Dein Made-in-China-Shirt könnte in Nordkorea produziert worden sein

Chinesische Firmen produzieren zunehmend in nordkoreanischen Fabriken, da Arbeitskräfte dort billiger sind, berichtet Reuters.

Für Unternehmen wird es immer teurer, in China zu produzieren. Manche lagern es deshalb nach Nordkorea aus. Foto: EPA/MICHAEL REYNOLDS

Nur weil auf deinem Zwei-Euro-T-Shirt Made in China drauf steht, heißt das nicht, dass da auch Made in China drin ist. Reuters berichtet, dass chinesische Firmen zunehmend in nordkoreanischen Fabriken produzieren, da Arbeitskräfte dort billiger sind.

Der Nachrichtendienst sprach mit chinesischen Unternehmen und Händler*innen nahe der nordkoreanischen Grenze. Diese sagen, dass chinesische Firmen Stoffe und Materialien nach Nordkorea senden. Dort würden diese dann zusammengenäht und die fertige Kleidung unter dem Label Made in China in die ganze Welt verschifft werden; zumeist ohne, dass die Käufer*innen davon wissen.

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Erst vergangenes Jahr kam heraus, dass Produkte der australischen Sportbekleidungsmarke Rip Curl in Nordkorea hergestellt worden waren. Das Label entschuldigte sich öffentlich und beschuldigte einen Zulieferer, die Herstellung ohne Genehmigung an ein Subunternehmen outgesourct zu haben.

Laut der Quellen von Reuters könne man durch dieses Verfahren bis zu 75 Prozent der Herstellungskosten für Kleidung sparen. „Nordkoreanische Arbeiter können 30 Prozent mehr Kleidung am Tag produzieren als chinesische Arbeiter“, so ein Geschäftsmann. So könnten nordkoreanische Arbeiter*innen beispielsweise nicht nach Belieben auf die Toilette gehen, weil sie glauben, dass verlangsame die Produktion.

Arbeiten unter schlimmsten Bedingungen

Immer wieder berichten Menschenrechtsorganisationen über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in dem isolierten Land. Laut eines Berichts von Human Rights Watch aus dem Jahr 2012 werden sogar Kinder zur Zwangsarbeit verordnet.

In der sozialistischen Militärdiktatur sind alle Fabriken in staatlichem Besitz. Bedeutet: Die Erlöse fließen sehr wahrscheinlich auch in den Ausbau dessen Waffenprogramms, so Quartz.

Laut der Korea Trade-Investment Promotion Agency (KOTRA) sind Textilien das zweitgrößte Exportprodukt Nordkoreas. Das meiste Geld verdiente das Land bislang mit dem Export von Kohle und anderen Mineralien – was sich ändern könnte, nachdem die UN verschärfte Wirtschaftssanktionen beschlossen hat. China, Nordkoreas wichtigster Handelspartner, wird künftig keine Kohle mehr importieren.