine allgemeingültige Tinder-Strategie werden? Eher nicht. Aber erfolglose Online-Flirter sollten vielleicht selbst einmal erheben, welche Sprüche bei den Angebeteten eher nicht so gut ankommen.

Meine These für Eddys Misserfolg ist übrigens eine andere. Hier ist das Szenario: Eine Frau sieht einen attraktiven Typen bei Tinder: Eddy. Das Gesicht passt, die Frau wischt nach rechts. „It’s a match!“ Sie schreibt, er schreibt. Dann schaut die Frau ins Profil, scrollt nach unten. Und dort schreibt Eddy mit merkwürdigen Smilies von seinem Leben und erwähnt dann ganz am Ende noch, dass er in einer offenen Beziehung lebt.

Also meine Motivation wäre dahin. Dating-Tipp von mir: Schreibt keinen Bullshit. Online-Dating erlöst euch auch nicht von dem elenden Zwang, euch Frauen gegenüber nicht wie Affen zu benehmen.