Dein Freund, der die ganze Zeit Witze reißt, ist (vielleicht) krank

Hier ist ein Witz: Wie viele Menschen sitzen in einem Hubschrauber? Zwei, einer der hupt, und einer der schraubt.

Jeder kennt diesen einen Clown, der einfach nicht aufhören kann, "witzig" zu sein. © pexels

Jeder kennt diesen einen Clown, der einfach nicht aufhören kann, "witzig" zu sein. © pexels

Hier ist noch einer: Kommt eine hochschwangere Frau zum Bäcker und sagt: „Ich krieg ein Bauernbrot!“ Sagt der Bäcker: „Sachen gibt’s!“

Okay, aller guten Dinge sind drei: Welches Haustier hat nur ein Bein? Ein halbes Hähnchen.

Einfach furchtbar so ein Verhalten, oder? Wenn du auch einen Freund hast, der einfach nicht aufhören kann, solche Witze zu reißen, dann leidet der vielleicht unter “Witzelsucht”.

Witzesucht ist eine echte Krankheit, kein doofer Witz. Der Begriff beschreibt ein Frontalhirn-Syndrom, bei dem der Betroffene nach einer organischen Schädigung des Gehirns ständig dazu verleitet wird, Witze zu erzählen.

Wie Dereks „Witzelsucht“ beinahe seine Ehe ruiniert hätte

Im aktuellen “Journal of Neuropsychiatry and Clinical Neurosciences” beschreibt der Neurologe Dr. Mario Mendez von der University of California den Fall eines Patienten, der von seiner Frau zu ihm geschickt wurde. Sie kam einfach nicht mehr mit ihrem witzigen Ehemann zurecht.

Derek, dessen Name für den Forschungsbericht geändert wurde, weckte seine Frau mehrfach in der Nacht auf, um ihr die neusten Witze zu erzählen, die ihm im Schlaf gerade eingefallen waren. Weil Ehefrauen auch mal schlafen müssen, drückte sie ihm irgendwann ein Notizbuch in die Hand, in der er alle Witze aufschreiben sollte. Derek war fleißig, schnell waren über 50 Seiten gefüllt.

Fünf Jahre beobachtete Dereks Frau das Verhalten ihres Ehemanns, dann schaltete sie Dr. Mendez ein. In seinem Forschungsbericht erinnert sich der Neurologe an das erste Treffen: “Derek machte ständig Witze, es war schwierig, überhaupt ein richtiges Gespräch zu führen.”

Schnell stand die Diagnose “Witzelsucht” fest, ein Syndrom, das in Teilen der Neurologie schon seit 87 Jahren bekannt ist. Der deutsche Neurologe Otfrid Foerster, der übrigens eine spektakuläre Karriere von Lenins Leibarzt zum Begründer der paralympischen Spiele hinlegte, beobachtete die “Witzelsucht” erstmals 1929 bei einem Patienten nach einer Tumor-OP.

Es gibt ein Mittel gegen „Witzelsucht“

Das “Witzelsucht”-Syndrom ist extrem selten. In den vergangenen Jahrzehnten wurde etwa ein Dutzend Fälle dokumentiert. Für die Angehörigen der “Witzelsüchtigen” ist das Syndrom zunächst natürlich vor allem eins: Sehr lustig! Doch schnell wird das Verhalten anstrengend. Zudem leiden einige Betroffene neben ihrer “Witzelsucht” schnell auch unter Sexsucht. Spätestens dann wird den meisten Bekannten des „Witzelsüchtigen“ klar: Der ist gar nicht lustig, sondern krank.

Immerhin: Seit 2005 ist bekannt, dass das Medikament Venlafaxin, eigentlich für Depressionen und Angststörungen gedacht, bei der Bekämpfung der „Witzelsucht“ helfen kann – damit die Witze irgendwann auch mal ein Ende nehmen.